Commerzbank Aktie: Nahe am 15-Jahres-Hoch
Die Commerzbank-Aktie erreichte 43,37 Euro, während höhere Zinserträge und die offene UniCredit-Frage den weiteren Kursverlauf prägen.

Kurz zusammengefasst
- Kursanstieg bis auf 43,37 Euro
- 15-Jahres-Hoch nur knapp verfehlt
- Orlopp stellt höheren Zinsüberschuss in Aussicht
- UniCredit bleibt wichtiger Kurstreiber
Kurz vor dem Fed-Zinsentscheid zeigte sich am Mittwoch, wie eng der Commerzbank-Kurs mittlerweile an zwei Fäden hängt: dem Sektorumfeld und dem Übernahmepoker mit UniCredit. Die Aktie kletterte im Tagesverlauf um bis zu 2,1 Prozent auf 43,37 Euro und rührte damit fast am Hoch aus dem August 2010 von 43,45 Euro. Mehr als ein Wimpernschlag fehlte zum höchsten Stand seit 2009.
Dann kam die Gewinnmitnahme. Der Kurs drehte ins Minus, zeitweise auf 42,45 Euro. Nervosität vor dem Zinsentscheid der US-Notenbank am Abend dürfte dabei eine Rolle gespielt haben – am Markt wurde eine Wahrscheinlichkeit von über 94 Prozent für eine Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte gehandelt, was Bankaktien wegen des Effekts auf das Kreditgeschäft grundsätzlich zugutekommt.
Orlopp macht Zinsversprechen
Unterstützung kam von Vorstandschefin Bettina Orlopp. Auf einer Fachkonferenz stellte sie für das dritte Quartal einen höheren Zinsüberschuss, Gebührenwachstum und stabile Kosten in Aussicht. Marktteilnehmer werteten auch ihre Aussagen zu den Ausschüttungsplänen positiv, verwiesen aber zugleich auf die ungelöste Situation mit UniCredit als Unsicherheitsfaktor.
Der gesamteuropäische Bankenindex Stoxx Europe 600 Banks gehörte am Mittwoch mit einem Plus von rund einem Prozent zu den Sektorfavoriten. Zuvor hatten Aussagen der Bank of America zum dritten Quartal die Stimmung gedämpft, ehe Kommentare von JPMorgan im Rahmen einer Fachkonferenz die Anleger wieder beruhigten. Die Deutsche Bank, zuletzt etwas von ihrem Hoch seit 2011 zurückgefallen, erholte sich parallel um mehr als ein Prozent.
UniCredit bleibt der Taktgeber
Auch wenn das Tauschangebot der UniCredit an die Commerzbank-Aktionäre bereits abgelaufen ist, orientiert sich der Kurs weiterhin an der Notierung der italienischen Großbank. J.P. Morgan sieht für UniCredit ein Kursziel von 94 Euro – ein Signal, das über den Bewertungspfad indirekt auch auf die Commerzbank durchschlägt.
Bei den Commerzbank-eigenen Kurszielen zeichnet sich hingegen ein enges Bild: Die zuletzt abgegebenen Einschätzungen liegen zwischen 37 und 43 Euro, bei einem Durchschnitt von rund 40 Euro. Die Hälfte der Analysten empfiehlt derzeit, die Aktie zu halten – ein Hinweis darauf, dass der jüngste Kursanstieg bereits einen guten Teil der Erwartungen vorwegnimmt.
Für die Commerzbank-Aktionäre läuft der Übernahmeprozess bislang nach Plan. Beim Bund als Anteilseigner dürfte die Gemengelage aus Kursrallye und offener UniCredit-Frage dagegen andere Fragen aufwerfen. Der Fed-Entscheid am Abend wird zeigen, ob der Bankensektor seinen Schwung mitnehmen kann.
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