Commerzbank Aktie: Neuer Rückkauf startet
Die Commerzbank beginnt ein Aktienrückkaufprogramm über bis zu 1,2 Milliarden Euro, während UniCredit um die Kontrolle über die Bank ringt.

Kurz zusammengefasst
- Aktie steigt um 3,1 Prozent
- Kapitalrückgabe von rund 3,2 Milliarden Euro
- UniCredit greift nach Commerzbank-Kontrolle
- Orlopp knüpft Zukunft an Einigung
Die Commerzbank zieht die Aktionäre auf ihre Seite, während im Hintergrund um die Kontrolle über die Bank gerungen wird. Ab heute läuft ein neues Aktienrückkaufprogramm über bis zu 1,2 Milliarden Euro, wie das Institut mitteilte. Genehmigungen der Europäischen Zentralbank und der Finanzagentur liegen bereits vor. Die Aktie reagierte am Donnerstag mit einem Plus von 3,1 Prozent und markierte damit einen Kurs nahe dem 52-Wochen-Hoch.
Der Rückkauf ist Teil einer größeren Kapitalrückgabe: Für das Geschäftsjahr 2026 will die Commerzbank ausgehend von einem Nettogewinnziel von mindestens 3,4 Milliarden Euro insgesamt rund 3,2 Milliarden Euro an ihre Aktionäre ausschütten. Das Signal kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Frage nach der künftigen Eigentümerstruktur der Bank alles andere überschattet.
Orlopp warnt vor Eskalation im Machtkampf mit UniCredit
Auf dem Handelsblatt-Bankengipfel in Frankfurt bestätigte Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp am Dienstag Gespräche mit dem Management von UniCredit. Zugleich mahnte sie zur Vorsicht: „Wir sollten es jetzt tunlichst nicht vermasseln.“ Orlopp räumte ein, dass UniCredit mit Zugriff auf fast 50 Prozent der Commerzbank-Anteile faktisch bereits als Kontrollaktionär auftritt.
Zu ihrer eigenen Zukunft äußerte sich Orlopp ebenfalls deutlich: Ein Vertrag bis 2029 ergebe nur Sinn, wenn Vertrauensbasis und Strategieeinigung mit dem Aufsichtsrat bestünden. Andernfalls müsse man „Konsequenzen ziehen“.
Hintergrund der Spannungen sind laut Berichten Pläne von UniCredit-Chef Andrea Orcel, durch Stellenabbau und die Beschneidung des Auslandsnetzes der Commerzbank Milliardeneinsparungen zu erzielen – ein Kurs, den das Commerzbank-Management ablehnt.
Die politische Ebene schaltet sich zunehmend ein: Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hat Orcel für den 14. September ins Bundesfinanzministerium eingeladen. Der Bund hält seit der Finanzkrise 2008 noch 13 Prozent an der Commerzbank und ist damit zweitgrößter Aktionär. Nach Abschluss der Übernahme wird UniCredit auf der nächsten Hauptversammlung über die Mehrheit verfügen.
Zwischen Übernahmedruck und Kapitalrückgabe
Wie stark der Rückzug institutioneller Anleger aus der Aktie tatsächlich war, zeigt ein Blick auf das Übernahmeangebot: Bis zum Ende der Annahmefrist am 3. Juli waren 17,6 Prozent der Commerzbank-Aktien angedient worden, davon nur 2,7 Prozentpunkte von institutionellen und privaten Investoren.
Der Übergang der angedienten Aktien an UniCredit steht weiterhin unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen. Sind diese erteilt, kontrolliert UniCredit bis zu 50 Prozent der Stimmrechte.
Für Anleger verdichtet sich die Lage damit zu einer klaren Beobachtungsagenda: Der laufende Rückkauf liefert kurzfristig Rückenwind für den Kurs, während das Treffen zwischen Klingbeil und Orcel am 14. September zeigen dürfte, ob sich Politik und UniCredit auf einen tragfähigen Kompromiss zubewegen.
Orlopps Ankündigung, ihr Amt an eine Einigung mit dem Aufsichtsrat zu knüpfen, macht die Personalie zum zusätzlichen Unsicherheitsfaktor. Die Marktreaktion vom Donnerstag zeigt: Solange konkrete Kapitalrückgaben fließen, honorieren Investoren das – ungeachtet der offenen Machtfrage im Hintergrund.
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