Commerzbank Aktie: Orcel auf Abstand gehalten

Commerzbank weist UniCredit-Übernahmeangebot mit Rekordgewinn und ehrgeiziger Strategie zurück. Aktie fällt trotz starker Quartalszahlen.

Dieter Jaworski ·
Commerzbank Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Operativer Gewinn steigt auf 1,36 Milliarden Euro
  • Neue Strategie „Momentum 2030“ vorgestellt
  • Abbau von 3.000 Stellen bis 2030 geplant
  • UniCredit-Angebot liegt unter aktuellem Aktienkurs

Die Commerzbank hat am Freitag ihre Antwort auf UniCredits Übernahmeoffensive geliefert — und die fiel unmissverständlich aus. Rekordergebnisse, hochgesteckte Gewinnziele und ein neuer Stellenabbau sollen Investoren davon überzeugen, dass das Frankfurter Institut als eigenständiges Unternehmen mehr wert ist als das Angebot der Italiener suggeriert.

Im ersten Quartal 2026 erzielte die Commerzbank einen operativen Gewinn von rund 1,36 Milliarden Euro — etwa zehn Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und mehr als Analysten erwartet hatten. Der Nettoüberschuss belief sich auf 913 Millionen Euro. CEO Bettina Orlopp sprach vom besten Jahresstart seit 2011 und machte deutlich, dass daran jedes Alternativszenario gemessen werden müsse.

Momentum 2030: Ehrgeizige Ziele als Abwehrschild

Im Rahmen der neuen Strategie „Momentum 2030″ hat die Bank ihre mittelfristigen Ziele deutlich nach oben geschraubt. Für 2026 peilt Orlopp nun einen Jahresüberschuss von mindestens 3,4 Milliarden Euro an — 200 Millionen mehr als bisher. Bis 2028 soll der Gewinn auf 4,6 Milliarden Euro steigen, bis 2030 sogar auf 5,9 Milliarden. Die Eigenkapitalrendite soll Ende des Jahrzehnts rund 21 Prozent erreichen.

Parallel dazu kündigte die Bank den Abbau von weiteren 3.000 Vollzeitstellen bis 2030 an — verbunden mit Restrukturierungskosten von rund 450 Millionen Euro. Das ist bereits die dritte Entlassungswelle in wenigen Jahren. Zugleich sollen in Wachstumsfeldern wie der Digitalmarke Comdirect und der Vermögensverwaltung neue Stellen entstehen. Betriebsbedingte Kündigungen sind laut einer Vereinbarung mit dem Betriebsrat faktisch ausgeschlossen.

UniCredits Angebot: Unter dem aktuellen Kurs

Das eigentliche Kernproblem für Andrea Orcel liegt woanders. Sein Tauschangebot, das er am Dienstag offiziell eingereicht hatte, bewertet die Commerzbank auf Basis eines Drei-Monats-Durchschnittskurses mit rund 34,35 Euro je Aktie — und liegt damit unterhalb des zuletzt gehandelten Kurses. Commerzbank-Chefin Orlopp wies die Konditionen als deutliche Unterbewertung zurück und kritisierte, die Annahmen der Mailänder hielten einer ernsthaften Prüfung nicht stand.

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Konkret bezweifelt das Frankfurter Management, dass UniCredits angekündigtes Kostensenkungspotenzial von 1,3 Milliarden Euro realistisch ist. Um diesen Betrag zu erreichen, müssten nach interner Schätzung bis zu 7.000 Stellen allein bei der Commerzbank gestrichen werden — ein Szenario, das Gewerkschaft Verdi mit dem Verweis auf bis zu 15.000 gefährdete Arbeitsplätze inklusive der Hypovereinsbank scharf ablehnt.

Die politische Flankierung ist eindeutig: Bundeskanzler Friedrich Merz stellte sich am Donnerstag öffentlich gegen feindliche Übernahmen im Bankensektor. Der Bund hält noch rund 12 Prozent an der Commerzbank und könnte seinen Anteil theoretisch aufstocken — ein Schritt, der allerdings erhebliche regulatorische Hürden mit sich brächte.

An der Börse kamen die Nachrichten trotz solider Zahlen nicht gut an. Die Aktie verlor am Freitag rund 1,3 Prozent auf 36,43 Euro. RBC-Analystin Anke Reingen lobte zwar die Kostendisziplin, stufte die neuen Mittelfristziele aber als ambitioniert ein — ihr Kursziel von 43 Euro ließ sie unverändert bei „Outperform“.

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Commerzbank Aktie

36,80 EUR

– 0,02 EUR -0,05 %
KGV 17,10
Sektor Finanzdienstleistungen
Div.-Rendite 3,00 %
Marktkapitalisierung 40,68 Mrd. EUR
ISIN: DE000CBK1001 WKN: CBK100

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