Commerzbank Aktie: Orcel peilt Kontrolle Anfang 2027 an

Unicredit hält 48 Prozent an der Commerzbank und plant die operative Übernahme. Der Aktienkurs profitiert von der Übernahmefantasie und notiert nahe seinem Rekordhoch.

Dieter Jaworski ·
Moderne Glasfassade eines Bürogebäudes in der Abendsonne als Symbol für strategische Unternehmensentwicklung. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Unicredit-Anteil an Commerzbank steigt
  • Orcel plant Führungswechsel und Umbau
  • Politischer Widerstand in Berlin bröckelt
  • Commerzbank-Aktie nahe Rekordhoch

Nach fast zwei Jahren Übernahmekampf ist längst nicht mehr die Frage, ob Unicredit bei der Commerzbank das Sagen übernimmt – sondern wann genau. Die italienische Großbank hält nach dem Stand vom 31. Juli knapp 48 Prozent der Commerzbank-Aktien. Für die vollständige Kontrolle fehlen ihr damit nur noch wenige Prozentpunkte, auch wenn die formale Schwelle von 50 Prozent bislang verfehlt bleibt.

Orcel drängt auf schnelle Kontrolle

Unicredit-Chef Andrea Orcel will die faktische Mehrheit rasch in operative Macht ummünzen. Er plant, den Aufsichtsrat neu zu besetzen und den Vorstand auszutauschen – notfalls über eine außerordentliche Hauptversammlung. Commerzbank-Aufsichtsratschef Jens Weidmann erkennt die neuen Mehrheitsverhältnisse inzwischen an. Orcel beziffert die Synergien aus seinem Konzept „Commerzbank unlocked“ auf 1,2 Milliarden Euro und peilt den Abschluss der Übernahme Anfang 2027 an, sofern die nötigen Genehmigungen bis zum Jahresende vorliegen.

Für die Commerzbank bedeutet das einen Umbau von oben, der weit über einen reinen Aktionärswechsel hinausgeht. Gleichzeitig treibt der eigene Vorstand die Strategie „Momentum“ voran, die auf Effizienzgewinne durch den Einsatz künstlicher Intelligenz setzt – ein Zeichen, dass die Bank trotz der drohenden Fremdkontrolle operativ eigenständig weiterarbeitet.

Politischer Widerstand bröckelt

Die Bundesregierung, die selbst rund 12 Prozent an der Commerzbank hält, stellt sich unter Kanzler Merz und Finanzminister Klingbeil bislang gegen die Übernahme. Der Widerstand bröckelt jedoch zunehmend aus den eigenen Reihen: CSU-Chef Markus Söder empfiehlt der Regierung, die Blockadehaltung aufzugeben und in Gespräche mit Unicredit einzutreten. Für Anleger bleibt damit vor allem der Zeitplan die entscheidende Unbekannte – nicht mehr das Ob der Übernahme.

Rückenwind kommt auch aus Italien selbst. Intesa-Sanpaolo-Chef Carlo Messina lobte den Unicredit-Commerzbank-Deal ausdrücklich, während er parallel sein eigenes, 30,6 Milliarden Euro schweres Übernahmeangebot für die Bank Monte dei Paschi di Siena verteidigte. Er betonte allerdings, beide Transaktionen seien unterschiedlich positioniert und nicht direkt vergleichbar. Die Einordnung eines Konkurrenten aus dem eigenen Sektor verleiht der Commerzbank-Transaktion zusätzliches Gewicht als Blaupause für grenzüberschreitende Bankenfusionen in Europa.

Kurs nahe Rekordhoch

An der Börse spiegelt sich die Übernahmefantasie längst im Kurs. Seit September 2024 hat sich die Aktie von unter 15 Euro auf zeitweise knapp 37 Euro nahezu verdreifacht. Am Donnerstag schloss das Papier bei 37,36 Euro, ein Plus von 1,66 Prozent zum Vortag. Damit fehlen dem Titel nur noch 4,65 Prozent bis zu seinem 52-Wochen-Hoch aus dem Juli.

Die Nähe zum Rekordniveau zeigt, dass der Markt fest mit einem erfolgreichen Zugriff Unicredits rechnet. Offen bleibt, wie schnell die politischen Widerstände in Berlin fallen und ob die angepeilte Kontrollübernahme tatsächlich Anfang 2027 gelingt. Bis dahin dürfte jede neue politische Äußerung – ob aus dem Kanzleramt, vom Finanzministerium oder aus den Reihen der Union – den Kurs der Commerzbank-Aktie unmittelbar bewegen.

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Commerzbank Aktie

42,47 EUR

– 0,20 EUR -0,47 %
KGV 16,35
KUV 3,83
Sektor Finanzdienstleistungen
Div.-Rendite 2,57 %
Marktkapitalisierung 45,90 Mrd. EUR
Ø Kursziel 41,26 EUR
ISIN: DE000CBK1001 WKN: CBK100

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