Commerzbank Aktie: Orcel schlägt zu!
UniCredit-Chef Orcel will eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen und strebt die Kontrolle bis Anfang 2027 an.

Kurz zusammengefasst
- Orcel bereitet Aktionärstreffen nach Genehmigungen vor
- Austausch aller zehn Anteilseignervertreter geplant
- Berlin fordert zwei Aufsichtsratssitze
- UniCredit plant Abbau von rund 7.000 Stellen
Die Machtprobe an der Spitze der Commerzbank steuert auf ihren Höhepunkt zu. Wie die Financial Times berichtet, bereitet UniCredit-Chef Andrea Orcel nach dem Erhalt der noch ausstehenden behördlichen Genehmigungen die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung vor. Ziel des Schritts ist die vollständige Neubesetzung der Anteilseignerseite im Aufsichtsrat sowie die Ablösung von Commerzbank-Vorstandschefin Bettina Orlopp.
An der Börse reagierten die Anleger mit Zurückhaltung auf die Aussicht auf einen raschen Kontrollwechsel. Die Aktie der Commerzbank verzeichnete heute ein Minus von 2,2 Prozent auf 41,66 Euro.
Außerordentliche Hauptversammlung soll Fakten schaffen
Der italienische Großaktionär peilt laut den Berichten ein deutlich höheres Tempo an als bisher angenommen. Im Basisszenario strebt die UniCredit die operative Kontrolle bis Ende Februar 2027 an, im besten Fall bereits im Januar 2027. Bislang stand das zweite Quartal 2027 im Raum. Sollte das Frankfurter Institut Verzögerungen herbeiführen, könnte sich der Umbau bis zur regulären Hauptversammlung im Mai 2027 verschieben.
Auf dem Aktionärstreffen plant Orcel, alle zehn Vertreter der Anteilseigner im 20-köpfigen Aufsichtsrat auszutauschen. Zudem soll Vorstandschefin Bettina Orlopp ihren Posten räumen. Für das Vorhaben verfügt UniCredit über eine starke Verhandlungsposition: Die Mailänder Bank hat sich inklusive derivativer Instrumente den Zugriff auf 47,6 Prozent der Commerzbank-Anteile gesichert.
Orlopp selbst hatte im August erklärt, sie rechne mit den erforderlichen Freigaben durch die Europäische Zentralbank, die EU-Kommission und die polnische Finanzaufsicht im vierten Quartal 2026.
Konflikt mit Berlin über Sitze im Kontrollgremium
Widerstand formiert sich derweil auf Seiten des Bundes. Die Bundesrepublik Deutschland ist nach früheren Aktienrückkäufen mit gut 13 Prozent der Anteile der zweitgrößte Aktionär der Commerzbank. Berlin pocht auf zwei Sitze im künftigen Aufsichtsrat sowie auf den Erhalt der Frankfurter Zentrale und der Kreditvergabe an den deutschen Mittelstand. Diesen Anspruch auf zwei Mandate lehnt Orcel Medienberichten zufolge jedoch ab.
Für den Fall einer geglückten Übernahme zeichnen sich spürbare Einschnitte im Geschäftsmodell des Frankfurter Instituts ab. Die Pläne der UniCredit sehen vor, das internationale Kreditbuch außerhalb von Deutschland und Polen um rund 20 Milliarden Euro zu reduzieren und das Auslandsnetz zu verkleinern.
Im Zuge der Kostensenkungen könnten laut früheren Angaben rund 7.000 Stellen wegfallen. Befürchtungen von Gewerkschaften, die einen Abbau von bis zu 15.000 Arbeitsplätzen in den Raum gestellt hatten, widersprach Orcel.
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