Commerzbank Aktie: Orlopp koppelt Verbleib an Strategie-Einigung

Die Commerzbank überzeugt mit starkem Halbjahresgewinn, während Orlopps Verbleib und UniCredits Übernahmepläne für strategische Unsicherheit sorgen.

Dr. Robert Sasse ·

Kurz zusammengefasst

  • Orlopps Verbleib bleibt an Strategie geknüpft
  • UniCredit hält rund 50 Prozent
  • Halbjahresgewinn steigt auf 1,81 Milliarden
  • EZB prüft Mehrheitsbeteiligung weiterhin

Die Commerzbank-Aktie notiert nahe ihres 52-Wochen-Hochs, doch im Hintergrund verdichtet sich ein Machtkampf um die Zukunft des Instituts. CEO Bettina Orlopp hat beim Handelsblatt-Bankengipfel am Mittwoch deutlich gemacht, dass ihr Verbleib an der Spitze von einer Einigung über die künftige Strategie abhängt.

Sollte sich mit einem neuen Aufsichtsrat keine Übereinstimmung finden lassen, werde sie „daraus die Konsequenzen ziehen“, sagte Orlopp laut Berichten von Bloomberg und Medienberichten zufolge.

Kontrollaktionär UniCredit als Ausgangspunkt

Orlopp räumte bei derselben Gelegenheit ein, dass UniCredit inzwischen „de facto einen Kontrollaktionär“-Status besitzt, mit rund 50 Prozent der Stimmrechte. Zugleich betonte sie Gesprächsbereitschaft: „Es gibt Gespräche, das ist im Interesse beider Parteien.

Wir sollten es jetzt tunlichst nicht vermasseln.“ Die Aussage markiert einen Kurswechsel im Ton gegenüber dem italienischen Großaktionär, der seine Position seit dem Ende der Angebotsfrist im Juli kontinuierlich ausgebaut hat.

Für Anleger bedeutet das vor allem eines: Die Personalfrage an der Commerzbank-Spitze ist nicht mehr nur Randnotiz, sondern verknüpft sich direkt mit der strategischen Ausrichtung unter einem möglichen UniCredit-Einfluss. Ein Rückzug Orlopps käme zu einem Zeitpunkt, an dem das Institut operativ so stark dasteht wie lange nicht.

Politische Bühne wird größer

Die Angelegenheit bekommt in den kommenden Tagen zusätzliches politisches Gewicht: Am 14. September soll UniCredit-Chef Andrea Orcel mit Bundesfinanzminister Lars Klingbeil in Berlin über die Übernahmestrategie sprechen. Der Bund hält selbst noch rund 12 bis 13 Prozent an der Commerzbank und dürfte bei diesem Gespräch eigene Interessen einbringen.

Parallel prüft die Europäische Zentralbank weiterhin den Antrag von UniCredit auf eine Mehrheitsbeteiligung, nachdem die Bafin ihn Anfang August als vollständig eingestuft und weitergeleitet hatte. Marktbeobachter rechnen mit einer Entscheidung im Herbst.

Operative Stärke trifft auf Unsicherheit

Die fundamentale Ausgangslage der Bank bleibt robust. Nach einem Nettoergebnis von 913 Millionen Euro im ersten Quartal folgte im zweiten Quartal ein Gewinnsprung auf 898 Millionen Euro, ein Plus von 94 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Halbjahresergebnis von 1,81 Milliarden Euro liegt 40 Prozent über dem Vorjahreswert, das Management hatte die Jahresprognose zuletzt auf mindestens 3,4 Milliarden Euro Nettogewinn angehoben.

Diese Zahlen erklären zu einem guten Teil, warum die Aktie trotz der ungeklärten Machtfrage gefragt bleibt. Der Kurs schloss am Freitag bei 41,86 Euro, nur 0,6 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 42,11 Euro, das am selben Tag markiert wurde.

Auf Jahressicht steht ein Plus von 16 Prozent zu Buche, gegenüber dem Stand vor zwölf Monaten sogar von 28 Prozent. Der RSI von 67,7 signalisiert eine bereits recht ambitionierte Bewertung im kurzfristigen Handel.

Für die kommenden Wochen dürfte die Entwicklung der Aktie weniger von operativen Kennzahlen als von der Personalie Orlopp und dem Ausgang der Gespräche zwischen Berlin und Mailand abhängen. Beide Fragen berühren den Kern der Übernahmestrategie von UniCredit – und damit direkt den künftigen Kurs der Commerzbank.

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Commerzbank Aktie

41,86 EUR

+ 0,25 EUR +0,60 %
KGV 16,11
KUV 3,83
Sektor Finanzdienstleistungen
Div.-Rendite 2,64 %
Marktkapitalisierung 45,24 Mrd. EUR
Ø Kursziel 41,18 EUR
ISIN: DE000CBK1001 WKN: CBK100

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