Commerzbank Aktie: Orlopp kritisiert UniCredit-Vorgehen als unsauber
Der Übernahmekonflikt zwischen Commerzbank und UniCredit eskaliert. Die Aktie verliert, während die Zukunft des Frankfurter Instituts auf dem Spiel steht.

Kurz zusammengefasst
- UniCredit droht mit Vorstandsabsetzung
- Commerzbank-Aktie fällt um 1,47 Prozent
- Ermittlungen von BaFin und Staatsanwaltschaft
- Übernahmeangebot bis Juli befristet
Am Frankfurter Parkett weht ein rauer Wind. Die Commerzbank-Aktie notiert heute bei 36,22 € — ein Minus von 1,47 % gegenüber dem Freitagsschluss. Unter der Oberfläche tobt ein Konflikt, der die strategische Zukunft des Instituts radikal infrage stellt.
Drohung aus Mailand
Die Eskalation hat eine neue Qualität erreicht. UniCredit droht nun indirekt mit der Absetzung des Commerzbank-Vorstands über den Aufsichtsrat. Dass Chefin Bettina Orlopp darauf „irritiert“ reagiert und das Vorgehen als „unsauber“ bezeichnet, ist angesichts der Faktenlage verständlich.
UniCredit kontrolliert rechnerisch inzwischen rund 37 % bis 38,6 % der Anteile — angedienten Aktien aus dem Übernahmeangebot eingerechnet. Der Vorwurf der Commerzbank: Die Italiener spielen ein falsches Spiel bei der Herkunft dieser Aktien. BaFin und Staatsanwaltschaft Frankfurt ermitteln bereits vor. Die Brücken zwischen Frankfurt und Mailand sind nicht nur beschädigt. Sie sind gesprengt.
Kurs hält — noch
Trotz des heutigen Rücksetzers bleibt das technische Bild robust. Die Aktie liegt rund 7 % über ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 33,86 € und verteidigt auch den 50-Tage-Durchschnitt bei 35,73 € mit komfortablem Abstand. Auf Sicht von zwölf Monaten steht ein Plus von 26,6 % zu Buche.
Das Muster dahinter ist klar: Der Markt preist eine Übernahme weiterhin ein, nimmt aber zunehmend die Risiken einer langen Schlammschlacht wahr. Das 52-Wochen-Hoch von 38,15 € — erreicht erst am 1. Juni — rückt in weite Ferne. Der Hauptgrund: Das aktuelle UniCredit-Angebot notiert faktisch unter dem aktuellen Börsenwert. Ökonomisch ist es damit schlicht nicht attraktiv genug.
Ein gefährliches Patt
Die Strategie des Commerzbank-Vorstands — auf Eigenständigkeit und optimierte Rendite setzen — ist mutig. Aber sie ist auch riskant. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 40 Milliarden € ist das Institut kein Leichtgewicht mehr. Gegen die schiere Stimmenmacht von UniCredit hilft jedoch nur eine überzeugende Performance — oder ein weißer Ritter, der bisher nicht in Sicht ist.
Der RSI von 49,5 zeigt eine neutrale Zone. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei moderaten 24,77 %. Das signalisiert: Große institutionelle Anleger halten ihre Positionen, gehen aber keine neuen Wetten ein. Kein Wunder bei derart verhärteten Fronten.
Die Zeit läuft gegen die Unabhängigkeit
Das Management spielt auf Zeit und setzt auf die Aufsichtsbehörden. Allerdings arbeitet die Zeit nicht unbedingt für die Unabhängigkeit. Die Frist für das Übernahmeangebot läuft bis Juli. Sollte UniCredit seinen Anteil über Optionen tatsächlich auf über 41 % ausweiten, wird es für Orlopp immer schwerer, das Heft in der Hand zu behalten.
Mein Urteil: Die Commerzbank ist kein klassischer Bankwert mehr. Sie ist ein Spekulationsobjekt in einer juristischen und regulatorischen Arena. Die politische Komponente überlagert die betriebswirtschaftliche längst. Der Abstand zum 52-Wochen-Tief von 26,70 € — rund 36 % — zeigt, wie viel Übernahmefantasie bereits im Kurs steckt. Wer hier investiert, wettet weniger auf eine Bank als auf den Ausgang eines Machtkampfs.
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