Commerzbank Aktie: Orlopp und Orcel starten Gespräche
Commerzbank und UniCredit verhandeln über Kontrollwechsel. Die Bank hob ihre Gewinnprognose an und meldet starke Quartalszahlen, was die Verhandlungsposition stärkt.

Kurz zusammengefasst
- Formelle Gespräche über Kontrollwechsel
- Gewinnprognose auf 3,4 Milliarden angehoben
- Nettogewinn im Q2 um 94 Prozent gestiegen
- DZ Bank erhöht Kursziel auf 46 Euro
Die Commerzbank steht vor einer neuen Phase im Übernahmepoker mit UniCredit. Vorstandschefin Bettina Orlopp und UniCredit-Chef Andrea Orcel haben formelle Gespräche über einen möglichen Wechsel der regulatorischen Kontrolle aufgenommen, wie Bloomberg berichtet. UniCredit hält inzwischen Medienberichten zufolge rund 48 Prozent der Anteile am Frankfurter Institut – damit rückt eine mögliche Übernahme näher als je zuvor.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Die Bank hat parallel ihre Gewinnprognose für das laufende Jahr angehoben. Der Vorstand rechnet nun mit einem Nettogewinn von mindestens 3,4 Milliarden Euro, zuvor war von „mehr als 3,2 Milliarden Euro“ die Rede. Diese Anhebung stützt die Position der Commerzbank in den Verhandlungen und dürfte auch die Bewertungsdiskussion mit UniCredit beeinflussen.
Rekordzahlen als Verhandlungsbasis
Der Optimismus stützt sich auf handfeste Zahlen. Vor gut einer Woche hatte die Commerzbank ihre Ergebnisse für das zweite Quartal vorgelegt: Der Nettogewinn stieg im Jahresvergleich um 94,2 Prozent auf 898 Millionen Euro und übertraf damit die Analystenschätzung von 845 Millionen Euro deutlich. Der Zinsüberschuss im ersten Halbjahr belief sich auf 4,1 Milliarden Euro.
Ergänzend meldete das Institut für das erste Halbjahr eine Nettoeigenkapitalrendite von 12,6 Prozent – das ursprüngliche Ganzjahresziel von 12 Prozent war damit bereits übertroffen. Auf Basis der starken Kapitalausstattung mit einer CET1-Quote von 14,4 Prozent kündigte die Bank zudem ein neues Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von bis zu 1,2 Milliarden Euro an.
Diese Kombination aus Gewinnsteigerung, übertroffenem Renditeziel und Kapitalrückführung liefert der Commerzbank Argumente, um in den Gesprächen mit UniCredit aus einer Position der Stärke zu agieren.
DZ Bank sieht Übernahme als Basisszenario
Am Montag reagierte die DZ Bank auf die veränderte Ausgangslage: Analyst Philipp Häßler hob den fairen Wert für die Commerzbank-Aktie von 42 auf 46 Euro an und bestätigte die Einstufung „Kaufen“. Als Begründung nannte er den Wandel der UniCredit-Übernahme zum Basisszenario – ein deutliches Signal, dass der Markt eine Transaktion inzwischen für wahrscheinlicher hält als eine eigenständige Zukunft der Bank.
Weitere Häuser hatten sich bereits im Vorfeld der Quartalszahlen positioniert: JPMorgan erhöhte am 7. August das Kursziel leicht von 37 auf 38 Euro, beließ die Einstufung aber auf „Neutral“. Deutsche Bank Research bestätigte am selben Tag nach Vorlage der Quartalszahlen ihr Kursziel von 42 Euro mit der Einstufung „Buy“.
Kurs nahe am Zehn-Jahres-Hoch
Die Aktie notiert vorbörslich bei 39,24 Euro und bewegt sich damit weiter in der Nähe ihres 52-Wochen-Hochs von 39,85 Euro, das erst Anfang des Monats erreicht wurde. Der Abstand zu dieser Marke beträgt lediglich 1,53 Prozent. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 8,70 Prozent zu Buche – ein Wert, der die Erwartungshaltung des Marktes an eine erfolgreiche Fortsetzung der Übernahmegespräche widerspiegelt.
Die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei 42,26 Milliarden Euro. Für Anleger bleibt der weitere Verlauf der Gespräche zwischen Orlopp und Orcel der entscheidende Kurstreiber – die operative Stärke der Bank liefert dabei die Verhandlungsgrundlage, auf die beide Seiten nun aufbauen.
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