Commerzbank Aktie: UniCredit auf 49,65 Prozent ohne Zukauf
Commerzbank sieht sich mit frischer Cum-Ex-Anklage konfrontiert, während UniCredit ihren Einfluss auf fast 50 Prozent ausbaut.

Kurz zusammengefasst
- Cum-Ex-Anklage gegen Ex-Mitarbeiter
- UniCredit erreicht fast 50 Prozent
- Commerzbank-Aktie steigt leicht
- Investor erhöht Commerzbank-Anteil
Die Commerzbank steht an mehreren Fronten gleichzeitig im Rampenlicht. Während der Übernahmekampf mit UniCredit seine wohl entscheidende Phase erreicht, meldete die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am heutigen Freitag eine neue Cum-Ex-Anklage gegen vier ehemalige Mitarbeiter der Bank.
Cum-Ex-Vorwürfe aus dem Jahr 2008
Laut Berichten von FAZ und Reuters erhebt die Frankfurter Staatsanwaltschaft Anklage gegen zwei Briten, einen Deutschen und einen US-Amerikaner, die früher für die Commerzbank tätig waren. Der Vorwurf: schwere Steuerhinterziehung durch Cum-Ex-Aktiendeals im Jahr 2008. Der geschätzte Steuerschaden liegt bei über 20 Millionen Euro.
Die Aufarbeitung der Cum-Ex-Vergangenheit deutscher Banken zieht sich seit Jahren durch die Gerichte, neue Anklagen wie diese zeigen, dass das Thema für die Commerzbank noch nicht abgeschlossen ist.
UniCredit rückt an die 50-Prozent-Marke heran
Parallel dazu läuft der Machtkampf um die Bank weiter. Nach dem finalen Einzug von 4,14 Prozent eigener Aktien aus früheren Rückkaufprogrammen steigt der rechnerische Zugriff der UniCredit auf das Grundkapital der Commerzbank ohne weitere Zukäufe von 47,59 auf 49,65 Prozent – davon 3,36 Prozentpunkte in Form von Kaufoptionen.
Die Commerzbank veröffentlichte zudem gemäß Paragraf 41 Wertpapierhandelsgesetz die neue Gesamtzahl der Stimmrechte: Nach Wirksamwerden der Kapitalmaßnahme am 19. August beläuft sie sich nun auf 1.080.847.095.
Damit fehlt der italienischen Großbank rein rechnerisch nur noch ein kleiner Schritt zur Kontrollmehrheit – ganz ohne einen einzigen zusätzlichen Aktienkauf. Vor diesem Hintergrund wirkt die Aussage von Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp aus der Analystenkonferenz zu den Q2-Zahlen bemerkenswert: Sie signalisierte erstmals Offenheit, Synergien einer Zusammenführung mit UniCredit zu prüfen, sofern diese auf bestehenden Geschäftsmodellen basiere.
Kursreaktion bleibt verhalten
Die Aktie notiert aktuell bei 38,79 Euro und legt am heutigen Handelstag um 1,0 Prozent zu. Über die vergangenen sieben Tage steht dennoch ein Minus von 2,5 Prozent zu Buche – ein Nachwirken der überraschenden EZB-Genehmigung der Übernahme am vergangenen Sonntag, die den Kurs zunächst belastet hatte. Auf Jahressicht steht das Papier mit 7,4 Prozent im Plus.
Institutionelle Investoren bleiben gelassen
Die neuerliche juristische Belastung scheint größere Anleger bislang nicht abzuschrecken. Der institutionelle Investor Rhumbline Advisers erhöhte seine Beteiligung an Commerzbank-Anteilen im dritten Quartal um 22,3 Prozent und hält nun 6.876 Aktien. Die Bank selbst hatte erst vor rund zwei Wochen mit Rekordzahlen überzeugt und ihre Jahresziele bestätigt – seither bewegte sich der Kurs kaum, ein Plus von 0,6 Prozent steht zu Buche.
Für Anleger verdichten sich damit zwei parallele Erzählstränge: der schrittweise Übergang der Kontrolle an UniCredit auf der einen Seite, die juristische Aufarbeitung alter Cum-Ex-Praktiken auf der anderen. Die nächste Gelegenheit, den Zustand der Bank neu zu bewerten, bietet die für den 4. November angesetzte Quartalsmitteilung zum dritten Quartal 2026.
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