Commerzbank Aktie: UniCredit hält 48 Prozent
UniCredit sichert sich knapp die Hälfte der Commerzbank-Anteile. Orcel rechnet mit baldiger Genehmigung, während der Aufsichtsrat Gesprächsbereitschaft signalisiert.

Kurz zusammengefasst
- UniCredit-Anteil an Commerzbank steigt auf 48 Prozent
- Orcel erwartet Genehmigung innerhalb eines halben Jahres
- Commerzbank-Aufsichtsrat zeigt sich verhandlungsbereit
- Quartalszahlen am 6. August als nächster Meilenstein
Die Übernahmeschlacht um die Commerzbank hat eine neue Phase erreicht. Mit dem offiziellen Ende der Annahmefrist für das Umtauschangebot hält die italienische UniCredit nun rund 48 Prozent der Anteile am Frankfurter Institut. Ein klarer Mehrheitsstatus ist das noch nicht, doch die Beteiligung markiert einen deutlichen Sprung gegenüber den 10,95 Prozent, die UniCredit im Juni als Zwischenstand gemeldet hatte.
Bemerkenswert ist dabei die Struktur der Zustimmung: Nach Angaben der Commerzbank wurden über das Angebot keine nennenswerten Bestände institutioneller Investoren angedient, die Retail-Quote lag bei lediglich etwa 0,05 Prozent. Der große Zuwachs auf 48 Prozent resultiert damit erkennbar aus Zukäufen und Bestandsverschiebungen außerhalb der klassischen Annahme durch Kleinanleger.
Orcel sieht Genehmigung binnen sechs Monaten
UniCredit-Chef Andrea Orcel verteidigte die Übernahmepläne am Mittwoch und äußerte sich laut einem Medienbericht zuversichtlich, dass die notwendigen behördlichen Genehmigungen für eine Kontrollübernahme innerhalb der kommenden sechs Monate vorliegen könnten. Auf Seiten der Commerzbank zeichnet sich unterdessen eine veränderte Gesprächsbereitschaft ab: Der Aufsichtsrat signalisierte laut Insiderberichten der Nachrichtenagentur dpa-AFX eine wachsende Offenheit für konstruktive Verhandlungen mit UniCredit, insbesondere über Standort- und Beschäftigungsgarantien. Damit rückt ein Thema in den Vordergrund, das für die Belegschaft und die deutsche Politik seit Beginn der Übernahmeversuche zentral war.
Die Marktreaktion fällt bislang moderat aus. Die Aktie notiert aktuell bei 37,54 Euro und legt am heutigen Donnerstag um 2,09 Prozent zu. Zum 52-Wochen-Hoch von 39,18 Euro, erreicht am 14. Juli, fehlen dem Papier derzeit noch 4,19 Prozent – von einer Übernahmeeuphorie mit neuen Rekordständen kann also keine Rede sein, der Markt scheint die weitere Entwicklung eher abzuwarten.
Geschäftszahlen als nächster Prüfstein
Operativ liefert die Commerzbank derweil solide Signale. Bereits im Mai hatte die Bank im Rahmen ihrer Strategie „Momentum 2030“ das Ziel für die Nettoeigenkapitalrendite auf 21 Prozent bis zum Jahr 2030 angehoben. Die Hauptversammlung genehmigte im selben Monat eine Anhebung der Dividende auf 1,10 Euro je Aktie, nach 0,65 Euro im Vorjahr, verbunden mit einer neuen Ermächtigung für weitere Aktienrückkäufe. Ende Juli folgte ein aktualisierter Analysten-Konsens, wonach das erwartete Nettoergebnis für das Gesamtjahr 2026 nun über dem ursprünglichen Ziel von 3,2 Milliarden Euro liegen soll.
Diese operative Stärke trifft nun auf den nächsten konkreten Termin: Am 6. August legt die Commerzbank ihren Zwischenbericht für das zweite Quartal und das erste Halbjahr 2026 vor. Anleger dürften genau darauf achten, ob die angehobenen Ziele bestätigt werden und ob das Management neue Aussagen zum Stand der Verhandlungen mit UniCredit macht. Die Zahlen zum dritten Quartal sind für den 5. November terminiert und dürften dann bereits im Licht eines möglicherweise fortgeschrittenen Genehmigungsprozesses stehen.
Mit einem Kursplus von knapp 19 Prozent auf Zwölfmonatssicht und einer Marktkapitalisierung von 41,22 Milliarden Euro hat sich die Bewertung der Commerzbank spürbar gefestigt. Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob aus der nun mehrheitsnahen Beteiligung von UniCredit tatsächlich eine einvernehmliche Übernahme wird – oder ob die Fronten trotz der signalisierten Gesprächsbereitschaft zunächst verhärtet bleiben.
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