Commerzbank Aktie: UniCredit kontrolliert 42,5 Prozent
Bettina Orlopp appelliert per Brief an Anteilseigner, das Umtauschangebot der italienischen Bank abzulehnen.

Kurz zusammengefasst
- Offener Brief an Commerzbank-Aktionäre
- Anlegerschützer sieht Übernahme bereits entschieden
- UniCredit hält geschätzt 42,5 Prozent der Aktien
- Offizielles Ergebnis erst am 8. Juli
Bettina Orlopp greift zur letzten Waffe, die ihr bleibt: ein offener Brief. Kurz vor Ende der verlängerten Annahmefrist warnt die Commerzbank-Chefin die Aktionäre eindringlich davor, das Umtauschangebot der UniCredit anzunehmen. Die Warnung kommt spät. Ein Anlegerschützer glaubt bereits zu wissen, wie die Sache ausgeht.
Ein offener Brief als letzte Karte
„Nehmen Sie das Angebot der UniCredit nicht an“, schreibt Orlopp direkt an die Anteilseigner. Die Vorstandschefin, vom „Handelsblatt“ bereits als „Jeanne d’Arc der Commerzbank“ bezeichnet, bekräftigt damit die klare Ablehnung von Vorstand und Aufsichtsrat.
Die italienische Großbank hatte Anfang Mai ein Angebot für sämtliche Commerzbank-Anteile vorgelegt. Bis Freitag bot UniCredit für jede Commerzbank-Aktie 0,48 eigene Aktien zum Tausch an.
Anlegerschützer sieht die Weichen bereits gestellt
Während die Commerzbank-Spitze auf Eigenständigkeit pocht, zeichnet Klaus Nieding ein anderes Bild. Der Anlegerschützer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz hält die Sache für entschieden. Die Türen zur Übernahme stünden für die Italiener bereits weit offen.
UniCredit habe sich bereits 42,5 Prozent der Aktien gesichert, inklusive Optionen, schätzt Nieding. Diese Größenordnung hätte weitreichende Folgen für die Machtverhältnisse im Konzern. Sie käme einer Stimmenmehrheit auf der nächsten Hauptversammlung gleich.
Mit einer solchen Mehrheit könnte UniCredit über die Neubesetzung von Aufsichtsratsposten entscheiden. Faktisch hätte die italienische Bank dann Kontrolle über den Vorstand. Für eine vollständige Integration in den UniCredit-Konzern reicht diese Position aber noch nicht aus.
Dafür braucht es mehr Stimmen. Am besten das 12-Prozent-Aktienpaket, das die Bundesregierung noch aus Zeiten der Finanzkrise an der Commerzbank hält.
Amtliches Ergebnis erst am 8. Juli
Das offizielle Ergebnis des Angebots gibt UniCredit erst am 8. Juli bekannt. Bis dahin bleibt offen, wie hoch der tatsächliche Anteil unabhängiger Aktionäre ausfällt, die dem Tauschangebot gefolgt sind. Genau dieser Punkt dürfte für die Deutung der Annahmequote entscheidend sein.
PR-Schlacht um den deutschen Mittelstand
Der Übernahmekampf spielt sich nicht nur in Zahlen ab. Aus Sorge um den deutschen Mittelstand wehrt sich die Commerzbank öffentlichkeitswirksam gegen die Übernahme. Auf ihrer Webseite warnt das Institut ausdrücklich vor den Folgen für die Mittelstandsfinanzierung.
Der Streit hat in den vergangenen Wochen an Schärfe gewonnen. Weil UniCredit den Zustand der Commerzbank öffentlich herabsetzte, musste die Finanzaufsicht Bafin einschreiten. Der Konzernbetriebsrat reichte sogar Strafanzeige gegen UniCredit ein, wegen möglicher Marktmanipulation. UniCredit-Chef Andrea Orcel drohte öffentlich mit einem Austausch der Commerzbank-Führung.
Der Aktienkurs bleibt stabil
Von der Hängepartie zeigt sich die Commerzbank-Aktie unbeeindruckt. Zum Wochenschluss schloss das Papier bei 37,79 Euro, ein minimales Minus von 0,16 Prozent. Auf Monatssicht steht ein Plus von 4,10 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn liegt die Aktie 3,51 Prozent im Plus.
Auf Zwölfmonatssicht summiert sich der Zuwachs auf knapp 34,5 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 38,85 Euro, erreicht am 19. Juni, trennen das Papier nur 2,73 Prozent. Der Titel notiert über dem 50-Tage-Durchschnitt von 36,59 Euro und deutlich über der 200-Tage-Linie von 34,24 Euro. Der RSI von 57,4 deutet auf eine neutrale bis leicht positive technische Verfassung hin.
Für die kommende Woche richtet sich der Blick auf den 8. Juli. Dann verkündet UniCredit das offizielle Ergebnis des Umtauschangebots. Entscheidend wird dabei weniger die reine Annahmequote sein als deren Zusammensetzung: Wie hoch fällt der Anteil unabhängiger institutioneller Investoren und Privatanleger tatsächlich aus, gegenüber dem Aktienpaket, das UniCredit bereits über Derivate und Optionen kontrolliert?
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