Commerzbank Aktie: UniCredit kontrolliert 54 Prozent via Derivate

UniCredit hält faktisch über 40 Prozent an der Commerzbank. Das Management in Frankfurt sucht vergeblich nach Abwehrmöglichkeiten gegen die Übernahme.

Eduard Altmann ·
Commerzbank Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Italienische Großbank erhöht Anteil massiv
  • Frankfurter Führung schaltet BaFin ein
  • Aktienkurs profitiert von Übernahmephantasie
  • Abwehrschlacht scheint aussichtslos

Die Ereignisse rund um die Commerzbank überschlagen sich. Das Frankfurter Traditionshaus kämpft gegen die italienische UniCredit um seine Unabhängigkeit. Meiner Ansicht nach wirkt die Bank in dieser Abwehrschlacht zunehmend hilflos. Der Angreifer aus Mailand zieht die Schlinge immer enger.

Der schleichende Kontrollverlust

Die jüngsten Meldungen gleichen einem Paukenschlag. UniCredit hat ihre Beteiligung massiv aufgestockt. Offiziell halten die Italiener nun 37,7 Prozent der Anteile. Rechnet man Optionen auf physische Abwicklung ein, kontrolliert Mailand bereits 40,9 Prozent. Damit hat UniCredit die wichtige Schwelle von 30 Prozent förmlich überrannt.

Besonders brisant ist die Lage im Hintergrund. Bezieht man alle Derivate und Terminkontrakte ein, sicherte sich UniCredit offenbar Zugriff auf bis zu 54 Prozent. Für die Commerzbank-Führung und die Bundesregierung ist das ein Albtraumszenario. Beide lehnen eine Übernahme strikt ab. Die Nadelstich-Strategie von UniCredit-Chef Andrea Orcel geht auf.

Abwehrschlacht vor der Finanzaufsicht

Frankfurt versucht nun, mit regulatorischen Mitteln Zeit zu gewinnen. Die Commerzbank schaltete die Finanzaufsicht BaFin ein. Die Behörde soll die Transparenz der gemeldeten UniCredit-Daten prüfen. Das riecht nach einer verzweifelten Reaktion.

Das Management argumentiert mit einer niedrigen Annahmequote. Kaum institutionelle Investoren hätten das Angebot akzeptiert. Bei Privatanlegern liege die Quote bei verschwindend geringen 0,05 Prozent. Das mag faktisch stimmen. Es ändert aber nichts an der strategischen Überlegenheit des Angreifers. Die vermuteten Derivate-Kontrahenten der UniCredit sind meist andere Banken. Der Vorwurf der Irreführung verschärft den Ton in diesem Übernahmekampf massiv.

Kursstärke als zweischneidiges Schwert

Die nackten Zahlen unterstreichen diese Sondersituation. Aktuell notiert das Papier bei 36,89 Euro. Auf Jahressicht steht ein sattes Plus von 32,51 Prozent. Diese fundamentale Erholung ist mittlerweile untrennbar mit der Übernahmephantasie verknüpft.

Der Markt preist den aktuellen Machtkampf ein. Seit Jahresanfang kletterte der Kurs lediglich um 1,04 Prozent. Ein RSI von 55,3 signalisiert eine neutrale Lage. Die Aktie ist weder überkauft, noch drängt sie sich als Schnäppchen auf.

Meine Einschätzung: Die Italiener sitzen am längeren Hebel

Meiner Einschätzung nach steckt das Commerzbank-Management in einer Sackgasse. Bürokratische Hürden und BaFin-Beschwerden stoppen den Prozess nicht. Sie verzögern ihn höchstens. Die Marktmacht von UniCredit und der Wille zur Neuordnung der europäischen Bankenlandschaft sind offensichtlich.

Für Anleger ist die Lage zweischneidig. Die Übernahmephantasie stützt den Kurs spürbar. Der Abstand zur 200-Tage-Linie beträgt komfortable 9,12 Prozent. Andererseits droht ein monatelanger politischer Streit. Dieser könnte die Bank in einen riskanten Zombie-Zustand versetzen.

Das aktuelle Kursniveau spiegelt die Erwartung eines langwierigen Kampfes wider. Präsentiert die Commerzbank keinen weißen Ritter, zementiert UniCredit ihre faktische Kontrolle weiter. Die Dynamik liegt klar auf Seiten der Mailänder. Kurz gesagt: Frankfurt agiert nur noch.

Anzeige

Commerzbank-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Commerzbank-Analyse vom 17. Juli liefert die Antwort:

Die neusten Commerzbank-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Commerzbank-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 17. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Commerzbank: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Commerzbank Aktie

37,02 EUR

– 0,80 EUR -2,12 %
KGV 17,99
Sektor Finanzdienstleistungen
Div.-Rendite 2,83 %
Marktkapitalisierung 42,80 Mrd. EUR
ISIN: DE000CBK1001 WKN: CBK100

Community Forum zu Commerzbank

Ähnliche Artikel

CSG Aktie: Iowa-Fabrik produziert ab 2029 36.000 Granaten monatlich

CSG Aktie: Iowa-Fabrik produziert ab 2029 36.000 Granaten monatlich

Industrie ·
Sellas Life Sciences Aktie: REGAL-Studie bei 78 von 80 Ereignissen

Sellas Life Sciences Aktie: REGAL-Studie bei 78 von 80 Ereignissen

Gesundheit ·
Ferrexpo Aktie: Zahlungsunfähigkeit droht im Oktober 2026

Ferrexpo Aktie: Zahlungsunfähigkeit droht im Oktober 2026

Turnaround ·
Infineon Aktie: 100-Euro-Ziel von Berenberg, Kurs fällt 2,77%

Infineon Aktie: 100-Euro-Ziel von Berenberg, Kurs fällt 2,77%

Halbleiter ·
DroneShield Aktie: 12,19% leerverkauft bei 256 Millionen Dollar

DroneShield Aktie: 12,19% leerverkauft bei 256 Millionen Dollar

Cyber Security ·

Weitere Artikel zu Commerzbank

Alle Artikel anzeigen
Commerzbank Aktie: UniCredit hält 47,6 Prozent

Commerzbank Aktie: UniCredit hält 47,6 Prozent

Banken & Versicherungen ·
Milliarden-Offerte für PayPal bringt Finanzsektor in Aufruhr

Milliarden-Offerte für PayPal bringt Finanzsektor in Aufruhr

Banken & Versicherungen ·
BASF und SAP: Warum gute Zahlen die Kurse nicht retten

BASF und SAP: Warum gute Zahlen die Kurse nicht retten

Earnings ·
Commerzbank Aktie: 3,4 Milliarden Gewinnziel

Commerzbank Aktie: 3,4 Milliarden Gewinnziel

Banken & Versicherungen ·
Commerzbank Aktie: 93,5 Millionen im Linde-Streit

Commerzbank Aktie: 93,5 Millionen im Linde-Streit

Banken & Versicherungen ·