UniCredit hat im Übernahmepoker um die Commerzbank einen juristischen Hebel zurückgewonnen. Seit Ende Februar kann die italienische Großbank ein Angebot auch als reinen Aktientausch strukturieren – das macht einen Vorstoß einfacher und potenziell schneller.
Gleichzeitig versucht die Commerzbank, ihre Eigenständigkeit mit starken Zahlen und einer maximalen Ausschüttung zu zementieren. Doch genau hier liegt der Haken: Der Markt schaut nicht nur auf Rekorde, sondern auf Erwartungen – und die waren zuletzt hoch.
UniCredit gewinnt Spielraum
Auslöser ist eine Sperrfrist im deutschen Übernahmerecht, die nun abgelaufen ist. Wer in den sechs Monaten vor einem Angebot nicht mehr als fünf Prozent der Zielgesellschaft gegen Barzahlung kauft, darf später vollständig mit Aktien bieten. UniCredit hatte zuletzt im August 2025 nennenswert gegen Geldleistung zugekauft – damit ist die Hürde gefallen.
Brisant bleibt die Beteiligung: UniCredit hält rund 26% direkt an der Commerzbank sowie knapp 4% über Finanzinstrumente. Damit rückt die 30%-Schwelle näher – ab dieser Marke wäre UniCredit verpflichtet, ein Angebot für alle ausstehenden Anteile vorzulegen.
Rekordgewinn – und Ausschüttung als Schutzschild
Die Commerzbank setzt in der Abwehr auf Tempo bei der Kapitalrückführung. Für 2025 meldete sie ein operatives Rekordergebnis von 4,5 Mrd. Euro (+18%). Der Nettogewinn lag bei 2,63 Mrd. Euro, trotz Restrukturierungskosten.
Aktionäre sollen davon deutlich profitieren: Vorgeschlagen sind 1,10 Euro Dividende je Aktie (nach 0,65 Euro im Vorjahr) sowie laufende Aktienrückkäufe von bis zu 540 Mio. Euro. Zusammen mit dem im Dezember 2025 abgeschlossenen Programm summiert sich die Kapitalrückführung für 2025 auf 2,7 Mrd. Euro. Für 2026 stellt die Bank sogar in Aussicht, 100% des Nettoergebnisses über Dividenden und Rückkäufe auszuschütten; als Ziel nennt sie eine ROTE von über 11,2%. Das laufende Rückkaufprogramm soll am 26. März 2026 enden.
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Commerzbank?
Erwartungen verfehlt, Altlasten drücken
Trotz der Rekordwerte blieb die Reaktion verhalten. Zwar hob die Bank ihre Prognose für den Zinsüberschuss 2026 an und erwartet nun einen Gewinn von über 3,2 Mrd. Euro. Im Vorfeld hatten Analysten jedoch mit rund 3,4 Mrd. Euro gerechnet – die neue Guidance lag damit unter den hohen Markterwartungen.
Zusätzlich belastet das Engagement bei Aquila Capital weiter: Eine erneute Wertberichtigung von 52 Mio. Euro bedeutet, dass inzwischen rund zwei Drittel des ursprünglichen Kaufpreises abgeschrieben wurden.
Am Markt spiegelt sich das in den jüngsten Kursbewegungen wider. Die Aktie schloss gestern bei 31,45 Euro und liegt damit in den vergangenen 30 Tagen 10,55% im Minus. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 34,66 Euro beträgt der Abstand rund 9%.
Politischer Widerstand – und ein enger Fahrplan
Ein weiterer Bremsklotz bleibt die Politik. Die Bundesregierung, die noch 12% hält, lehnt eine Fusion weiterhin ab – das erschwert UniCredit den Prozess. Zudem wirkt sich die Unsicherheit laut Bericht zunehmend auf das operative Geschäft aus, besonders bei Firmenkunden mit Beziehungen zu beiden Häusern.
Konkrete Wegmarken stehen bereits: Am 8. Mai folgen Quartalszahlen, am 20. Mai 2026 die Hauptversammlung. Kurz danach wird es für Ausschüttungsfans praktisch: Ex-Tag ist der 21. Mai, die Dividendenzahlung soll am 25. Mai 2026 erfolgen. Diese Termine werden zeigen, ob die „Standalone“-Strategie mit hoher Kapitalrückführung trägt – während UniCredit zugleich näher an die entscheidende 30%-Schwelle heranrückt.
Commerzbank-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Commerzbank-Analyse vom 6. März liefert die Antwort:
Die neusten Commerzbank-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Commerzbank-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 6. März erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Commerzbank: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
