Commerzbank Aktie: Weidmann fordert UniCredit-Gespräche
Commerzbank-Aufsichtsratschef Weidmann fordert den Vorstand zu Verhandlungen mit UniCredit auf. Die niedrige Andienungsquote erschwert die Übernahme.

Kurz zusammengefasst
- Weidmann fordert Verhandlungen mit UniCredit
- Niedrige Andienungsquote von 17,6 Prozent
- Dividende und Aktienrückkauf beschlossen
- Quartalszahlen am 6. August erwartet
Der Ton zwischen Aufsichtsrat und italienischem Großaktionär verschärft sich. Aufsichtsratschef Jens Weidmann forderte das Management der Commerzbank am Freitag öffentlich auf, in Verhandlungen mit UniCredit einzutreten. Anlass war die Ankündigung der italienischen Bank, das vierte Quartal 2026 als Zieltermin für die operative Kontrolle über das Frankfurter Institut zu benennen.
Mit seinem Vorstoß bringt Weidmann Bewegung in einen Übernahmeprozess, der sich seit Monaten hinzieht. Bislang hatte sich der Vorstand um Bettina Orlopp öffentlich zurückhaltend zu direkten Gesprächen mit UniCredit-Chef geäußert. Die Forderung des Aufsichtsratschefs signalisiert nun, dass zumindest auf Kontrollebene der Druck wächst, das Verhältnis zum größten Einzelaktionär zu klären, bevor der von UniCredit avisierte Zeitpunkt für die operative Übernahme näher rückt.
Andienungsquote bleibt niedrig, Streubesitz hält weitgehend still
Wie belastbar UniCredits Anspruch auf einen zeitnahen Kontrollwechsel tatsächlich ist, zeigt ein Blick auf die Ergebnisse des Übernahmeangebots. Nach Ende der weiteren Annahmefrist hatten insgesamt 17,60 Prozent der Commerzbank-Aktien angedient, wie die Bank mitteilte. Bemerkenswert: Der Anteil unabhängiger privater und institutioneller Anleger daran lag nach Angaben der Commerzbank bei unter 2 Prozent. Der Großteil des freien Streubesitzes hat sich dem Angebot bislang also verweigert – ein Umstand, der die Ausgangslage für UniCredit trotz des ambitionierten Zeitplans für das vierte Quartal verkompliziert.
Vor diesem Hintergrund gewinnt Weidmanns öffentlicher Appell an Gewicht. Er dürfte auch als Signal an die verbliebenen Aktionäre zu verstehen sein, dass der Aufsichtsrat einen ergebnisoffenen Dialog mit dem italienischen Investor nicht länger blockieren will.
Dividende und Rückkaufprogramm bereits beschlossen
Unabhängig vom Übernahmepoker hatte die Hauptversammlung im Mai eine Dividende von 1,10 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2025 beschlossen und dem Vorstand eine neue Ermächtigung für Aktienrückkäufe im Umfang von bis zu 10 Prozent des Grundkapitals erteilt. Diese Kapitalmaßnahmen laufen parallel zum Übernahmestreit weiter und bleiben ein Argument jener Aktionäre, die auf eine eigenständige Fortführung der Bank setzen.
Am Kapitalmarkt zeigt sich die Commerzbank-Aktie von den politischen Spannungen bislang wenig beeindruckt. Der Kurs schloss am Dienstag bei 37,56 Euro und damit nur knapp über dem 50-Tage-Durchschnitt von 37,26 Euro. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 1,96 Prozent zu Buche, zum 52-Wochen-Hoch vom 14. Juli fehlen noch 4,13 Prozent. Das Papier bewegt sich damit in einer engen Spanne, während Anleger auf klarere Signale aus dem Übernahmeprozess warten.
Nächste Prüfsteine: Quartalszahlen und der Weg ins vierte Quartal
Für Anleger rückt nun der Termin am 6. August in den Fokus, wenn Vorstandschefin Bettina Orlopp und Finanzchef Carsten Schmitt die Ergebnisse für das zweite Quartal 2026 vorlegen und im Analysten-Webcast Rede und Antwort stehen dürften – auch zum Stand der Gespräche mit UniCredit. Die Zahlen für das dritte Quartal folgen am 5. November, kurz bevor der von UniCredit angepeilte Zeitraum für den Kontrollwechsel im vierten Quartal beginnt. Bis dahin bleibt offen, ob sich Weidmanns Aufforderung zu Verhandlungen tatsächlich in konkrete Gespräche zwischen den beiden Bankenlagern übersetzt.
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