Commerzbank Aktie: Zahlenstreit eskaliert
UniCredit sichert sich laut eigener Darstellung fast die Hälfte der Stimmrechte an der Commerzbank, die jedoch eine deutlich niedrigere Annahmequote meldet.

Kurz zusammengefasst
- UniCredit meldet fast 50% Stimmrechte
- Commerzbank widerspricht der Darstellung
- Betriebsrat scheitert mit Strafanzeige
- EZB-Genehmigung noch ausstehend
Fast 50 Prozent der Stimmrechte meldet UniCredit – die Commerzbank hält dagegen mit einer ganz anderen Zahl. Zwischen den beiden Banken tobt derzeit weniger ein Übernahmekampf als ein Streit um Statistik. Und der hat es in sich.
UniCredit teilte am Morgen mit, über das Tauschangebot einen Anteil von bis zu fast 48 Prozent der Commerzbank-Aktien sowie knapp 50 Prozent der Stimmrechte gesichert zu haben. Die Commerzbank widerspricht dieser Darstellung deutlich. Nach eigenen Angaben hätten weniger als rund 2 Prozent der institutionellen und privaten Aktionäre das Angebot tatsächlich angenommen – der Löwenanteil der von UniCredit genannten Annahmequote von etwa 18 Prozent entfalle auf Banken und Parteien aus dem Umfeld der Italiener selbst.
Betriebsrat scheitert vor Gericht
Der Gesamtbetriebsrat der Commerzbank hatte in dieser Gemengelage bereits die Justiz eingeschaltet und Anzeige gegen unbekannt erstattet. Der Vorwurf: Marktmanipulation, weil UniCredit trotz eines lange unter dem Aktienkurs liegenden Angebots angeblich zügig Papiere angedient bekommen habe. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat nun abgelehnt, ein Ermittlungsverfahren einzuleiten – zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für eine Straftat habe man nicht gefunden. Details zur Begründung blieben unter Verweis auf den laufenden Übernahmeprozess und mögliche Kurseinflüsse aus.
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp wertet den Ausbau der UniCredit-Beteiligung nicht als Niederlage ihrer eigenen Strategie. Seit dem Start im September 2024 habe die Bank eingelöst, was sie Markt und Investoren versprochen habe – ein Rekordjahr 2025 liege hinter ihr, ambitionierte Ziele für 2026 vor ihr. Wichtig ist ihr Hinweis auf die rechtliche Realität: Die fast 50 Prozent stünden UniCredit erst nach Genehmigung der Europäischen Zentralbank tatsächlich zur Verfügung. Von der für weitreichende Strukturmaßnahmen nötigen Hauptversammlungsmehrheit von 75 Prozent sei der italienische Großaktionär weiterhin klar entfernt.
Konstruktiver Dialog trotz Konkurrenzsituation
Beide Seiten betonen offiziell Gesprächsbereitschaft. Die Commerzbank sieht Synergien aus einem möglichen Zusammenschluss vor allem bei einer einvernehmlichen Lösung – unter Einbindung von Unternehmensführung, Arbeitnehmervertretern und der Bundesregierung als einem der größten Aktionäre. Orlopp macht aber auch die Reibung deutlich, die aus der Doppelrolle von UniCredit als Großaktionär und Wettbewerber entsteht: Ohne Beherrschungsvertrag, Verschmelzung oder Squeeze-out müsse sie weiter unabhängig agieren.
Für eine vollständige Integration braucht UniCredit nach dieser Lesart deutlich mehr als die aktuelle Kontrolle über Stimmrechte. Strukturelle Maßnahmen erfordern qualifizierte Mehrheiten – und damit die Zustimmung von Management, Aufsichtsrat, Belegschaft und Bund. Bis diese Hürden fallen, bleibt der Streit um die richtigen Zahlen das prägende Element der Auseinandersetzung.
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