Covestro sortiert sich neu – nicht an den Märkten, sondern unter der Haube. Der geplante Segmentwechsel im Zuge der Adnoc-Übernahme und der laufende Squeeze-out markieren faktisch das letzte Kapitel der Börsennotiz. Operativ investiert der Konzern zwar weiter in Wachstum, doch für den Aktienkurs zählt inzwischen fast nur noch ein Punkt: die finale Barabfindung für die verbliebenen Minderheitsaktionäre.
Segmentwechsel als Vorbote des Delistings
Der Vorstand beantragt den Widerruf der Zulassung im Prime Standard und den Wechsel in den General Standard. Begründung: Der zusätzliche Aufwand der strengeren Transparenzanforderungen soll entfallen. Dazu zählen unter anderem:
- Berichterstattung in englischer Sprache
- zusätzliche Quartalsmitteilungen
- weitergehende Publizitätspflichten, die im General Standard nicht verlangt werden
Sobald die Börsengeschäftsführung entscheidet, wird der Widerruf drei Monate später wirksam. Der Schritt reduziert die Publizität deutlich und gilt im deutschen Markt als klassischer Zwischenschritt auf dem Weg zu einem vollständigen Delisting.
Charttechnisch spiegelt sich die neue Realität bereits wider: Mit einem aktuellen Kurs von rund 60,6 Euro bewegt sich die Aktie nahe am Übernahmebewertungsniveau, die 30-Tage-Veränderung von gut -8 % deutet eher Nachjustierungen als eigenständige Kursfantasie an. Der RSI von 30,3 signalisiert zwar technisch einen nahezu überverkauften Bereich, praktisch dominiert aber die Übernahmebewertung.
Adnoc übernimmt das Kommando
Die strukturellen Veränderungen stehen klar im Zeichen des Einstiegs der Abu Dhabi National Oil Company (Adnoc). Über ihre Tochter XRG P.J.S.C. hält Adnoc inzwischen 95,1 % der Anteile.
Damit ist die rechtliche Schwelle erreicht, um die verbliebenen Minderheitsaktionäre im Rahmen eines Squeeze-out hinauszudrängen. Das entsprechende Verfahren wurde bereits am 9. Januar eingeleitet. Die Aktie hat sich damit von einem klassischen Beteiligungspapier zu einem Arbitrage-Titel entwickelt: Entscheidend ist primär die erwartete Barabfindung, nicht mehr die operative Entwicklung.
In dieses Bild passt auch die Personalnachricht vom 18. Dezember 2025: Finanzvorstand Christian Baier wird das Unternehmen nach Auslaufen seines Vertrags im September 2026 verlassen. Der Zeitpunkt deutet auf eine geordnete Anpassung der Führungsstruktur an die Integration in einen neuen Mutterkonzern.
Zentrale Fakten im Überblick:
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Covestro?
- Adnoc-Beteiligung: rund 95,1 % der Anteile
- Squeeze-out-Verfahren: seit 9. Januar eingeleitet
- Segmentwechsel: von Prime Standard in General Standard beantragt
- Wirksamkeit Segmentwechsel: etwa drei Monate nach Börsenentscheidung, voraussichtlich im 2. Quartal 2026
- Fokus für Aktionäre: Höhe der Barabfindung im Squeeze-out
Die Volatilität der Aktie ist entsprechend deutlich gesunken. Der Kurs „klebt“ am Niveau des Übernahmeangebots, kurzfristige operative Nachrichten haben kaum noch Einfluss.
Wachstum in China – operativ stark, kursseitig irrelevant
Parallel zur Übernahme setzt Covestro seine Wachstumsstrategie in China fort. In Zhuhai (Südchina) ist im Januar 2026 die erste Phase einer neuen TPU-Produktionsanlage (thermoplastische Polyurethane) gestartet.
Die Eckpunkte des Projekts:
- Kapazität erste Ausbaustufe: 30.000 Tonnen TPU pro Jahr
- Perspektive: Maximalkapazität bis zu 120.000 Tonnen jährlich bis in die 2030er Jahre
- Zielbranchen: IT-Industrie, Automobilsektor, Schuhindustrie
- Nachhaltigkeit: Mindestens 25 % der eingesetzten Rohstoffe sollen bio-basiert oder recycelt sein
China ist für Covestro längst einer der wichtigsten Märkte und steht bereits für mehr als 20 % des globalen Umsatzes. Insgesamt hat der Konzern dort seit 2001 über 4 Milliarden Euro investiert. Die neue Anlage unterstreicht diesen strategischen Fokus – zeigt also, dass der industrielle Kern des Unternehmens weiter ausgebaut wird, auch wenn die Börsennotiz ihrem Ende entgegengeht.
Für den Kurs spielt das jedoch nur noch eine Nebenrolle. Marktteilnehmer gehen davon aus, dass operative Fortschritte wie die Zhuhai-Eröffnung kurz vor dem Delisting nicht mehr in eigenständige Kursbewegungen münden, solange der Übernahmerahmen gesetzt ist.
Was jetzt im Fokus steht
Die Aktie notiert mit rund 60,6 Euro nur noch wenig entfernt vom 52-Wochen-Hoch bei 66 Euro und knapp über dem 200-Tage-Durchschnitt. Diese Kennzahlen wirken jedoch eher wie Randdaten, da die Bewertung primär vom Übernahmeangebot und der erwarteten Barabfindung bestimmt wird.
In den kommenden Wochen ist mit der Festlegung der angemessenen Barabfindung im Squeeze-out-Verfahren zu rechnen. Der Segmentwechsel in den General Standard, der voraussichtlich im zweiten Quartal 2026 wirksam wird, hat für die verbliebenen Kleinaktionäre vor allem administrative Bedeutung. Entscheidend bleibt die konkrete Höhe der Barabfindung und der Zeitpunkt, zu dem der vollständige Rückzug von der Börse abgeschlossen sein wird.
Covestro-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Covestro-Analyse vom 26. Januar liefert die Antwort:
Die neusten Covestro-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Covestro-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 26. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Covestro: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
