CSG Aktie: Kratochvíl-Put auf 1,4 Milliarden abgewehrt

Der Rüstungskonzern CSG legt am 20. Mai seinen ersten Quartalsbericht vor. Neben operativen Zielen belasten Vorwürfe zu Kapazitäten und ein Aktionärskonflikt die Aktie.

Dr. Robert Sasse ·
CSG Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Erster Quartalsbericht seit Börsengang
  • Streit um Munitionskapazitäten mit Hunterbrook
  • Aktionärskonflikt um Put-Option
  • Umsatzprognose von 7,4 bis 7,6 Milliarden Euro

CSG geht mit schweren Vorwürfen in seinen ersten Quartalsbericht seit dem Börsengang. Operativ meldet der Rüstungskonzern volle Auftragsbücher und hohe Margenziele. Am Markt zählt derzeit aber vor allem Vertrauen: in Zahlen, Kapazitäten und Governance.

Druck vor dem 20. Mai

Der Bericht für das erste Quartal bis Ende März kommt am 20. Mai. Er zeigt erstmals, wie die Margen nach dem IPO aussehen, denn die Börsengangskosten fallen in diese Periode.

Die Aktie spiegelt die Nervosität. Am Mittwoch schloss sie bei 16,00 Euro, in den vergangenen 30 Tagen verlor sie 26,54 Prozent. Der Kurs liegt nur knapp über dem Jahrestief. Vom Hoch Ende Januar ist mehr als die Hälfte weg.

Streit um Munitionskapazitäten

Hunterbrook Media hat CSG scharf angegriffen. Das verbundene Hunterbrook Capital hält eine offengelegte Short-Position in der Aktie. Im Kern geht es um großkalibrige Munition.

Im Prospekt stand eine Produktionskapazität von rund 630.000 Schuss pro Jahr. Davon sollen 80 Prozent auf 155-Millimeter-Munition entfallen. Hunterbrook bezweifelt, dass diese Größenordnung bei der Endmontage sichtbar ist.

Die Analyse verweist auf das Werk Dubnica und schätzt den dortigen Ausstoß deutlich niedriger. CSG weist diese Darstellung zurück. Der Konzern beziffert die eigene Kapazität für 2025 auf etwa 630.000 Schuss.

Für das laufende Jahr stellte das Management ein Plus von rund einem Fünftel in Aussicht. Eine neue Linie in der Slowakei soll weitere 70.000 Schuss bringen. Mittelfristig peilt CSG eine Kapazität von 1,1 Millionen Schuss an.

Governance-Streit belastet zusätzlich

Ein weiterer Punkt betrifft eine Forderung aus dem Verkauf nicht zum Kerngeschäft gehörender Sparten. CSG meldete, dass die Forderung über 275 Millionen Euro im ersten Quartal vollständig beglichen wurde. Sie stammte aus dem Vor-IPO-Verkauf von Mobility, Perazzi und Healthcare.

Tschechische Medien berichten über einen Streit mit Minderheitsaktionär Petr Kratochvíl. Er soll kurz vor dem IPO eine Put-Option gezogen und rund 1,4 Milliarden Euro verlangt haben. Kratochvíl hält 10 Prozent an CSG Land Systems und besitzt Sperrrechte bei wichtigen Entscheidungen.

CSG verweist auf externe Rechtsberater. Nach deren Einschätzung übte Kratochvíl sein Recht vor dem IPO nicht wirksam aus. Eine bilanzielle oder Eventualverbindlichkeit sieht das Unternehmen deshalb nicht.

Parallel dazu läuft eine Finanzierungsfrist. Das slowakische Munitionsrahmenabkommen hat ein maximales Volumen von 58 Milliarden Euro. Es kann über das EU-Programm SAFE finanziert werden.

Der Zins läge bei nur 1 Prozent, wenn mindestens zwei EU-Mitgliedstaaten teilnehmen. Die Ausnahmeregel endet Ende Mai. Bis jetzt fehlt ein Partner: Rumänien dementierte Gespräche auf Ministerebene, Kroatien prüft noch.

Operativ ist das Bild stark. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz um 71,7 Prozent auf 6,7 Milliarden Euro. Der Auftragsbestand erreichte 15 Milliarden Euro, die Projektpipeline lag bei 27 Milliarden Euro.

Das erklärt, warum der Streit so heikel ist. Das Geschäft liefert Wachstum, der Markt zweifelt an der Verlässlichkeit einzelner Angaben. Für das laufende Jahr erwartet CSG einen Umsatz von 7,4 bis 7,6 Milliarden Euro. Die bereinigte operative EBIT-Marge soll etwa bei einem Viertel bleiben.

Am 20. Mai muss CSG mehr liefern als Zahlen. Der Quartalsbericht bündelt IPO-Kosten, Margenqualität und den Umgang mit den Streitpunkten. Werden operative Stärke und Kapazitätsangaben greifbarer, kann der Markt die Governance-Risiken neu einpreisen.

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