CSG Aktie: Strnad kauft 14 Prozent an Pirelli
Der Rüstungskonzern profitiert von privater Pirelli-Übernahme und eigener Chemieproduktion. Analysten warnen vor überkaufter Aktie.

Kurz zusammengefasst
- Strnad erwirbt 14 Prozent an Pirelli
- Eigene Nitroglyzerin-Produktion in Sachsen geplant
- Munitionsausstoß soll auf 850.000 Stück steigen
- RSI zeigt überkaufte Aktie bei 72,5
Czechoslovak Group klettert seit Wochen unaufhaltsam nach oben. Der Kurs steht bei 18,72 Euro, ein Plus von 25 Prozent in den letzten 30 Tagen. Hinter der Rally steckt eine Doppelstrategie: CEO Michal Strnad diversifiziert privat in Milliardenhöhe, während sein Rüstungskonzern die eigene Lieferkette absichert.
Strnad kauft sich bei Pirelli ein
Michal Strnad ist nicht nur Chef von CSG. Über sein privates Investmentvehikel Lumina Crown hat er jetzt eine Beteiligung übernommen, die weit über die Rüstungsbranche hinausreicht.
Lumina Crown kaufte 14 Prozent am italienischen Reifenhersteller Pirelli. Verkäufer war der chinesische Staatskonzern Sinochem, der Preis lag bei 6,50 Euro je Aktie. Insgesamt zahlte Strnad rund 987 Millionen Euro für das Paket.
Damit steigt er zum drittgrößten Pirelli-Aktionär auf. Analysten werten den Schritt als bewusste Streuung seines Industrieportfolios — CSG bleibt zwar der Anker, doch Strnad setzt nicht mehr nur auf Verteidigung.
CSG baut eigene Chemieproduktion auf
Während der Eigentümer privat diversifiziert, kämpft sein Konzern mit einem Problem, das die gesamte europäische Rüstungsindustrie betrifft: Die Nachfrage nach Munition ist riesig, die Rohstoffe dafür sind knapp. Branchenkenner sprechen vom „Lieferketten-Paradoxon“ der Verteidigungsindustrie.
CSG reagiert mit vertikaler Integration. Der Konzern hat ein 57 Hektar großes Industriegelände im sächsischen Gnaschwitz erworben. Dort soll für über 100 Millionen Euro eine eigene Produktion für Nitroglyzerin und weitere Treibmittel-Vorprodukte entstehen.
Das Ziel dahinter ist ambitioniert. CSG will die jährliche Produktion von Großkalibermunition bis Ende 2026 auf 850.000 Stück steigern — im Vorjahr waren es 550.000. Wer die Chemie selbst herstellt, macht sich unabhängig von externen Zulieferern und deren Engpässen.
Der Kurs läuft der Substanz voraus
Die technische Lage zeigt, wie weit sich der Kurs bereits von seinen Fundamentaldaten entfernt hat. Der 14-Tage-RSI liegt bei 72,5 und signalisiert eine überkaufte Aktie. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 14,97 Euro beträgt der Abstand 25 Prozent.
Trotz der Rally bleibt CSG weit von seinem bisherigen Höchststand entfernt. Zum 52-Wochen-Hoch von 36,05 Euro aus dem Januar 2026 fehlen noch fast 48 Prozent.
Der Auftragsbestand des Konzerns lag zuletzt bei rund 17 Milliarden Euro — eine beeindruckende Zahl, die aber erst noch in Umsatz und Gewinn münden muss. Genau das wird der Halbjahresbericht im August 2026 zeigen müssen. Der Markt wird dort genau hinschauen, ob CSG seine angepeilte bereinigte EBIT-Marge von 25 Prozent tatsächlich hält. Bleibt die Marge stabil, dürfte das die aktuelle Kursbewegung nachträglich rechtfertigen. Verfehlt der Konzern die Zielgröße, könnte die überkaufte technische Lage schnell zum Problem werden.
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