D-Wave: 181-Qubit-System für 2028 geplant
D-Wave Quantum treibt den Wandel zum Quanten-Plattformanbieter voran. Die Aktie zeigt sich trotz Kursrutsch volatil, während Aufträge und Regierungsgelder wachsen.

Kurz zusammengefasst
- Radikaler Wandel zum Plattformanbieter
- US-Regierung investiert 100 Millionen Dollar
- Zwei Quanten-Architekturen parallel im Aufbau
- Auftragsbücher füllen sich, Umsätze folgen später
D-Wave Quantum vollzieht gerade einen radikalen Wandel. Das Unternehmen will vom Nischenanbieter zur umfassenden Quanten-Plattform aufsteigen. Die Börse reagiert nervös auf diesen Spagat. Mit 21,12 Euro notiert das Papier rund 45 Prozent unter dem Jahreshoch. Parallel dazu verzeichnet die Aktie auf Monatssicht ein Plus von knapp 29 Prozent. Diese Lücke erzählt die Geschichte eines hochriskanten Übergangs.
Auftragsbücher statt Umsätze
Wer nur auf den nackten Umsatz blickt, verpasst das eigentliche Signal. Die Erlöse fielen im ersten Quartal deutlich. Der Blick in die Auftragsbücher zeichnet jedoch ein anderes Bild. Die wiederkehrenden Einnahmen aus Cloud-Abonnements und Dienstleistungen wachsen.
Hinzu kommt ein massiver Vertrauensbeweis. Die US-Regierung stieg kürzlich mit 100 Millionen Dollar bei D-Wave ein. Das unterstreicht die strategische Bedeutung der Technologie.
Mindestens zwei Systeme will das Management 2026 ausliefern. Der Großteil der Einnahmen fließt erst im zweiten Halbjahr. Verwandeln sich diese Vorbestellungen in verbuchte Umsätze? Erst wenn diese Frage geklärt ist, wandelt sich die Erzählung von einer vagen Hoffnung zu einem skalierbaren Geschäft.
Angriff auf zwei Fronten
D-Wave wählt einen ungewöhnlichen Weg. Das Unternehmen baut parallel zwei verschiedene Quanten-Architekturen. Neben den etablierten Annealing-Systemen treibt das Management nun auch universelle Quantencomputer voran.
Der Zeitplan steht. Ende 2026 starten Systeme mit 17 Qubits. Ein Jahr später folgt die 49-Qubit-Variante. Für 2028 plant D-Wave einen Rechner mit 181 Qubits. Dieser soll erstmals fehlerkorrigierte logische Qubits liefern.
Die Fehlerquote soll um das 2.000-Fache sinken. Bis 2030 erwartet D-Wave fehlertolerante Algorithmen. Gelingt diese Verschmelzung beider Welten, entsteht ein einzigartiges System. D-Wave würde damit zu einem direkten Konkurrenten für Branchenriesen wie IBM.
Konkurrenz und Expansion
Der gesamte Sektor rückt zunehmend ins Rampenlicht. Erst Anfang Juni sammelte Quantinuum bei seinem Börsengang über eine Milliarde Dollar ein. Das validiert den Markt. Indes bringt es einen finanzstarken Konkurrenten aufs Spielfeld.
D-Wave reagiert mit einer Offensive. Nach einem erfolgreichen Investorentag in New York blickt das Unternehmen nun nach Europa. Morgen startet die Konferenz „Qubits Europe 2026“ in London.
Das Ziel: neue Kunden und Investoren jenseits von Nordamerika. Der adressierbare Markt ist gigantisch. Das Management schätzt das Volumen bis 2040 auf bis zu 850 Milliarden Dollar.
Die Spannung im Kurs
Diese Fantasie treibt die Analysten an. 15 Experten raten im Konsens zum starken Kauf. Mizuho hob das Kursziel kürzlich auf 35 Dollar an.
Die technische Lage zeigt sich derweil neutral. Der Kurs pendelt exakt auf der 200-Tage-Linie. Der RSI-Wert liegt bei glatten 50. Die extreme annualisierte Schwankungsbreite von über 140 Prozent zeigt allerdings die Nervosität im Markt.
D-Wave besitzt echte Kunden und echte Regierungsaufträge. Echte Gewinne dürften aber erst im nächsten Jahrzehnt fließen. Die anstehenden Quartalszahlen im zweiten Halbjahr müssen nun beweisen, dass die vollen Auftragsbücher tatsächlich Geld in die Kasse spülen.
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