D-Wave Quantum Aktie: 5,6 Prozent Minus am 26. Mai
Forschungseinrichtung stellt D-Waves Quantenüberlegenheit infrage. Unternehmen wehrt sich, Börse reagiert mit Kursverlusten.

Kurz zusammengefasst
- Quantenvorteil wissenschaftlich angezweifelt
- D-Wave reicht Gegendarstellung bei SEC ein
- Aktie fällt um 5,6 Prozent
- Neue Förderprojekte für Quantencomputing
Ein Forschungsinstitut behauptet, D-Waves Quantenüberlegenheit mit klassischen Methoden repliziert zu haben. Das Unternehmen widerspricht scharf — und die Aktie reagiert trotzdem mit einem deutlichen Kursrutsch.
D-Wave verteidigt sein Kernergebnis
Im Zentrum des Streits steht eine 2025 im Fachjournal Science veröffentlichte Studie über nicht-gleichgewichtige magnetische Spindynamik. Das Flatiron Institute hatte erklärt, die Ergebnisse mit klassischen Simulationsmethoden nachbilden zu können. D-Wave-CEO Alan Baratz bezeichnete diese Darstellung als unzutreffend.
Das Unternehmen legte eine formelle Gegendarstellung vor und reichte beim SEC eine entsprechende 8-K-Meldung ein. Kernargument: Die eingesetzten klassischen Methoden — konkret das BP-TNS-Verfahren — hätten die komplexesten Fälle der Originalstudie nicht reproduziert. Für diese schwierigsten Probleme würde ein klassischer Supercomputer wie Frontier nach eigenen Angaben knapp eine Million Jahre Rechenzeit benötigen.
Markt reagiert mit Skepsis
Die Börse ließ sich von der Gegenwehr wenig beeindrucken. Am 26. Mai fiel die Aktie zum Handelsschluss um 5,6 Prozent auf 27,75 Dollar — zwischenzeitlich betrug das Tagesminus sogar 10,4 Prozent.
Das ist bemerkenswert, denn über die vergangenen drei Monate hatte das Papier rund 41,5 Prozent zugelegt. Marktbeobachter führen den Rücksetzer auf eine Mischung aus Gewinnmitnahmen und wachsender Unsicherheit über die Belastbarkeit der Quantenvorteil-Behauptungen zurück. Die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei rund 10,3 Milliarden Dollar — bei einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 242.
Neue Projekte und Bundesförderung
Parallel zum Reputationsstreit baut D-Wave sein operatives Geschäft aus. Das Unternehmen wurde als Partner in vier Phase-2-Pilotprojekte von QuantumCT aufgenommen, einer Kooperation der University of Connecticut und der Yale University. Die Projekte nutzen das D-Wave Advantage2-System für Logistikoptimierung und sollen Algorithmen entwickeln, die bis zu zwei Millionen Variablen verarbeiten können.
Hinzu kommt frische Bundesförderung: Für das SQFab-Projekt erhält D-Wave im zweiten Jahr 5,4 Millionen Dollar. Das Gesamtkonsortium — mehr als 20 Organisationen, darunter IBM, Cornell University und das Air Force Research Laboratory — verfügt für die laufende Periode über 25,5 Millionen Dollar, kumuliert wurden bisher 55,4 Millionen Dollar zugesagt.
Das SQFab-Vorhaben zielt darauf ab, supraleitende Qubit-Fertigung auf 300-Millimeter-Wafern industriell skalierbar zu machen — ein Baustein zur Stärkung der amerikanischen Halbleiter-Lieferkette.
Wie überzeugend D-Waves Argumentation die wissenschaftliche Gemeinschaft letztlich überzeugt, dürfte entscheidend dafür sein, ob die Bewertung von 242-fachen Umsatz langfristig haltbar bleibt.
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