D-Wave Quantum Aktie: CFO Markovich tritt ab
D-Wave meldet eine zweite Produktionsanwendung bei NTT DOCOMO, enttäuscht im zweiten Quartal jedoch bei Umsatz und Ergebnis je Aktie.

Kurz zusammengefasst
- NTT DOCOMO startet zweite Quantenanwendung
- Finanzchef John Markovich tritt zurück
- Umsatz bleibt hinter Analystenschätzung
- Aktie verliert binnen einer Woche 16 Prozent
Es gibt ein Muster, das sich durch die Quantencomputer-Branche zieht: Die Technologie liefert erste handfeste Beweise ihrer Nützlichkeit, während die Unternehmen dahinter mit den ganz normalen Wachstumsschmerzen kämpfen. Bei D-Wave Quantum lässt sich dieses Muster in Reinform beobachten – und genau das macht die Aktie im Moment so schwer zu lesen.
Auf der operativen Seite passiert Bemerkenswertes. NTT DOCOMO, einer der größten Telekommunikationskonzerne der Welt, hat am Dienstag vergangener Woche seine zweite produktionsreife Quantenanwendung auf Basis von D-Wave-Technologie in Betrieb genommen – diesmal zur Optimierung von Netzwerkbetrieb. Das ist kein Pilotprojekt mehr, sondern der zweite Schritt eines Konzerns, der offenbar bereit ist, echte Infrastruktur auf Quantenoptimierung umzustellen.
Für ein Unternehmen, dessen größtes Problem seit Jahren die Frage war, ob Quantencomputer jemals aus dem Labor herausfinden, ist das ein Signal von einigem Gewicht.
Der Markt schaut trotzdem auf die Chefetage
Und doch dominiert an der Börse ein anderes Thema: der Abgang von Finanzchef John Markovich, dessen Rücktritt am vergangenen Mittwoch bekannt wurde und seither einen Kursrückgang von 2,3 Prozent nach sich zog.
Wer die Vergangenheit von D-Wave kennt, weiß, dass solche Personalwechsel an der Spitze selten harmlos wahrgenommen werden – auch wenn das Unternehmen mit Greg Golkov, bislang Senior Vice President Finance, einen internen Nachfolger als kommissarischen CFO benannt hat.
Golkovs Amtsantritt ist für den 2. September terminiert, den Tag, an dem Markovichs Rücktritt formal wirksam wird. Ergänzt wird die Personaltableau-Erneuerung durch die Berufung von Kevan P. Krysler, aktuell CFO bei Carbon Robotics und zuvor bei VMware tätig, in den Board of Directors und dessen Audit Committee.
Diese Häufung von Personalentscheidungen binnen wenigen Tagen wirft die Frage auf, wie stabil die Führungsstruktur eines Unternehmens ist, das gerade erst beginnt, kommerzielle Erfolge zu verbuchen. Wachstum verlangt Kontinuität im Management – ausgerechnet die fehlt derzeit an prominenter Stelle.
Zahlen, die die Skepsis nähren
Die Skepsis speist sich auch aus den zuletzt veröffentlichten Geschäftszahlen. Im zweiten Quartal 2026 verbuchte D-Wave einen Umsatz von 3,07 Millionen Dollar – deutlich weniger als die von Analysten erwartete Konsensschätzung von 4,03 Millionen Dollar.
Der Verlust je Aktie fiel mit -0,13 Dollar ebenfalls größer aus als die prognostizierten -0,09 Dollar. Für ein Unternehmen, das sich als Pionier der kommerziellen Quantenoptimierung positioniert, sind das Zahlen, die Anleger an der Monetarisierungsgeschwindigkeit zweifeln lassen.
Trotzdem gibt es Stimmen an der Wall Street, die das langfristige Bild anders lesen. Der Analyst Harsh Kumar von BMO nahm die Coverage vergangenen Montag mit einem „Outperform“-Rating und einem Kursziel von 35 Dollar auf – begründet mit der dualen Plattformstrategie des Unternehmens, das sowohl auf Annealing- als auch auf Gate-Modell-Quantensysteme setzt. Diese technologische Doppelstrategie unterscheidet D-Wave von vielen Wettbewerbern, die sich auf einen Ansatz festgelegt haben.
Ein Kurs, der die Widersprüche spiegelt
An der Börse liest sich diese Gemengelage aus Fortschritt und Führungsunruhe entsprechend zerrissen. Am Freitag schloss die Aktie bei 14,69 Euro, ein Minus von 4,4 Prozent an einem einzigen Tag und Teil eines Wochenverlusts von 16 Prozent.
Seit Jahresbeginn steht ein Rückgang von 35 Prozent zu Buche, während der Titel binnen zwölf Monaten immerhin noch 7,9 Prozent im Plus liegt. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch vom 15. Oktober beträgt 64 Prozent – ein Ausmaß, das zeigt, wie sehr sich die Euphorie um Quantencomputing-Aktien seither abgekühlt hat.
Genau darin liegt die eigentliche Erzählung dieser Kolumne: D-Wave steht exemplarisch für eine Branche, die technologisch vorankommt, während die Kapitalmärkte längst nicht mehr jeden Fortschritt mit Kursgewinnen honorieren.
NTT DOCOMOs zweite Produktionsanwendung ist ein handfester Beleg dafür, dass Quantenoptimierung real wird. Ob das reicht, um die Verwerfungen in der Führungsetage und die enttäuschenden Umsatzzahlen zu überdecken, muss der Markt in den kommenden Monaten selbst entscheiden.
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