D-Wave Quantum Aktie: Finanzchef Markovich tritt zurück
D-Wave Quantum steigert die Buchungen deutlich, verfehlt beim Umsatz jedoch die Erwartungen und verliert institutionelle Unterstützer.

Kurz zusammengefasst
- Buchungen im Halbjahr um 1.120 Prozent gestiegen
- Hedgefonds-Beteiligungen von 26 auf 17 gesunken
- Quartalsumsatz bleibt bei rund 3,08 Millionen Dollar
- Aktie 65 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch
Es gibt diese Momente an der Börse, in denen die Zahlen sich widersprechen — und genau das macht sie interessant. D-Wave Quantum meldet für das erste Halbjahr ein Buchungswachstum von über 1.120 Prozent, die stärkste Dynamik unter den bekannten Quantencomputing-Werten.
Gleichzeitig ziehen sich institutionelle Investoren zurück: Die Zahl der Hedgefonds, die die Aktie halten, ist von 26 auf 17 gefallen. Wer sich diese Diskrepanz genau ansieht, versteht viel über die Nervosität, mit der der Markt gerade auf Zukunftstechnologien blickt.
Ein Geschäft, das wächst, aber noch winzig ist
Die Fundamentaldaten liefern reichlich Stoff für beide Lager. Auf der positiven Seite: 67,7 Prozent des Umsatzes im ersten Halbjahr kamen von kommerziellen Kunden, verglichen mit 16,0 Prozent im Vorjahreszeitraum. Kunden aus der Forbes-Global-2000-Liste steuerten 48,5 Prozent des Umsatzes bei, nach 7,5 Prozent ein Jahr zuvor. Das klingt nach einem Unternehmen, das den Sprung von der Forschungskuriosität zum ernstzunehmenden Lieferanten schafft.
Auf der anderen Seite bleibt die absolute Größenordnung ernüchternd. Der Quartalsumsatz lag bei 3,08 Millionen Dollar, praktisch unverändert gegenüber 3,10 Millionen Dollar im Vorjahresquartal und unterhalb der Konsensschätzung von rund 4,03 Millionen Dollar.
Der bereinigte Verlust je Aktie fiel mit 0,10 Dollar etwas schlechter aus als erwartet, und der bereinigte EBITDA-Verlust wuchs um 85 Prozent auf 37,1 Millionen Dollar. Wer profitabel wachsen will, muss erst einmal deutlich mehr Geld verbrennen — das ist bei jungen Technologiefirmen keine Überraschung, aber es erklärt, warum manche Kapitalgeber kalte Füße bekommen.
Der Realitätscheck kam vor gut einer Woche
Zwei Ereignisse haben diese Nervosität in den vergangenen Tagen verstärkt: der Meilenstein mit NTT DOCOMO, bei dem D-Wave-gestützte Anwendungen die Signalisierungslast im Mobilfunknetz spürbar senkten, und der überraschende Rückzug von Finanzchef John Markovich, der das Unternehmen fünf Jahre lang begleitet und maßgeblich zum Börsengang 2022 sowie zur Kapitalaufnahme von mehr als 900 Millionen Dollar beigetragen hatte.
Seit diesen Nachrichten hat die Aktie auf Wochensicht 5,1 Prozent verloren. Beide Themen sind mittlerweile verarbeitet, doch sie prägen die Stimmung weiter, mit der Anleger auf jede neue Zahl reagieren.
Genau in dieses Klima platzte am Freitag vor drei Wochen die Herabstufung durch Zacks Research von „Strong Buy“ auf „Hold“, während Wall Street Zen die Einstufung zuvor von „Strong Sell“ auf „Sell“ angehoben hatte — beide Bewegungen fielen in eine Phase, in der institutionelle Anleger ohnehin schon selektiver wurden.
Die eigentliche Frage: Wachstum oder Bewertung?
Hier trifft man auf das Kernproblem des gesamten Quantencomputing-Sektors, nicht nur von D-Wave: Die Aktien reagieren überproportional auf Marktschwäche.
An rund 74 Prozent der Tage im laufenden Jahr, an denen der breite Technologiesektor nachgab, fielen Quantencomputing-Werte stärker als der Nasdaq-100. D-Wave notiert dabei mit fast dem 150-fachen des erwarteten Jahresumsatzes — eine Bewertung, die einen Vorgeschmack auf viele Jahre Wachstum einpreist, während das laufende Geschäft noch im niedrigen einstelligen Millionenbereich verharrt.
Der Kurs spiegelt diese Spannung: Nach einem Rückgang von 37 Prozent seit Jahresbeginn und einem Abstand von 65 Prozent zum 52-Wochen-Hoch von 40,41 Euro notiert das Papier näher am 52-Wochen-Tief von 11,12 Euro als an seinen früheren Höchstständen. Die annualisierte Volatilität von 107 Prozent zeigt, wie unruhig der Handel in diesem Marktsegment inzwischen geworden ist.
Bleibt die Frage, die sich jeder Anleger in diesem Sektor stellen muss: Zählt am Ende die operative Dynamik — Buchungen, Partnerschaften, kommerzielle Reichweite — oder das Missverhältnis zwischen Bewertung und tatsächlichem Umsatz? Bei D-Wave laufen beide Erzählstränge gerade gleichzeitig, und keiner hat bislang eindeutig gewonnen.
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