D-Wave Quantum Aktie: Staat erhält Aktien

D-Wave Quantum sichert sich US-Fördermittel und internationale Partner, während Wachstum, Insiderverkäufe und Kursentwicklung ein gemischtes Bild zeigen.

Andreas Sommer ·
Abstrakte Darstellung eines Quantencomputer-Prozessors in einem hochmodernen Serverraum mit blauer Beleuchtung. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • US-Staat beteiligt sich mit Aktien
  • Bis zu 100 Millionen Dollar Förderung
  • QCaaS-Umsatz wächst um 50 Prozent
  • Aktie bleibt 32 Prozent im Minus

Es gibt Momente, in denen eine einzelne Unterschrift mehr über den Zustand einer Branche verrät als tausend Analystenkommentare. Diese Woche war so ein Moment für D-Wave Quantum. Das US-Handelsministerium hat die endgültige Vereinbarung über bis zu 100 Millionen Dollar aus dem CHIPS and Science Act besiegelt – eine erste Tranche von gut 53,5 Millionen Dollar fließt sofort, weitere Zahlungen folgen über bis zu fünf Jahre, gebunden an Meilensteine.

Das Bemerkenswerte daran ist nicht nur die Summe. Es ist die Struktur. Als Gegenleistung erhält Washington 7.095.721 Aktien von D-Wave zu 14,093 Dollar pro Stück – eine Minderheitsbeteiligung ohne Kontrollrechte, aber eben eine Beteiligung.

Der amerikanische Staat wird damit zum Miteigentümer eines kanadisch-amerikanischen Quantencomputer-Pioniers. Das Geld soll in die Forschung an Halbleiter-Prototypen fließen, mit denen D-Wave seine annealing-basierten und gate-basierten supraleitenden Systeme skalieren will.

Ein Muster, das größer ist als eine Aktie

Wer die vergangenen Jahre der Industriepolitik verfolgt hat, erkennt hier ein Muster: Der Staat tritt nicht mehr nur als Subventionsgeber auf, sondern als Kapitalgeber mit Eigenkapitalanteil.

Was beim CHIPS Act ursprünglich für klassische Halbleiterfertigung gedacht war, wird nun auf Quantencomputing ausgeweitet. Das ist eine Wette darauf, dass Rechenleistung jenseits klassischer Chips zur nationalen Sicherheitsfrage wird. Für D-Wave bedeutet es Rückenwind – aber auch eine neue Abhängigkeit von politischen Prioritäten in Washington.

Parallel dazu verdichten sich die operativen Signale. Mit NTT DOCOMO hat D-Wave einen Produktionsrollout ausgeweitet, der laut Unternehmensangaben Standortregistrierungssignale um rund 65 Prozent und Paging-Signale um etwa 7 Prozent reduziert.

Kanadas National Research Council steuert zudem bis zu 300.000 kanadische Dollar für die nächste Generation von Annealing-Software bei, zugeschnitten auf die Systeme Advantage2 und Zephyr. Kleine Beträge im Vergleich zum CHIPS-Deal, aber sie zeigen: D-Wave sucht sich Partner auf mehreren Kontinenten gleichzeitig.

Zahlen, die Hoffnung machen – und Fragen offenlassen

Die Geschäftszahlen aus dem zweiten Quartal, vor rund einem Monat veröffentlicht, passen ins Bild einer Firma im Umbruch: 3,1 Millionen Dollar Umsatz, davon 62,4 Prozent von kommerziellen Kunden, das QCaaS-Abonnementgeschäft wuchs um 50 Prozent auf 1,9 Millionen Dollar.

Die Buchungen im ersten Halbjahr sprangen um 1.120 Prozent, unter anderem dank eines 20-Millionen-Dollar-Verkaufs eines Annealing-Systems an die Florida Atlantic University. Die noch zu erfüllenden Auftragsverpflichtungen kletterten um 668 Prozent auf 40,7 Millionen Dollar. Beeindruckende Wachstumsraten – aber von einer noch sehr kleinen Basis aus.

Vor gut drei Wochen, am 21. August, hatte BMO Capital die Coverage von D-Wave mit einem Outperform-Rating und einem Kursziel von 35 Dollar aufgenommen. Das war damals ein deutliches Bekenntnis zum langfristigen Potenzial des Unternehmens, auch wenn diese Einschätzung inzwischen kein frisches Signal mehr ist.

Doch nicht alles an der Geschichte ist ungetrübt. Die Kanzlei Pomerantz LLP prüft seit Anfang der Woche mögliche Fälle von Wertpapierbetrug oder anderen unlauteren Geschäftspraktiken im Namen von Anlegern.

Gleichzeitig meldeten Marktbeobachter, dass Insider in den vergangenen 90 Tagen Aktien im Wert von rund 26,2 Millionen Dollar verkauft haben – mehr als eine Million Stück. Auf der anderen Seite hat Wellington Management Group seine Position aufgestockt, ein Gegengewicht institutionellen Vertrauens zum Insider-Verkaufsdruck.

Was der Kurs gerade erzählt

Die Aktie notiert aktuell bei 15,30 Euro, kaum verändert zum Vortag, aber über die vergangene Woche um 7,5 Prozent gestiegen – ein Reflex auf die CHIPS-Nachricht und die operativen Fortschritte. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Minus von 32 Prozent zu Buche, und vom 52-Wochen-Hoch bei 40,41 Euro trennen das Papier satte 62 Prozent.

Diese Spanne zwischen kurzfristiger Erleichterung und langfristigem Kursverfall fasst die Lage von D-Wave gut zusammen: Ein Unternehmen, das plötzlich staatliche Rückendeckung und internationale Partner gewinnt, aber noch beweisen muss, dass daraus tragfähige Umsätze werden.

Die eigentliche Frage lautet nicht, ob Quantencomputing die Zukunft ist – sondern ob D-Wave sie sich leisten kann, bevor das Kapital der Anleger ausgeht.

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D-Wave Quantum Aktie

17,67 USD

+ 1,09 USD +6,57 %
KGV
Sektor Technologie
Div.-Rendite
Marktkapitalisierung 6,55 Mrd. USD
Ø Kursziel 35,24 USD
ISIN: US26740W1099 WKN: A3DSV9

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