Liebe Leserinnen und Leser,
es sind oft die unscheinbaren Dezimalstellen, die über das Wohl und Wehe ganzer Volkswirtschaften entscheiden. Während die Finanzwelt gestern noch kollektiv den Atem anhielt und Algorithmen nervös flackerten, sorgte heute Nachmittag eine einzige Zahl für das, was man an der Börse am dringendsten brauchte: Klarheit.
Die Woche endet versöhnlich, fast schon therapeutisch. Nachdem der Technologiesektor gestern Abend einen schmerzhaften Realitätscheck durchlaufen musste, liefert die Makroökonomie heute den erhofften Balsam. Die Angst vor einer zähen Inflation weicht der Hoffnung auf baldige Zinssenkungen. Doch während Washington aufatmet, leckt sich das Silicon Valley die Wunden, und in Frankfurt wurde – wenn auch nur für einen historischen Wimpernschlag – die Krone weitergereicht.
Hier ist, was Sie zum Wochenausklang wissen müssen.
Das 2,4-Prozent-Signal: Die Fed darf wieder träumen
Die wichtigste Zahl des Tages lautet 2,4. So moderat stiegen die US-Verbraucherpreise im Januar im Jahresvergleich. Dieser Wert liegt nicht nur unter dem Vormonatsniveau von 2,7 Prozent, sondern unterbietet auch die Prognosen der Analysten. Es ist das Szenario, das Strategen als „Goldlöckchen“ bezeichnen: Nicht zu heiß, um die Zinsen oben zu halten, nicht zu kalt, um eine Rezession zu signalisieren.
Für die US-Notenbank Fed ist dieser Datensatz ein Geschenk. Nach den überraschend starken Arbeitsmarktdaten der Vorwoche, die Sorgen vor einer Lohn-Preis-Spirale schürten, öffnet sich nun wieder das Fenster für die Geldpolitik. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im Juni wird an den Terminmärkten nun wieder bei rund 70 Prozent taxiert.
Ein Blick in den amerikanischen Warenkorb verrät dabei spannende Details: Während Dienstleistungen teurer bleiben, entspannt sich die Lage an der Basis. Energie verbilligte sich zum Vormonat um 1,5 Prozent, und Lebensmittel wie Eier wurden sogar um satte 7 Prozent günstiger. Das Inflationsgespenst ist noch nicht gänzlich vertrieben, aber es hat heute deutlich leiser geschrien als befürchtet.
Wachablösung in Frankfurt: Siemens‘ kurzer Triumph
Kommen wir zum heimischen Parkett, wo sich gestern Szenen abspielten, die in die Geschichtsbücher des DAX eingehen dürften. Siemens hat – wenn auch nur temporär – SAP als wertvollstes Unternehmen im deutschen Leitindex entthront.
Der Münchner Technologiekonzern schraubte seine Marktkapitalisierung zeitweise auf über 217 Milliarden Euro und zog damit an der Walldorfer Software-Schmiede vorbei. Der Treibstoff für diesen Sprint war fundamentaler Natur: Eine Anhebung der Jahresprognose auf ein Ergebnis je Aktie von bis zu 11,10 Euro entfachte die Fantasie der Anleger, die das Papier gestern mit einem Plus von sechs Prozent feierten.
Doch an der Börse folgt auf den Rausch oft die Ernüchterung. Heute musste die Siemens-Aktie Federn lassen und notierte am Nachmittag rund drei Prozent im Minus. Der DAX selbst bleibt ein unentschlossener Akteur: Die psychologisch wichtige Marke von 25.000 Punkten, über die gestern kurz gelugt wurde, bleibt eine hohe Hürde. Während Mercedes-Benz nach einem schwachen vierten Quartal bremst, sucht der Index noch nach dem Fundament für dauerhafte Höhenflüge.
Der KI-Kater: „Erst verkaufen, dann fragen“
Während wir in Europa auf Siemens blickten, erlebte die Wall Street gestern einen Stimmungsumschwung, der in seiner Brutalität überraschte. Der Nasdaq verlor zwei Prozent, getrieben von einem Narrativ, das wir bereits gestern kurz thematisiert haben, das nun aber mit voller Wucht zuschlägt: Die „AI Angst“.
Investoren stellen nicht mehr nur Fragen, sie ziehen Konsequenzen. Die gigantischen Investitionen von Amazon, Microsoft und Co. – wir sprechen von erwarteten 650 Milliarden Dollar an Ausgaben im Jahr 2026 – müssen sich rechnen. Doch die Geduld der Märkte schwindet. Cisco stürzte nach verfehlten Margenzielen um über 12 Prozent ab, AppLovin verlor fast 20 Prozent.
Das Motto an der Wall Street lautete gestern: „Erst verkaufen, dann KI-Fragen stellen“. Der Markt wechselt von der Phase der blinden Euphorie in die Phase der kritischen Prüfung (Due Diligence). Das ist ein gesunder, aber schmerzhafter Reifeprozess. Wer keine sofortigen Monetarisierungserfolge vorweisen kann, wird gnadenlos abgestraft.
In diesem Marktumfeld mit seinen heftigen Schwankungen bietet sich eine besondere Trading-Strategie an, die gezielt solche Bewegungen nutzt. Ein kostenloses Webinar zeigt, wie Sie mit einer bewährten Methode aus Donchian-Channel, Volumenanalyse und fundamentalen Auslösern systematisch Gewinnchancen identifizieren können. Die Strategie funktioniert sektorübergreifend – ob bei Rheinmetall (+136,5%), Siemens Energy (+96,9%) oder Cameco (+60,2%). Sie lernen, wie Sie zweimal pro Woche konkrete Trade-Signale erhalten und umsetzen, ohne selbst stundenlang Charts analysieren zu müssen. Das Webinar startet mit einem ersten kostenlosen Trade-Signal und einem exklusiven Sektor-Report zu den vier gewinnstärksten Branchen bis 2027. Details zur Cash-Rallye-Strategie
Krypto-Winter im Februar
Auch für Krypto-Enthusiasten weht ein eisiger Wind. Bitcoin, der im Oktober 2025 noch in Sphären von über 120.000 Dollar schwebte, kämpft aktuell verzweifelt um die Marke von 66.000 Dollar. Analysten warnen vor einer „Luftblase“ nach unten und sehen Risiken bis in den Bereich von 60.000 Dollar.
Wie ernst die Lage ist, zeigen die Zahlen von Coinbase. Wenn selbst die „Schaufelverkäufer“ im Goldrausch rote Zahlen schreiben, sollten bei Anlegern die Alarmglocken schrillen: Die größte US-Kryptobörse meldete heute für das vierte Quartal einen Nettoverlust von 667 Millionen Dollar. Das Narrativ vom „digitalen Gold“ als sicherem Hafen bekommt in diesen Tagen tiefe Risse.
Münchner Klartext
Ein Blick noch auf die geopolitische Bühne: In München hat die Sicherheitskonferenz begonnen, und Kanzler Friedrich Merz nutzte das Podium für ungewohnt deutliche Töne. Ohne Viktor Orban direkt beim Namen zu nennen, kritisierte er dessen Moskau-Reise scharf als mandatslosen Alleingang. „Er hat nichts erreicht“, so das nüchterne Fazit des Kanzlers. Gleichzeitig warb Merz für einen „Neustart“ der transatlantischen Beziehungen. In einer Zeit globaler Unsicherheit ist diese klare Positionierung mehr als nur diplomatische Rhetorik – sie ist ein Standortfaktor.
Was bleibt?
Die Woche endet mit einem tiefen Durchatmen. Die US-Inflationsdaten nehmen den unmittelbaren Druck vom Kessel und geben den Zentralbanken Handlungsspielraum. Der DAX hat gezeigt, dass er die 25.000 Punkte im Visier hat, auch wenn die Kraft für den finalen Durchbruch noch fehlt. Tech-Werte mögen wackeln, aber die fundamentale Richtung stimmt.
Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende.
Ihr
Eduard Altmann
