Datenzentren als Goldrausch — Hochtief, Prysmian und SPIE profitieren, Lufthansa kämpft
Rekordaufträge bei Hochtief und Technologieführerschaft bei Prysmian prägen den Sektor, während Lufthansa mit operativen Herausforderungen kämpft.

Kurz zusammengefasst
- Hochtief mit Rekordauftragsbestand
- Prysmian setzt auf Hohlkernfaser-Technologie
- Rolls-Royce treibt Turnaround voran
- SPIE fokussiert auf ESG-Finanzierung
Fünf Industriewerte, ein gemeinsamer Nenner: Der Hunger nach digitaler Infrastruktur durchzieht den Sektor wie ein roter Faden. Während Hochtief Rekordaufträge im Datenzentrum-Bau verbucht und Prysmian mit Hohlkernfasern die nächste Glasfaser-Generation liefert, ringt Lufthansa mit gestrichenen Flügen und dem komplexen ITA-Deal. Rolls-Royce untermauert seinen Turnaround mit einer frischen Euro-Anleihe, SPIE setzt auf ESG-Finanzierung und Cybersecurity. Ein Sektor, zwei Geschwindigkeiten.
Lufthansa: ITA-Mehrheit rückt näher, operative Baustellen bleiben
Die Lufthansa-Aktie hat eine schwere Woche hinter sich. Bei aktuell 7,69 Euro steht ein Wochenverlust von über neun Prozent zu Buche. Seit Jahresanfang summiert sich das Minus auf knapp zehn Prozent.
Das strategisch wichtigste Thema: Die Kranich-Airline übt im Juni ihre Option zum Ausbau der ITA-Airways-Beteiligung von 41 auf 90 Prozent aus. Der Kaufpreis für die Aufstockung liegt bei 325 Millionen Euro. CEO Carsten Spohr betonte auf der Hauptversammlung, dass die Integration bereits weit fortgeschritten sei — einheitliche Buchungssysteme, gemeinsame Tarife, Miles & More. ITA wies 2025 erstmals einen Nettogewinn aus, rund 209 Millionen Euro.
Der Vollzug hängt an den Genehmigungen der EU-Kommission und des US-Justizministeriums. Erwartet wird ein Abschluss im ersten Quartal 2027.
Operativ belasten andere Faktoren: Bis Oktober 2026 streicht der Konzern rund 20.000 Flüge. Rückendeckung kommt immerhin von Großaktionär Kühne Holding, die mit 20 Prozent größter Einzelaktionär bleibt und eine weitere Aufstockung nicht ausschließt. Die Dividende für 2025 beträgt 0,33 Euro je Aktie — eine Rendite von rund vier Prozent.
Prysmian: Hohlkernfaser-Wette trifft auf scharfe Kurskorrektur
Nach einer fulminanten Rallye seit Jahresbeginn — plus 57 Prozent — hat Prysmian heute kräftig Federn gelassen. Der Kurs fiel um über vier Prozent auf 141,00 Euro und entfernt sich damit spürbar vom Allzeithoch bei knapp 156 Euro.
Die Fundamentaldaten sprechen eine andere Sprache. Im ersten Quartal erzielte der Kabelhersteller einen Umsatz von 5,2 Milliarden Euro, ein organisches Wachstum von fünf Prozent. Die Jahresprognose zielt auf ein EBITDA von 2,7 Milliarden Euro und einen freien Cashflow von 1,35 Milliarden Euro.
Strategisch setzt Prysmian auf eine Partnerschaft mit Relativity Networks im Bereich Hollow-Core-Fiber. Diese Hohlkernfasern übertragen Daten nahezu 50 Prozent schneller als herkömmliche Glasfaser und schaffen dabei deutlich größere Distanzen ohne Latenzeinbußen. Produziert wird in einer eigenen Anlage im niederländischen Eindhoven. Für Hyperscale-Datenzentren und KI-Workloads ist das ein entscheidender Vorteil.
Die Analysten bleiben überwiegend optimistisch: Elf Kaufempfehlungen stehen zwei Verkaufsratings gegenüber. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 129,60 Euro — ein Niveau, das der aktuelle Kurs nach dem jüngsten Rücksetzer bereits wieder von oben anpeilt. Das Höchstziel reicht bis 175 Euro.
Rolls-Royce: Turnaround-Story mit Anleihe und Atomkraft-Fantasie
Rolls-Royce bleibt einer der beeindruckendsten Turnaround-Kandidaten im europäischen Industriesektor. Heute legte die Aktie um 1,43 Prozent auf 13,47 Euro zu — eine der wenigen grünen Zahlen im Sektor an diesem Dienstag.
Das Management bereitet die erste Euro-Anleihe seit sechs Jahren vor und hält gleichzeitig die Guidance für den operativen Gewinn bei 4,0 bis 4,2 Milliarden Pfund aufrecht. Im ersten Quartal erreichten die Flugstunden großer Triebwerke 115 Prozent des Vorkrisenniveaus von 2019. Der Auftragseingang bei Power Systems legte um 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu.
Politischen Rückenwind liefert das SMR-Programm. Der britische National Wealth Fund hat bis zu 599 Millionen Pfund Finanzierung für die Small-Modular-Reactor-Tochter angekündigt. Steigende europäische Verteidigungsbudgets stützen zusätzlich: Rolls-Royces Jet-Triebwerke und Nuklear-U-Boot-Antriebe profitieren direkt von dieser Ausgabenbeschleunigung.
Die finanzielle Stärke zeigt sich auch in den Ratings. Die Rückzahlung einer 750-Millionen-Euro-Anleihe aus dem freien Cashflow führte zu Upgrades auf A3 bei Moody’s und A- bei Fitch. Mittelfristig peilt der Konzern bis 2028 operative Margen zwischen 18 und 20 Prozent an. Kein einziger Analyst trägt derzeit ein Verkaufsrating.
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Hochtief: Rekordaufträge durch Meta-Campus, Gewinnmitnahmen drücken den Kurs
Hochtief erlebt einen paradoxen Moment. Die Quartalszahlen glänzen — und die Aktie rutscht ab. Heute verlor das Papier 5,44 Prozent auf 459,20 Euro, auf Wochenbasis steht ein Minus von über acht Prozent.
Die Zahlen für das erste Quartal 2026 erzählen von operativer Stärke:
- Operativer Nettogewinn: plus 30 Prozent auf 217 Millionen Euro
- Neue Aufträge: wechselkursbereinigt plus 27 Prozent auf 15,2 Milliarden Euro
- Rekordauftragsbestand: 79,3 Milliarden Euro zum Ende des ersten Quartals
- Operatives EPS: 2,88 Euro, knapp 30 Prozent über Vorjahr
Besonders die Datenzentrum-Sparte treibt das Wachstum. Die US-Tochter Turner wurde als einer der Auftragnehmer für Metas milliardenschweren Datenzentrum-Campus in Indiana ausgewählt. Diese Hyperscaler-Fantasie hat den Kurs seit Jahresanfang um über 35 Prozent nach oben getrieben — und erklärt auch das hohe Bewertungsniveau mit einem KGV von rund 42.
Analysten verweisen auf Gewinnmitnahmen als Hauptgrund für die jüngste Schwäche. Die Jahresprognose für den operativen Nettogewinn liegt bei 950 bis 1.025 Millionen Euro, was einem Wachstum von 20 bis 30 Prozent entspricht. In Deutschland dürfte der 500-Milliarden-Euro-Infrastrukturfonds als zusätzlicher Rückenwind wirken.
SPIE: ESG-Anleihe und Datenzentrum-Einheit als Wachstumshebel
SPIE fällt im Vergleich zu Hochtief oder Prysmian selten durch spektakuläre Kursausschläge auf. Die Aktie notiert heute bei 46,30 Euro, ein Minus von 1,61 Prozent. Die Volatilität bleibt mit gut 33 Prozent die niedrigste im Vergleichsfeld.
Der französische Technische-Services-Spezialist hat gestern ein neues Sustainability-Linked-Bond-Framework veröffentlicht. Künftige Finanzierungskonditionen werden damit an konkrete Umwelt- und Sozialziele geknüpft. Für institutionelle ESG-Investoren steigt die Attraktivität des Titels.
Im ersten Quartal erzielte SPIE einen Umsatz von 2,45 Milliarden Euro. Organisch schrumpfte der Erlös zwar leicht um 0,9 Prozent — ungünstige Witterungsbedingungen bremsten — doch Akquisitionen kompensierten den Gegenwind. Die Übernahme des Cloud-Security-Spezialisten Cyqueo und neue Reinraum-Verträge in Tschechien über die BLOCK-Akquisition positionieren SPIE in schnell wachsenden Nischen.
Frische Verträge stützen die Perspektive: ein mehrjähriger Vertrag mit Johnson & Johnson sowie eine eigene Datenzentrum-Performance-Einheit in Frankreich. Fitch hebt die verbesserte Verschuldungsquote hervor — das EBITDA übersteigt mittlerweile 750 Millionen Euro. Die Dividende liegt bei 0,47 Euro je Aktie.
Digitale Infrastruktur als verbindende Klammer
Was auf den ersten Blick wie ein zusammengewürfeltes Quintett wirkt, teilt einen überraschend starken gemeinsamen Wachstumstreiber. Der globale Markt für optische Interconnects in KI-Datenzentren soll von 3,75 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf über 18 Milliarden US-Dollar bis 2033 wachsen.
Prysmian liefert die physische Glasfaser-Infrastruktur. Hochtief baut über Turner die Gebäude. SPIE installiert und wartet die technischen Systeme. Rolls-Royce könnte über sein SMR-Programm die Energieversorgung für energiehungrige KI-Cluster liefern. Lufthansa steht als einziger Wert außerhalb dieser Logik — profitiert allenfalls indirekt über steigende Geschäftsreisetätigkeit.
Auf der Bewertungsseite zeigt sich eine klare Spreizung. Rolls-Royce handelt mit einem KGV von rund 17, Hochtief wird mit dem 2,5-Fachen davon bewertet. Der Aufschlag reflektiert die Datenzentrum-Fantasie. SPIE punktet mit Verschuldungsdisziplin, Prysmian mit Technologieführerschaft bei Hohlkernfasern.
Regulierung, Rüstung, Rechenzentren — drei Kräfte prägen die nächsten Monate
Für Lufthansa entscheidet sich der ITA-Deal erst mit dem Behörden-Plazet, das frühestens Anfang 2027 kommen dürfte. Rolls-Royce liefert am 30. Juli den nächsten großen Finanzupdate — die Kombination aus Verteidigungsausgaben und SMR-Programm dürfte den Markt beschäftigen.
Hochtief muss beweisen, dass das hohe Bewertungsniveau durch anhaltende Hyperscaler-Aufträge gerechtfertigt bleibt. SPIE verankert sich mit dem ESG-Framework stärker im Radar institutioneller Investoren. Und Prysmian steht vor der Frage, ob der jüngste Kursrücksetzer eine Einstiegsgelegenheit markiert oder ob der Markt die Bewertung nach der 57-Prozent-Rallye neu kalibriert. Die Hollow-Core-Fiber-Partnerschaft und die Hyperscaler-Nachfrage bleiben dabei die entscheidenden Katalysatoren.
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