DAX: 900.000 ODAX-Kontrakte offen

Fed-Chef Warsh verzichtet auf Zinsprognose, während der große Verfallstag die Märkte bewegt. DAX-Anleger blicken auf Schlüsselmarken.

Dieter Jaworski ·
DAX Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Fed belässt Leitzins unverändert
  • Warsh streicht gewohnte Zinsprognose
  • Hexensabbat mit verschobenem US-Verfall
  • BMW senkt Prognose, HENSOLDT steigt

Der DAX startet in einen ungewöhnlichen Handelstag. Zwei Ereignisse überlagern sich: die erste Fed-Sitzung unter dem neuen Notenbankchef Kevin Warsh und der große Verfallstag an der Eurex — der Hexensabbat.

Fed bricht mit Gewohnheit

Die Zinsentscheidung selbst war keine Überraschung. Die Federal Reserve hält den Leitzins bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Was Märkte aber aufhorchen lässt: Warsh gibt keine Zinsprognose ab und beteiligt sich nicht am Dot Plot. Die gewohnte Orientierungshilfe fehlt damit komplett.

Die Fed hebt ihre Inflationsprognose für 2026 deutlich an — von 2,7 auf 3,6 Prozent. Als Begründung nennt sie Angebotsschocks. Thomas Altmann von QC Partners bringt es auf den Punkt: „Die Fed des Kevin Warsh stellt die Preisstabilität ganz klar an die erste Stelle.“

Hexensabbat mit US-Sondereffekt

Freitag ist großer Verfallstag. An der Eurex laufen DAX-Optionen und -Futures um 13 Uhr aus. Der entscheidende Moment für den Index ist also die Mittagsphase am Freitag.

Wegen des Juneteenth-Feiertags bleiben die US-Börsen am 19. Juni geschlossen. Der Verfall amerikanischer Aktien- und Indexoptionen verlagert sich deshalb auf heute, Donnerstag. Das erhöht den Druck im Tagesverlauf zusätzlich.

Die Eurex-Daten zeigen ein offenes Kontraktvolumen von knapp 900.000 ODAX-Kontrakten. Das Put/Call-Verhältnis liegt über eins — Anleger haben sich stärker mit Verkaufsoptionen abgesichert als mit Kaufoptionen. Die Marken bei 24.500 und 25.000 Punkten gelten als neuralgische Zonen.

Einzelwerte im Blick

BMW belastet die Stimmung unter den Automobilwerten spürbar. Der Konzern kappt seinen Jahresausblick — wegen der Krise am chinesischen Markt und der Folgen des Nahostkonflikts. VW und Mercedes-Benz verlieren im Sog.

Auf der Gegenseite: HENSOLDT profitiert von einer Kooperationsvereinbarung mit dem ukrainischen Rüstungsunternehmen Fire Point. Bayer klettert auf ein Monatshoch. Thyssenkrupp erhält grünes Licht vom Aufsichtsrat für die Abspaltung der Sparte Material Services. Unter dem Namen „tk accelis“ soll sie bis Ende 2026 an die Frankfurter Börse kommen. Thyssenkrupp behält 51 Prozent der Anteile; die Sparte wird auf rund 3,5 Milliarden Euro geschätzt.

Aus der Eurozone kamen stützende Signale: Die Mai-Inflationsdaten deuten auf nachlassenden Preisdruck hin. Das reduziert den Druck auf die EZB, ihren Kurs zu verschärfen.

Technisches Bild

Der DAX liegt rund 2,3 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 25.507 Punkten. Auf Jahressicht steht ein Plus von knapp 1,6 Prozent. Der Kurs notiert klar oberhalb des 200-Tage-Durchschnitts bei 24.232 Punkten — die mittelfristige Erholung vom März-Tief bei 21.864 Punkten ist technisch intakt. Hält die 24.500-Punkte-Zone als Unterstützung, bleibt das Aufwärtspotenzial in Richtung 25.300 bis 25.500 Punkte bestehen.

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