DAX: Asiens Ausverkauf trifft Frankfurt
Asiatische Kursverluste im Technologiesektor drücken den DAX vorbörslich unter 25.000 Punkte. Auch Zalando bricht nach Bafin-Prüfung ein.

Kurz zusammengefasst
- Asiatische Börsen mit deutlichen Verlusten
- DAX vorbörslich unter 25.000 Punkte
- Infineon und andere Chipwerte fallen
- Zalando nach Bafin-Prüfung stark unter Druck
Der Optimismus vom Vortag hält nicht lange. Was nach den starken Micron-Zahlen wie ein Stimmungsumschwung im Technologiesektor aussah, entpuppt sich am Freitagmorgen als kurzlebige Episode — Asiens Börsen reißen den DAX mit nach unten.
Nikkei und KOSPI setzen den Ton: Japanische Aktien verlieren knapp fünf Prozent, der südkoreanische Index bricht noch deutlicher ein. Auslöser sind massive Gewinnmitnahmen im Chipsektor. Anleger, die in den vergangenen Wochen von der KI-Rally profitiert hatten, sichern ihre Gewinne ab — und das zügig.
Technologiesorgen treffen auch Frankfurt
Für den DAX zeichnet sich vor dem Xetra-Start ein Minus von rund einem Prozent ab. Der Terminkontrakt fällt unter die 25.000-Punkte-Marke. Damit droht dem Index auf Wochensicht ein kleines Minus — ausgerechnet nach einer Woche, die zwischenzeitlich hoffnungsvoll aussah.
Kein Wunder, dass auch deutsche Chip-Werte leiden. Infineon verliert vorbörslich knapp drei Prozent, ähnliche Abschläge treffen Aixtron, Siltronic und weitere Halbleiter-Zulieferer. Auch Siemens Energy und Hochtief, die als KI-Infrastrukturprofiteure gelten, geraten erneut unter Druck.
Analyst Thomas Altmann von QC Partners bringt es auf den Punkt: Die Risikoaversion nehme zu, die Stimmung drehe sich gerade. Hohe Bewertungen im KI-Segment und Sorgen über eine mögliche Speicherchip-Knappheit verstärken die Nervosität.
Zalando als Sonderfall
Abseits der Tech-Korrektur sorgt Zalando für einen eigenen Ausreißer nach unten. Die Bafin hat eine Prüfung des Konzernabschlusses eingeleitet — konkrete Anhaltspunkte auf mögliche Verstöße gegen Rechnungslegungsvorschriften liegen laut Behörde vor. Vorbörslich bricht der Kurs um rund 15 Prozent ein. Das ist ein echter Einzelwert-Schock, der den DAX zusätzlich belastet.
Den Gegenpart spielt Bayer: Nach dem gestrigen Kurssprung von fast 19 Prozent infolge des Supreme-Court-Urteils im Glyphosat-Streit gibt die Aktie vorbörslich leicht nach. Goldman Sachs wertet die Entscheidung als bedeutenden Schritt zur Bereinigung jahrelanger Rechtsrisiken.
Der makroökonomische Rahmen bleibt ungemütlich. Die US-Inflation ist im Mai auf 4,2 Prozent gestiegen — den höchsten Stand seit rund drei Jahren. Fed-Vertreter sprechen offen von erhöhten Preisrisiken, angetrieben durch Zölle, den Iran-bedingten Energieschock und den KI-Investitionsboom. Die US-Notenbank hält die Leitzinsen vorerst in der Spanne zwischen 3,50 und 3,75 Prozent — Zinssenkungshoffnungen sind damit auf absehbare Zeit vertagt.
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