DAX Entspannung mit Vorbehalt
Der DAX profitiert vom US-Iran-Rahmenabkommen, scheitert aber an der 25.000er-Marke. Rüstungs- und Energiewerte geraten unter Druck.

Kurz zusammengefasst
- DAX steigt 1,2 Prozent
- 25.000 Punkte bleiben Hürde
- TUI und Lufthansa legen zu
- Rheinmetall verliert deutlich
Ein Waffenstillstand, fallende Ölpreise und aufgehellte Stimmung — das klingt nach einem klaren Kaufsignal. Ganz so einfach ist es nicht.
Das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran sorgt am Montag für breite Kursgewinne. Der DAX legte rund 1,2 Prozent zu und berührte zwischenzeitlich die 25.000-Punkte-Marke, konnte sich dort aber nicht festsetzen. Zur Mittagszeit pendelte der Index bei knapp 24.935 Punkten — die psychologisch wichtige Schwelle erwies sich erneut als Hürde, das Rekordhoch von 25.507 Punkten bleibt vorerst in weiter Ferne.
Gewinner und Verlierer der neuen Lage
Der Deal dreht die Gewinner-Verlierer-Struktur des Marktes spürbar um. Touristik und Luftfahrt profitieren am deutlichsten: TUI, Lufthansa und Airbus legten zwischen 5 und knapp 7 Prozent zu. Automobilwerte — BMW, Mercedes-Benz, Volkswagen — kletterten zwischen 2,5 und gut 3 Prozent. MTU Aero Engines stach mit einem Plus von fast 6 Prozent hervor.
Auf der Gegenseite steht Rheinmetall, die rund 2,6 Prozent verloren. Geopolitische Entspannung dämpft eben die Nachfrage nach Rüstungswerten — und ein Medienbericht über mögliche Probleme beim deutsch-französischen Panzerprojekt MGCS belastet zusätzlich. Energiewerte wie RWE rutschten rund 1,8 Prozent ab, da günstigeres Öl die Erlösperspektiven drückt.
Vorsicht vor zu viel Euphorie
Das Abkommen ist eine Absichtserklärung, kein Friedensvertrag. Die offizielle Unterzeichnung ist für den 19. Juni in der Schweiz geplant. Dahinter steckt ein komplizierter Fahrplan: In den nächsten 60 Tagen sollen Irans Atomprogramm und die endgültige Rolle der Straße von Hormus verhandelt werden. Marktbeobachter weisen darauf hin, dass die Gefahr einer erneuten Eskalation damit nicht verschwindet, sondern vorerst nur gedämpft wird.
Kein Wunder, dass Anleger selektiv reagieren: Standardwerte aus Konjunkturzyklus und Infrastruktur finden Käufer, während Halbleiter- und Rüstungstitel zurückgestutzt werden. Infineon verlor leicht, unter anderem belastet durch eine chinesische Gerichtsentscheidung zu Patentrechten des Halbleiterherstellers Innoscience.
Parallel drückt die sinkende Ölpreislage auf die deutschen Großhandelspreise — im Mai stiegen sie nur noch 5,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr, nach 6,3 Prozent im April. Das entspannt die Inflationsperspektive, bleibt aber abhängig davon, ob die Lieferungen durch die Meerenge tatsächlich wieder aufgenommen werden. Am Mittwoch entscheidet zudem die US-Notenbank über ihre Zinspolitik — ein weiterer Faktor, der die Märkte bis dahin in Lauerstellung hält.
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