DAX: Entwarnung ohne Erleichterung

Trotz überraschend schwacher US-Inflation fällt der DAX zurück. Steigende Ölpreise und Zinssorgen belasten die Stimmung am deutschen Aktienmarkt.

Redaktion Stock-World ·
Eine einsame Figur blickt bei Sonnenuntergang auf eine Stadt, die Ruhe und Nachdenklichkeit ausstrahlt. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • US-Inflation sinkt stärker als erwartet
  • Ölpreis steigt aufgrund geopolitischer Spannungen
  • DAX verliert und kämpft mit 25.000 Punkten
  • Fed-Zinserhöhung wird wieder wahrscheinlicher

Eigentlich hätten die Ampeln heute auf Grün stehen müssen. Die US-Inflation ist im Juni deutlich stärker gefallen als von Ökonomen erwartet – trotzdem drehte der DAX nach einem kurzen Ausflug ins Plus wieder ins Minus. Das zeigt, wie sehr der Ölpreis derzeit die Stimmung an den Börsen diktiert.

Die Inflationsdaten überraschen positiv

Die Verbraucherpreise in den USA stiegen im Jahresvergleich um 3,5 Prozent, nach 4,2 Prozent im Mai. Volkswirte hatten im Schnitt nur mit einem Rückgang auf 3,8 Prozent gerechnet. Auch die Kernrate, die schwankungsanfällige Energie- und Lebensmittelpreise ausklammert, gab stärker nach als prognostiziert und sank auf 2,6 Prozent.

Im Monatsvergleich fielen die Verbraucherpreise sogar um 0,4 Prozent, erwartet worden war lediglich ein Minus von 0,1 Prozent. Getrieben wurde der Rückgang vor allem von den Energiepreisen, die im Vormonatsvergleich um 5,7 Prozent nachgaben. Bemerkenswert dabei: Auch im Dienstleistungssektor zeigten sich keine klaren Anzeichen für Zweitrundeneffekte durch den Energiepreisschub vom Frühjahr.

Der Ölpreis dreht den Wind

Die gute Nachricht hatte allerdings einen Makel: Sie bildet die aktuelle Eskalation im Nahen Osten noch nicht ab. Der Brent-Preis kletterte parallel auf rund 87 Dollar je Fass – deutlich über das Niveau während des Waffenstillstands bei etwa 70 Dollar. Grund dafür sind die faktisch geschlossene Straße von Hormus sowie eine von US-Präsident Donald Trump angedrohte Transportgebühr von 20 Prozent für Cargoschiffe, die die Meerenge durchqueren wollen.

Diese Aussicht auf neue Preisschübe im Sommer lässt Ökonomen vorsichtig bleiben. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinsanhebung durch die Fed am 29. Juli stieg laut CME FedWatch Tool auf 36,9 Prozent, nach 33,7 Prozent am Vortag. Fed-Gouverneur Christopher Waller hatte bereits angedeutet, eine Zinserhöhung in Betracht zu ziehen, sollte der Preisdruck anhalten – die Anhörung von Fed-Chef Kevin Warsh vor dem US-Kongress am Dienstag und Mittwoch dürfte hier weitere Hinweise liefern.

DAX kämpft mit der 25.000er-Marke

Der deutsche Leitindex fiel im Verlauf um 0,7 Prozent auf rund 24.934 Punkte und rutschte damit von seinem Rekordhoch weiter ab. Erst am 6. Juli hatte der DAX mit 25.900,10 Punkten ein neues Allzeithoch markiert und bei 25.817,89 Zählern geschlossen. Die runde 25.000er-Marke fungierte im Tagesverlauf mehrfach als Widerstand, ohne nachhaltig überwunden zu werden.

Auf Einzelwerteebene zeigte sich das Bild gespalten: Ölkonzerne wie BP profitierten vom steigenden Rohölpreis, während Evotec nach einer Gewinnwarnung um 24 Prozent einbrach und Hapag-Lloyd nach einer angehobenen Jahresprognose um 6,4 Prozent zulegte.

Die kommenden Tage bringen mit den US-Erzeugerpreisen am Mittwoch und der fortlaufenden Warsh-Anhörung weitere Impulse für die Zinserwartungen. Ob der DAX die 25.000er-Marke zurückerobert, dürfte davon abhängen, ob die Ölpreis-Sorgen weiter dominieren oder die entspannten Inflationsdaten am Ende doch noch Gehör finden.

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