DAX: Erstaunliche Gelassenheit

Der deutsche Leitindex zeigt sich trotz Eskalation im Nahen Osten und steigender Ölpreise stabil nahe der 25.000-Punkte-Marke.

Dr. Robert Sasse ·
DAX Aktie

Kurz zusammengefasst

  • DAX bleibt nahe 25.000 Punkten stabil
  • Ölpreis steigt auf fast 79 Dollar
  • Fluglinien und Reisekonzerne verlieren
  • Rheinmetall profitiert von britischem Auftrag

Der Iran-Krieg eskaliert, der Ölpreis schießt nach oben, und trotzdem hält sich der DAX bemerkenswert stabil. Nach vier US-Angriffswellen auf den Iran seit Mittwoch hatten Marktbeobachter am Montag deutlich heftigere Kursverluste erwartet. Stattdessen pendelt der deutsche Leitindex nur knapp unter der 25.000-Punkte-Marke.

Ölpreis zieht an, DAX bleibt gefasst

Am Vormittag notierte der Index bei 25.033 Punkten, ein Minus von rund 0,1 Prozent gegenüber dem Freitagsschluss. Zeitweise war der DAX mit einem stärkeren Abschlag von 0,4 Prozent gestartet, konnte sich im frühen Handel aber wieder erholen. Der Ölpreis erzählt eine andere Geschichte: Brent-Rohöl legte um 3,8 Prozent auf 78,93 Dollar zu und nähert sich damit der 80-Dollar-Marke.

Das US-Militär hatte in der Nacht auf Montag erneut Ziele im Iran attackiert — Flugabwehrsysteme, Radaranlagen, Raketenstellungen und Drohnenstandorte. Teheran reagierte mit Vergeltungsschlägen gegen regionale US-Verbündete wie Oman und Katar. Die Sorge der Märkte gilt vor allem der Straße von Hormus, durch die ein Großteil der weltweiten Öltransporte läuft. Sowohl Teheran als auch Washington behaupten, den Schiffsverkehr weiter zu kontrollieren — für Analysten ein Zustand, der die Nervosität eher schürt als beruhigt.

Besonders deutlich zeigt sich der Ölpreis-Effekt bei Fluglinien und Reisekonzernen. IAG und Air France-KLM verloren bis zu 2,3 Prozent, Lufthansa gab um 2,5 Prozent nach, Tui büßte 1,7 Prozent ein. Auch Rüstungswerte gerieten trotz der Kriegslage unter Druck — Gewinnmitnahmen dominierten den Sektor, während Rheinmetall dank eines britischen Großauftrags zur Digitalisierung der Gefechtsausbildung gegen den Trend zulegte.

Rekordlauf unterbrochen, Marke bei 25.000 im Fokus

Noch vor einer Woche schrieb der DAX Geschichte: Am 6. Juli erreichte der Index mit 25.900 Punkten ein Allzeithoch, drei Handelstage in Folge hatte er zuvor neue Rekordstände markiert. Seither hat die Kombination aus Nahost-Eskalation und steigenden Anleiherenditen den Aufwärtstrend gebremst. Charttechnisch gilt die runde Marke von 25.000 Punkten als psychologisch wichtige Schwelle, um die sich Käufer und Verkäufer derzeit uneins zeigen.

Die steigenden Ölpreise könnten zudem die Inflationsdebatte in den USA neu entfachen — mit Konsequenzen für die Geldpolitik. Die nächste Fed-Sitzung steht am 28. und 29. Juli an, dann muss sich der neue Notenbankchef Kevin Warsh erstmals zur Frage möglicher Zinsanpassungen positionieren. Für den DAX bleibt die Statistik zunächst der wichtigere Anker: Solange der Index über der Unterstützung bei rund 24.000 Punkten notiert, gilt der langfristige Aufwärtstrend als intakt.

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