DAX: Fragezeichen hinter Rekordhoch
Nach mehreren Rekorden zeigt der DAX leichte Schwäche. Geringe Umsätze und eine überkaufte Marktlage nähren Korrektursorgen.
Kurz zusammengefasst
- DAX pausiert nach Rekordserie
- Handelsvolumen unterdurchschnittlich
- Charttechniker sieht Überhitzung
- JPMorgan rät zu KI-Einstiegen
Der DAX hat seine Rekordjagd der vergangenen Woche zum Wochenauftakt vorerst gestoppt. Der Leitindex notierte am Montagvormittag kaum verändert um die Marke von 25.800 Punkten — stabil, aber ohne neuen Schwung. Genau diese Ruhe nach dem Ausbruch wirft bei Marktbeobachtern Fragen auf.
Vergangene Woche hatte der Index gleich mehrfach neue Bestmarken markiert, am Freitag mit einem Schlussstand von 25.779,31 Punkten und einem Tageshoch bei 25.826,78 Zählern. Getrieben wurde die Rally vom Reformpaket der Bundesregierung und nachlassenden Zinssorgen — ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem viele internationale Leitindizes in eine Konsolidierungsphase eingetreten sind.
Schwache Umsätze wecken Zweifel
Was den Ausbruch fragil erscheinen lässt: Die Handelsumsätze lagen in der Rekordwoche unter dem Durchschnitt der vergangenen Wochen. Ein von breitem Marktinteresse getragener Ausbruch würde man eigentlich mit überdurchschnittlichem Volumen erwarten — das Gegenteil war der Fall. Charttechniker Christoph Geyer stuft den Markt inzwischen als überkauft ein und rechnet mit einem Rücksetzer, bevor der Aufwärtstrend sich fortsetzen könnte.
Auf Einzelwerteseite zeigte sich am Freitag noch ein breites Bild: 30 der 40 Indexwerte schlossen im Plus, angeführt von E.ON, Hochtief und GEA. Am Montagvormittag drehte sich das Bild leicht — SAP, Rheinmetall und Scout24 lagen vorn, während Infineon, Continental und Hochtief zurückblieben.
Halbleiterzyklus als Stützpfeiler
Für Rückenwind aus dem Technologiesektor sorgt eine Einschätzung von JPMorgan-Stratege Mislav Matejka. Die jüngste Schwäche bei KI-Werten, die sich besonders im US-Halbleiterindex SOX und im koreanischen Kospi zeigte, wertet er als Einstiegschance und nicht als Trendwende. Nennenswerte neue Kapazitäten seien vor 2028 kaum zu erwarten, der Zyklus habe also noch Substanz. Die Helaba sieht ebenfalls keine akute Überhitzungsgefahr im Technologiesektor — die Bewertungen seien aktuell nicht extrem.
Konjunkturseitig bietet die Woche wenig Zündstoff. Nennenswerte Impulse könnten allenfalls vom US-Dienstleistungsindex ISM kommen, während die Unternehmensagenda vor allem von Hauptversammlungen geprägt ist. Die eigentliche Berichtssaison, angeführt von den US-Banken, startet erst Mitte Juli. Bis dahin dürfte sich zeigen, ob der DAX die Konsolidierung nutzt, um Kraft für einen Angriff auf die 26.000-Punkte-Marke zu sammeln, oder ob die dünnen Umsätze tatsächlich der Vorbote einer breiteren Korrektur sind.
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