DAX: Gefährliche Überhitzung

Der deutsche Leitindex schloss nahezu unverändert, nachdem ein Vorstoß über 24.000 Punkte scheiterte. Eine massive Branchenrotation traf Rüstungswerte, während charttechnische Indikatoren eine überkaufte Marktlage signalisieren.

Dieter Jaworski ·
DAX Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Gescheiterter Ausbruch über 24.000-Punkte-Marke
  • Massive Umschichtung trifft Rüstungsbranche
  • Charttechnische Indikatoren zeigen Überhitzung
  • Fokus verschiebt sich auf kommende Konjunkturdaten

Vage Hoffnungen auf diplomatische Entspannung trieben den deutschen Leitindex am Freitag zunächst über eine psychologisch wichtige Schwelle. Am Nachmittag wich der Optimismus jedoch einer spürbaren Vorsicht, da institutionelle Anleger vor dem Wochenende Gewinne sicherten. Diese Zurückhaltung spiegelte sich in einer massiven Branchenrotation wider, die besonders Rüstungswerte traf.

Branchenrotation statt Breitband-Rallye

Der Vorstoß über die 24.000-Punkte-Marke erwies sich als nicht nachhaltig. Letztlich ging das Barometer mit 23.803,95 Zählern und einem minimalen Tagesverlust von 0,01 Prozent nahezu unverändert aus dem Handel. Unter der Oberfläche fand allerdings eine deutliche Umschichtung statt. Spekulationen über einen Waffenstillstand im Libanon und eine Deeskalation im Iran-Konflikt beflügelten Bau- und Chemiewerte. Heidelberg Materials setzte sich mit einem Plus von 3,7 Prozent an die DAX-Spitze. Im Gegenzug geriet die Rüstungsbranche ins Hintertreffen, was den Einbruch von 5,9 Prozent bei Rheinmetall erklärt.

Warnsignale der Indikatoren

Charttechnisch zeigt der Index nach einem Wochenplus von 2,74 Prozent deutliche Ermüdungserscheinungen. Der Relative-Stärke-Index (RSI) auf 14-Tage-Sicht notiert bei sportlichen 83,8 Punkten – ein klassisches Signal für eine extrem überkaufte Marktsituation. Zudem scheiterte der Versuch, den 50-Tage-Durchschnitt bei 24.033 Punkten signifikant hinter sich zu lassen. Fällt der DAX nun unter die kritische Haltezone von 23.600 Zählern, droht eine schnelle Ausweitung der Korrektur.

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Fokus auf Makrodaten

Ab Montag rücken fundamentale Daten wieder in den Vordergrund. Die hartnäckige deutsche Inflationsrate von 2,7 Prozent für März lässt Anleger weiterhin über den Zinspfad der EZB rätseln. Parallel dazu blicken die Märkte auf die anstehenden Termine der neuen Handelswoche:

  • Dienstag: ZEW-Konjunkturerwartungen für April
  • Mittwoch: Handelsbilanzdaten der Eurozone
  • Donnerstag/Freitag: Start wichtiger US-Quartalsberichte

Ohne belastbare geopolitische Entspannungssignale aus den laufenden Verhandlungen in Pakistan bleibt der Widerstand im Bereich von 24.000 Punkten vorerst bestehen. Ein nachhaltiger Ausbruch über diese Zone ist die zwingende Voraussetzung, um das charttechnische Bild angesichts des extrem hohen RSI wieder aufzuhellen und einen tieferen Rücksetzer in Richtung 23.200 Punkte abzuwenden.

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