DAX: Geopolitik lähmt Risikobereitschaft

Der DAX fällt aufgrund der Krise im Nahen Osten und steigender Ölpreise. Die US-Inflationsdaten könnten die Zinserwartungen weiter dämpfen.

Felix Baarz ·
DAX Aktie

Kurz zusammengefasst

  • DAX startet mit Verlusten
  • Iran-Konflikt belastet Stimmung
  • Ölpreis über 100 Dollar
  • US-Inflationsdaten im Fokus

Der DAX startet mit einem roten Vorzeichen in den Dienstag. Rund zwei Stunden vor Handelsbeginn taxierten erste Indikationen den deutschen Leitindex bei etwa 24.140 Punkten — knapp ein Prozent unter dem Vortagsschluss. Der Rücksetzer, der bereits am vergangenen Donnerstag einsetzte, weitet sich damit aus.

Hauptbelastung bleibt die festgefahrene Lage im Nahen Osten. Die seit fast fünf Wochen geltende Waffenruhe mit dem Iran steht auf der Kippe. US-Präsident Trump bezeichnete den jüngsten Vorschlag aus Teheran öffentlich als inakzeptabel und verhängte zusätzliche Wirtschaftssanktionen gegen iranische Personen und Unternehmen. Marktbeobachter warnen, dass sich diese Hängepartie noch über Wochen hinziehen könnte — zu früh für jede Entwarnung.

Öl über 100 Dollar — Inflation im Visier

Der Rohölmarkt reagiert sensibel. Brent-Rohöl notiert bei rund 105 Dollar je Barrel und damit deutlich über der psychologisch wichtigen 100-Dollar-Marke. Für Anleger ist das ein zweischneidiges Signal: Hält das Preisniveau an, droht eine erneute Beschleunigung der Inflation — mit möglichen Konsequenzen für die Zinspolitik der Notenbanken.

Genau deshalb rücken die heute noch erwarteten US-Verbraucherpreisdaten für April in den Mittelpunkt. Ökonomen rechnen mit einem Anstieg der Jahresrate auf rund 3,7 Prozent. Ein weiterer Zuwachs würde den Spielraum der Fed für baldige Zinssenkungen weiter verengen und Aktienmärkte zusätzlich unter Druck setzen. Für Trump ist das politisch heikel: Zu hohe Inflationswerte kurz vor den Zwischenwahlen im November könnten seine Mehrheit im Kongress gefährden.

Liquidität als Gegengewicht

Trotz des schwierigen Umfelds hält sich die Stimmung noch von einem echten Krisenmodus entfernt. Starke Unternehmensgewinne, anhaltende Technologiefantasie rund um Künstliche Intelligenz und reichlich Liquidität im Markt wirken als stabilisierende Kräfte. Auch Trump bekräftigte zuletzt, die Verhandlungen mit dem Iran fortsetzen zu wollen — ein kleines Ventil für die aufgestaute Unsicherheit.

Zusätzlich steht diese Woche eine Reihe von Quartalszahlen aus dem DAX und den Nebenwerteindizes an. Vom Allzeithoch bei 25.507 Punkten, das der Index am 13. Januar markiert hatte, ist der Leitindex aktuell mehr als 1.300 Punkte entfernt. Solange Geopolitik und Inflation das Geschehen dominieren, bleibt eine Rückkehr auf diese Niveaus ein weiter Weg.

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