DAX: Infineon fällt 7,7 Prozent nach KI-Warnung

Der DAX gab 0,6 Prozent nach, während KI-Sorgen und steigende Ölpreise Halbleiterwerte belasteten und den Fed-Zinsentscheid überschatteten.

Redaktion Stock-World ·
Ein Silizium-Wafer auf einer Werkbank in einer modernen Halbleiter-Fertigungsanlage. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Infineon verliert 7,7 Prozent
  • Aixtron rutscht knapp zwölf Prozent ab
  • SAP steigt um über fünf Prozent
  • Brent klettert auf fast 110 Dollar

Der deutsche Leitindex startete gestern mit deutlichen Verlusten in die neue Handelswoche. Ein ungewöhnlicher Mix aus branchenübergreifenden Warnungen vor den Risiken Künstlicher Intelligenz (KI) und ein massiver Anstieg der Ölpreise drückten die Stimmung am Frankfurter Parkett massiv. Während Schwergewichte aus dem Chipsektor teils zweistellig nachgaben, konnten lediglich Softwaretitel die Abwärtsdynamik im Index punktuell abmildern.

Chip-Sektor unter Schock nach KI-Warnruf

Massive Verkäufe im Technologie-Segment prägten das Marktgeschehen. Auslöser war eine Warnung von Dario Amodei, dem Chef des KI-Unternehmens Anthropic. Er mahnte vor den Gefahren eines unkontrollierten „KI-Schwarms“, der binnen sechs bis zwölf Monaten enorme wirtschaftliche Schäden im Internet verursachen könnte. Diese Einschätzung, die laut Medienberichten auch von Branchengrößen wie Elon Musk und Sam Altman geteilt wird, löste eine sofortige Neubewertung der gesamten KI-Lieferkette aus.

Besonders hart traf es die Halbleiterwerte, die als Profiteure des KI-Booms gelten. Infineon verlor gestern 7,7 Prozent an Wert, während Aixtron im MDAX sogar um knapp 12 Prozent einbrach. Auch Siemens Energy und Hochtief gerieten mit Abschlägen von rund 8 bzw. 9 Prozent unter Druck.

Im Gegensatz dazu profitierten klassische Software-Unternehmen von der Debatte: SAP setzte sich mit einem Plus von über 5 Prozent an die Spitze des DAX. Analysten von CMC Markets wiesen darauf hin, dass die nun lautstark geforderten regulatorischen Bremsen für KI bei Investoren auf Skepsis stoßen, da China eine solche Entwicklungspause für den eigenen technologischen Aufstieg ausnutzen könnte.

Energiepreise steigen nach Angriff auf Saudi-Pipeline

Zusätzlichen Abwärtssog erzeugte die Lage am Rohölmarkt. Nach einem Drohnenangriff am Wochenende musste Saudi-Arabien die wichtige East-West-Pipeline abschalten. Damit fehlen dem Weltmarkt vorübergehend bis zu 4 Millionen Barrel pro Tag, was etwa vier Prozent des globalen Bedarfs entspricht. Die Sorte Brent verteuerte sich daraufhin auf fast 110 US-Dollar pro Barrel.

Diese Entwicklung schürt neue Inflationsängste unmittelbar vor dem Zinsentscheid der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) am morgigen Mittwoch. Laut einer Reuters-Umfrage unter Ökonomen wird mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 90 Prozent eine Anhebung des Leitzinses um 25 Basispunkte erwartet. Steigende Energiekosten erschweren den Notenbankern dabei den Kampf gegen die Teuerung, da sie die Kerninflation erneut antreiben könnten.

Bankensektor im Fokus politischer Forderungen

Abseits von Technik und Energie beschäftigte die Anleger die Zukunft der Commerzbank. Bundesfinanzminister Klingbeil traf sich am gestrigen Montag mit UniCredit-Chef Andrea Orcel, um Bedingungen für eine mögliche Übernahme zu besprechen. Der Minister zog dabei klare „rote Linien“: Der Hauptsitz muss in Frankfurt bleiben, die Bank soll eine börsennotierte Aktiengesellschaft bleiben und das für die deutsche Wirtschaft kritische Mittelstandsgeschäft dürfe nicht gefährdet werden.

Obwohl die italienische UniCredit Zugriff auf fast 50 Prozent der Anteile hat, beharrt der Bund auf seinen zwei Sitzen im Aufsichtsrat und dem Schutz der über 40.000 Mitarbeiter. Der DAX beendete den Handel gestern bei 25.414,93 Punkten, was einem Minus von 0,6 Prozent entspricht.

Seit Jahresanfang verzeichnet der Index damit ein Plus von 3,8 Prozent. Während sich die Volatilität zuletzt deutlich erhöhte, blicken Anleger nun gespannt auf die morgigen Signale aus Washington.

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