DAX: Inflationsschub trifft Konjunkturhoffnung
Teurere Erzeugerpreise, ein schwächerer ZEW-Index und steigendes Öl belasten den DAX; Siemens führt die Verlierer an.

Kurz zusammengefasst
- Erzeugerpreise steigen im September um 1,9 Prozent
- ZEW-Konjunkturindex sinkt auf 28,1 Punkte
- Siemens verliert 3,6 Prozent im DAX
- Eon legt gegen den Markttrend zu
Der Dienstag bringt dem deutschen Leitindex den nächsten Dämpfer. Erzeugerpreise, Ölpreis und schwache Stimmungsdaten treffen auf ohnehin angeschlagene KI-Werte. Zur Mittagszeit notiert der DAX rund 0,7 Prozent tiefer bei etwa 25.150 Punkten.
Erzeugerpreise sorgen für Unruhe
Auslöser ist vor allem die Inflation auf Herstellerebene. Die Erzeugerpreise legten im September gegenüber dem Vormonat um 1,9 Prozent zu, Analysten hatten mit deutlich weniger gerechnet. Im Jahresvergleich beträgt das Plus 6,7 Prozent, der stärkste Anstieg seit März 2023.
Das Signal ist klar: Auch die Verbraucherpreise dürften weiter steigen. Eine Woche vor den Zinsentscheiden von EZB und US-Notenbank reagiert der Markt entsprechend nervös.
Der ZEW-Konjunkturindex fiel parallel dazu um 6,6 auf 28,1 Punkte. Vor allem die Aussichten für den privaten Konsum trüben sich ein.
Öl, Frankreich und KI-Zweifel
Hinzu kommt der Energiepreis. Brent steigt auf über 111 Dollar je Fass, getrieben von Berichten über Angriffe auf saudische Infrastruktur und Schiffe im Golf. Außerdem belasten Unruhen in französischen Städten und steigende Anleiherenditen die Stimmung.
Am Aktienmarkt zeigt sich das breit. Siemens verliert rund 3,6 Prozent und führt die Verliererliste im DAX an. Auch Infineon, Siemens Energy, Deutsche Bank, Commerzbank und Rheinmetall geben zwischen 1,7 und 2,5 Prozent nach. Die Sorgen um Bewertungen und Finanzierung des KI-Booms halten an, ABB rutschte trotz starken Auftragseingangs wegen verfehlter Gewinnerwartungen um 5,3 Prozent ab.
Defensive Titel halten dagegen. Eon gewinnt etwa 1,3 Prozent, auch Fresenius Medical Care, Qiagen und die Deutsche Telekom stehen im Plus.
Charttechnik wackelt
Technisch ist die Lage heikel. Der Index fiel unter seine 21-Tage-Linie, der jüngste Ausbruch aus dem Korrekturtrend seit dem Rekord im August steht infrage. Als Unterstützung gelten die 25.000-Punkte-Marke und das Oktober-Tief bei 24.792 Zählern. Das Rekordhoch auf Schlusskursbasis liegt bei 26.569,99 Punkten.
Eine Randnotiz aus dem Index: Die Deutsche Post erhöht zum 1. Januar 2027 das Briefporto, der Standardbrief soll dann 1,15 Euro kosten. Die Entscheidung steht unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die Bundesnetzagentur.
Fällt der DAX unter 25.000 Punkte, rückt das Oktober-Tief bei 24.792 Zählern in den Blick. Die Zinsentscheidungen in einer Woche dürften zeigen, wie stark die Inflationssorgen den Markt weiter prägen.
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