DAX: Lichtblicke im Ausverkauf
Der DAX fällt weiter, doch Einzelwerte wie Salzgitter und SMA Solar legen zu. Geopolitische Risiken und Zinssorgen belasten den Markt.

Kurz zusammengefasst
- DAX verliert weiter an Boden
- Salzgitter und SMA Solar legen zu
- Ölpreis steigt durch Nahostkonflikt
- EZB- und Fed-Sitzungen im Fokus
Während der DAX zum Wochenschluss weiter Boden verlor, feierten einzelne Aktien im gleichen Handel zweistellige Kurssprünge. Diese Gegensätzlichkeit prägte den Freitag an der Frankfurter Börse — und zeigt, wie selektiv die aktuelle Korrektur tatsächlich ausfällt.
Der deutsche Leitindex schloss 0,34 Prozent leichter bei 24.830,98 Punkten, nachdem er im Tagestief zeitweise bis auf 24.651 Zähler abgerutscht war. Die 50-Tage-Linie riss der Index damit, die runde Marke von 25.000 Punkten rückt zunehmend außer Reichweite. Auf Wochensicht steht ein Minus von knapp einem Prozent, vom Rekordhoch bei 25.900 Punkten Anfang Juli hat sich der DAX inzwischen um gut vier Prozent entfernt.
Chipsektor bleibt Belastungsfaktor
Auslöser der Schwäche ist erneut der Technologiesektor. Der Philly-Halbleiterindex fiel in den USA auf ein Achtwochentief und liegt nun rund 20 Prozent unter seinen Höchstständen. Diese Gewinnmitnahmen bei KI- und Chip-Aktien schwappten über nach Europa und trafen auch den technologiearmen DAX.
Infineon verlor 1,6 Prozent, ASML gab um 3,8 Prozent nach. Zusätzlichen Druck brachte die Ankündigung des chinesischen Start-ups Moonshot AI, mit seinem neuen Sprachmodell „Kimi K3“ in direkte Konkurrenz zu den US-Anbietern OpenAI und Anthropic zu treten. Beobachter zogen Parallelen zum DeepSeek-Schock Anfang 2025 — die Nervosität an den Märkten bleibt entsprechend hoch, auch wenn sich die Aufregung damals rasch wieder legte.
Ölpreis zieht an, Zinssorgen wachsen
Verschärft wurde die Stimmung durch die Lage im Nahen Osten. Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran weitete sich aus, das US-Militär griff nun auch zivile Ziele wie Brücken an. Der Brentölpreis kletterte um rund 2,7 bis 2,9 Prozent auf etwa 86,50 Dollar pro Barrel. Solange die Marke von 90 Dollar nicht überschritten wird, gelten die Risiken für Wachstum und Inflation nach Einschätzung von ANZ Research aber als beherrschbar.
Die Inflationsrate in der Eurozone bestätigte sich für Juni bei 2,8 Prozent — spürbar über dem EZB-Ziel von zwei Prozent. Mit der Notenbanksitzung der EZB in der kommenden und jener der US-Notenbank in der übernächsten Woche rückt das Zinsumfeld stärker in den Fokus der Anleger.
Einzelwerte trotzen dem Trend
Nicht jede Aktie folgte dem negativen Sog. Salzgitter gewann 3,9 Prozent, nachdem der Stahlkonzern seine Jahresprognose erneut anhob und dank der Komplettübernahme der Hüttenwerke Krupp Mannesmann nun mit rund zehn Milliarden Euro Umsatz statt zuvor 9,5 Milliarden rechnet. SMA Solar sprang zeitweise um fast 15 Prozent und schloss noch 5,8 Prozent im Plus, gestützt von einer erhöhten Jahresprognose — wobei ein Teil des Gewinnanstiegs aus Zollrückerstattungen und Wertberichtigungsauflösungen stammt.
Auch Rüstungswerte profitierten von starken Zahlen des schwedischen Konkurrenten Saab: Rheinmetall legte um 2,1 Prozent zu, Hensoldt um 4,2 Prozent. Auf der Verliererseite standen dagegen Schaeffler mit einem Rückgang von 4,4 Prozent, belastet durch schwache Nachfrage aus der europäischen Autoindustrie, sowie Dermapharm mit einem Minus von einem Prozent nach Einleitung einer Bafin-Prüfung des Konzernabschlusses 2025.
Mit der EZB-Sitzung in der kommenden Woche und der Fed-Entscheidung eine Woche später stehen zwei Termine an, die über die weitere Richtung der Zinserwartungen entscheiden dürften.
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