DAX: Micron entscheidet über Donnerstag

Der DAX verliert, während der Halbleiterriese Micron seine Quartalszahlen vorlegt. Rheinmetall bricht ein, Konsumwerte stabilisieren.

Dr. Robert Sasse ·
DAX Aktie

Kurz zusammengefasst

  • DAX schließt mit 0,62 Prozent im Minus
  • Rheinmetall-Aktie bricht um über 20 Prozent ein
  • Micron-Quartalszahlen als Stimmungsindikator für KI-Sektor
  • Südkoreanische Chipwerte erleiden deutliche Verluste

Der DAX schloss den Mittwoch mit einem Minus von 0,62 Prozent bei 24.740 Punkten. Das eigentliche Thema des Tages spielte sich jedoch jenseits der Schlusskurse ab: Micron Technology veröffentlichte nach US-Börsenschluss seine Quartalszahlen — und der gesamte KI-Sektor wartete gespannt auf das Ergebnis.

Rheinmetall bremst den Index

Das auffälligste Einzelereignis war ein Kurseinbruch bei Rheinmetall von mehr als 20 Prozent. Der Rüstungstitel belastete den DAX erheblich. Siemens Energy gab weitere zwei Prozent nach.

Auf der Gegenseite legten adidas und Henkel VZ je rund zwei Prozent zu. adidas setzt sein im Januar angekündigtes Aktienrückkaufprogramm über eine Milliarde Euro mit der zweiten Tranche fort. Konsumwerte stabilisierten damit das Gesamtbild.

KI-Zyklus auf dem Prüfstand

Der Abwärtsdruck auf Technologiewerte kam nicht von ungefähr. Investor Dan Niles reduzierte öffentlich seine Halbleiterbestände und warnte vor einem kurzfristigen Rücksetzer im KI-Handel. Seine Kernfrage: Können Hyperscaler mit ihren massiven Ausgaben für KI-Infrastruktur überhaupt adäquate Renditen erzielen?

Analyst Andreas Lipkow von CMC Markets beschrieb den Sektor als vom klassischen Schweinezyklus geprägt — mit harten Trendwenden ohne Vorwarnung. Die Anleger seien bereits im Vorfeld unsicher, ob die aktuellen Bewertungen gerechtfertigt sind.

Einen Vorgeschmack auf diese Nervosität lieferte Südkorea. Samsung Electronics und SK Hynix brachen nach Warnungen der Finanzaufsicht vor gehebelten Chip-ETFs um jeweils mehr als zwölf Prozent ein. Infineon notierte auf Xetra bei 81,56 Euro — stabil, aber unter Beobachtung.

Micron als Richtungsgeber

Der Konsens für Microns drittes Quartal des Geschäftsjahres 2026 lag bei einem Umsatz von rund 34,66 Milliarden Dollar und einem Gewinn je Aktie von etwa 19,95 Dollar. Die Erwartungen sind damit extrem hoch angesetzt.

Technisch bewegt sich der DAX knapp über seinen gleitenden Durchschnitten. Der 50-Tage-Schnitt liegt bei 24.575 Punkten, der 200-Tage-Schnitt bei 24.266 Punkten — beide hat der Index aktuell noch im Rücken. Auf der Oberseite wartet der Widerstand bei 25.181 Punkten, dahinter das Allzeithoch vom Januar bei 25.508 Punkten.

Erfüllt Micron die hochgesteckten Erwartungen, dürfte das Vertrauen in die KI-Infrastruktur-These zurückkehren. Enttäuscht das Unternehmen, droht dem gesamten Halbleitersektor eine weitere Verkaufswelle — mit direkter Wirkung auf die Frankfurter Eröffnung am Donnerstag.

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