DAX-Momentum: Volkswagen und Commerzbank ziehen den Index nach oben

Volkswagen und BMW erholen sich von Verlusten, während Commerzbank, Deutsche Bank und RWE bestehende Aufwärtstrends weiter ausbauen.

Dr. Robert Sasse ·
Ein professioneller Händler an seinem Arbeitsplatz vor einer Wand aus Monitoren, die Markttrends visualisieren. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Volkswagen führt mit 9,5 Prozent
  • Commerzbank nähert sich überkaufter Zone
  • BMW stabilisiert sich nach Kursverlusten
  • RWE erzielt höchste Zwölfmonatsrendite

Zwei Autobauer und zwei Banken dominieren derzeit die Liste der stärksten DAX-Werte der vergangenen 30 Handelstage. Was Volkswagen, BMW, Commerzbank und Deutsche Bank eint: Alle vier kommen aus Branchen, die zuletzt eher für Sorgenfalten als für Kursfeuerwerk standen. Dass sie nun gemeinsam mit RWE das Spitzenfeld bilden, wirft die Frage auf, ob sich hier gerade eine breitere Trendwende andeutet oder ob es sich um eine kurzfristige Verschnaufpause auf niedrigerem Niveau handelt.

Volkswagen: Kräftige Erholung von tiefem Niveau

Mit einem Plus von 9,5 Prozent auf 30-Tage-Sicht führt Volkswagen das Feld an. Der aktuelle Kurs von 80,94 Euro liegt allerdings immer noch rund 26 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 109,10 Euro, das erst im Dezember erreicht wurde. Die Erholung wirkt also weniger wie ein Befreiungsschlag, sondern eher wie eine Gegenbewegung nach dem massiven Ausverkauf der vergangenen Monate.

Der Blick auf die Jahresbilanz relativiert die Kursfreude zusätzlich: Seit Jahresanfang steht bei Volkswagen ein Minus von 22 Prozent zu Buche. Der RSI von 60,5 signalisiert zwar keine akute Überhitzung, doch der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von minus 9,3 Prozent zeigt, dass der übergeordnete Abwärtstrend noch nicht gebrochen ist. Wolfsburg hat also einen Schritt gemacht, aber der Weg zurück zu alter Stärke bleibt weit.

Commerzbank: Vom Sorgenkind zum Musterschüler

Kaum ein DAX-Wert hat sich in den vergangenen zwölf Monaten so gewandelt wie die Commerzbank. Mit einem Zwölfmonats-Plus von 29 Prozent und einer Jahresperformance von 18 Prozent gehört das Institut zu den verlässlichsten Aufsteigern im Index. Aktuell notiert die Aktie bei 42,55 Euro, nur noch 1,3 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch.

Die 30-Tage-Rendite von 8,1 Prozent zeigt, dass die Dynamik nicht nachlässt. Bemerkenswert ist der RSI-Wert von 66,5 – er nähert sich der Schwelle, ab der Marktteilnehmer üblicherweise von einer überkauften Situation sprechen. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von satten 18 Prozent unterstreicht, wie weit sich die Aktie bereits von ihrem längerfristigen Mittelwert entfernt hat. Wer hier einsteigt, kauft in eine ausgeprägte Stärkephase hinein.

BMW: Stetiger Fortschritt statt Kurssprung

BMW reiht sich mit einem 30-Tage-Zuwachs von 5,4 Prozent auf Rang drei ein und zeigt damit eine deutlich ruhigere Kursentwicklung als die beiden Spitzenreiter. Der aktuelle Kurs von 62,56 Euro bewegt sich knapp über dem 52-Wochen-Tief von 56,40 Euro, das erst im Juli markiert wurde. Die Erholung ist damit noch jung.

Auch bei BMW zeigt der Jahresvergleich das eigentliche Ausmaß der Belastung: Seit Jahresanfang steht ein Rückgang von 33 Prozent zu Buche, über zwölf Monate sind es 26 Prozent. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt liegt bei minus 18 Prozent. Die jüngste Stabilisierung – der RSI notiert bei moderaten 57,6 – deutet darauf hin, dass zumindest der Ausverkauf vorerst gestoppt ist. Ob daraus mehr wird, hängt stark von der Nachfrage im Premiumsegment ab.

Deutsche Bank: Nahe am Rekordhoch, aber ohne Übertreibung

Die Deutsche Bank komplettiert das Bankenduo im Ranking mit einem Plus von 4,5 Prozent auf Monatssicht. Bei 34,95 Euro liegt sie nur 2,5 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch – eine bemerkenswert stabile Positionierung im Vergleich zu den Autobauern im Ranking. Über zwölf Monate summiert sich der Zuwachs auf 11 Prozent, seit Jahresbeginn auf 5,1 Prozent.

Anders als die Commerzbank zeigt die Deutsche Bank mit einem RSI von 61,2 keine Anzeichen einer Überhitzung. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von plus 15 Prozent bestätigt den intakten mittelfristigen Aufwärtstrend. Die Kursentwicklung wirkt hier weniger wie eine schnelle Erholung, sondern wie das Ergebnis einer über Monate aufgebauten Stärke.

RWE: Der ruhige Gewinner im Hintergrund

RWE rundet die Top 5 mit einem moderaten Plus von 4,3 Prozent auf 30-Tage-Sicht ab – die niedrigste Zuwachsrate im Feld, aber keineswegs die am wenigsten interessante. Über zwölf Monate steht ein Kursgewinn von 68 Prozent zu Buche, der höchste Wert unter allen fünf Titeln. Der aktuelle Kurs von 60,28 Euro liegt nur 2,8 Prozent unter dem erst im April erreichten 52-Wochen-Hoch.

Der RSI von 63,7 zeigt eine Aktie in stabiler Aufwärtsbewegung, ohne die Warnsignale, die bei der Commerzbank aufblitzen. Mit einem Abstand von 71 Prozent zum 52-Wochen-Tief hat sich RWE über den gesamten Betrachtungszeitraum am gleichmäßigsten entwickelt. Die Kombination aus stabilen Cashflows und dem Ausbau erneuerbarer Kapazitäten scheint bei Anlegern kontinuierlich Anklang zu finden.

Momentum-Check: Die wichtigsten Kennzahlen im Überblick

  • Volkswagen: +9,5% (30 Tage), aber -22% seit Jahresbeginn – klassische Erholungsbewegung nach starkem Ausverkauf
  • Commerzbank: +8,1% (30 Tage), RSI 66,5 – stärkste Dynamik, aber auch am nächsten an einer überkauften Zone
  • BMW: +5,4% (30 Tage), -33% seit Jahresbeginn – frühe Stabilisierung nach massiven Verlusten
  • Deutsche Bank: +4,5% (30 Tage), nur -2,5% zum 52-Wochen-Hoch – stetigster Aufwärtstrend im Feld
  • RWE: +4,3% (30 Tage), +68% über 12 Monate – geringstes Kurz-Momentum, aber beste Langfristbilanz

Zwei Geschwindigkeiten unter einem Dach

Wer die fünf Werte nebeneinanderlegt, erkennt zwei unterschiedliche Geschichten. Volkswagen und BMW erholen sich von tiefen Kursverlusten – die Jahresbilanzen bleiben trotz der jüngsten Stärke deutlich negativ. Commerzbank, Deutsche Bank und RWE dagegen bauen auf bereits bestehenden Aufwärtstrends auf und nähern sich ihren 52-Wochen-Hochs.

Diese Zweiteilung ist entscheidend für die Einordnung des Rankings. Ein hohes 30-Tage-Momentum bei Volkswagen bedeutet etwas anderes als bei der Deutschen Bank: Im einen Fall handelt es sich um eine Gegenbewegung aus der Verlustzone, im anderen um die Fortsetzung einer bereits etablierten Stärke. Für die Commerzbank wiederum liefert der erhöhte RSI-Wert einen Hinweis darauf, dass die Dynamik in absehbarer Zeit an Tempo verlieren könnte. Bei RWE und der Deutschen Bank spricht die Kombination aus moderatem RSI und stabilem Abstand zum langfristigen Durchschnitt eher für eine tragfähige Fortsetzung des Trends.

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Volkswagen Aktie

81,04 EUR

– 0,40 EUR -0,49 %
KGV 7,86
KUV 0,13
Sektor Zyklischer Konsum
Div.-Rendite 6,44 %
Marktkapitalisierung 40,62 Mrd. EUR
Ø Kursziel 104,50 EUR
ISIN: DE0007664039 WKN: 766403

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