DAX Öl und Zins drücken

Dr. Robert Sasse ·

Raketenbeschuss zwischen Iran und Israel, Brent-Öl über 96 Dollar, und obendrein US-Arbeitsmarktdaten, die Zinshoffnungen dämpfen — der Wochenstart am deutschen Aktienmarkt steht unter keinem guten Stern. Der DAX notiert am Montagmittag rund 0,7 Prozent im Minus bei etwa 24.600 Punkten, nachdem er früh kurzzeitig auf 24.397 Punkte abgerutscht war.

Zwei Belastungsfaktoren, eine Richtung

Der direkte Auslöser für die Verluste ist doppelt: Zum einen schickten die gegenseitigen Raketenangriffe von Iran und Israel die Ölpreise nach oben — Brent legte um rund 4 Prozent zu, was Inflation und Wachstumspessimismus verstärkt. Zum anderen hatten starke US-Beschäftigungsdaten vom Freitag die Erwartungen an baldige Fed-Zinssenkungen weiter zurückgedrängt und an den US-Märkten einen kräftigen Abverkauf bei Technologiewerten ausgelöst.

Besonders hart traf es zinssensible Immobilientitel wie Vonovia sowie Aktien aus dem Reise- und Luftfahrtsektor. Airbus, MTU, Lufthansa und TUI verloren zwischen 1,1 und 1,9 Prozent. Auf der anderen Seite des Tableaus versuchten Halbleiterwerte, sich zu stabilisieren: Infineon legte als Tagesgewinner rund 1,3 Prozent zu — eine Gegenbewegung nach einem vorangegangenen Rücksetzer von bis zu 16 Prozent vom Jahreshoch.

Deutschland als Problemkind

Der makroökonomische Hintergrund trübt die Stimmung zusätzlich. Das HWWI senkte seine Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft auf 0,7 Prozent für 2026, nach zuvor 0,8 Prozent. Als Hauptbremsen gelten die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs — insbesondere die Sperrung der Straße von Hormus — sowie eine schleppende Reformpolitik der Koalitionsregierung. Die Inflation bewegt sich Richtung 3 Prozent, getrieben von gestiegenen Energiepreisen.

Passend dazu bescheinigt der aktuelle Sentix-Investorenvertrauensindex der deutschen Wirtschaft die schlechteste Lage unter den großen Wirtschaftsregionen. Die Lagekomponente für Deutschland fiel auf den tiefsten Stand seit Februar 2025. Immerhin verbesserte sich der Erwartungskomponent spürbar — ein schwacher, aber realer Hoffnungsschimmer.

Marktanalyst Andreas Lipkow sieht selektive Kaufbereitschaft: Anleger griffen gezielt bei Infineon und RWE zu, weil beide eine nachvollziehbare Investmentstory böten — Halbleiter für KI-Infrastruktur auf der einen, steigende Energienachfrage auf der anderen Seite. Konsumwerte und klassische Zykliker bleiben dagegen gemieden.

Für den weiteren Verlauf der Woche dürfte der Iran-Israel-Konflikt das zentrale Thema bleiben. Eskaliert die Lage weiter, drohen erneut steigende Ölpreise und Abgabedruck. Ein Waffenstillstand oder eine diplomatische Annäherung zwischen Iran und den USA hingegen könnte den Druck auf die Energiepreise schnell lindern — und dem DAX Raum für eine Erholung verschaffen.

Ähnliche Artikel

Silber: 72 Prozent Wahrscheinlichkeit für Zinserhöhung

Silber: 72 Prozent Wahrscheinlichkeit für Zinserhöhung

Forex ·
30,6 Milliarden für die älteste Bank der Welt — wo jetzt Rendite entsteht

30,6 Milliarden für die älteste Bank der Welt — wo jetzt Rendite entsteht

Banken & Versicherungen ·
Vanguard FTSE All-World ETF: 8. Juni final

Vanguard FTSE All-World ETF: 8. Juni final

ETFs ·
Endeavour Silver Aktie: 45 Prozent unter 52-Wochen-Hoch

Endeavour Silver Aktie: 45 Prozent unter 52-Wochen-Hoch

Gold & Edelmetalle ·
SpaceX Aktie: Booster B1067 peilt 35. Flug an

SpaceX Aktie: Booster B1067 peilt 35. Flug an

Raumfahrt ·