DAX: Ölmarkt diktiert das Tempo
Der DAX gibt nach, während steigende Ölpreise Renditen antreiben. EZB-Zinsentscheid und US-Inflationsdaten liefern weitere Impulse.

Kurz zusammengefasst
- DAX verliert 0,6 Prozent
- Brent nähert sich 100 US-Dollar
- EZB-Zinsentscheid am Donnerstag erwartet
- Halbleiterwerte bleiben gefragt
Der deutsche Leitindex startet schwächer in den Mittwoch – Auslöser ist wieder einmal der Nahe Osten. Rund eine Stunde vor Handelsbeginn verlor der DAX 0,6 Prozent auf 25.861 Punkte, der Future gab parallel nach. Die 26.000-Punkte-Marke, zuletzt heftig umkämpft, rückt damit erneut in Reichweite der Bären.
Tanker in Flammen, Renditen im Anstieg
Der Grund liegt weit weg von Frankfurt, wirkt aber direkt auf die Kurse. Das US-Militär hat nach eigenen Angaben fünf iranische Rohöltanker angegriffen und zerstört – sie seien Teil eines Netzwerks zur Finanzierung der iranischen Revolutionsgarden gewesen.
Die Antwort blieb nicht aus: Weitere gegenseitige Angriffe in der Region, Beschuss von Tankern und Militärbasen. Der Brent-Preis nähert sich dadurch der Marke von 100 US-Dollar, dem höchsten Stand seit Juli.
Steigende Energiepreise sind für Anleger ein doppeltes Problem. Sie belasten die Konjunktur in Europa und den USA direkt, erhöhen aber zugleich den Druck auf die Notenbanken, mit strafferer Geldpolitik gegen die Inflationsgefahr vorzugehen. Das drückt wiederum auf Anleihekurse und treibt die Renditen nach oben – ein doppelter Gegenwind für Aktien. Eine Ausnahme bilden weiterhin Technologiewerte mit Fokus auf Halbleiter und Künstliche Intelligenz, die trotz des unsicheren Umfelds Käufer finden.
EZB liefert am Donnerstag den nächsten Impuls
Die eigentliche Weichenstellung der Woche steht noch aus. Am Donnerstag entscheidet die Europäische Zentralbank über die Leitzinsen – eine Anhebung um 25 Basispunkte auf 2,5 Prozent gilt als weitgehend eingepreist.
Spannender als der Zinsschritt selbst dürfte die anschließende Pressekonferenz werden: Christine Lagardes Einschätzung zur weiteren Inflationsentwicklung wird genau seziert werden. Am Freitag folgen dann noch wichtige US-Inflationsdaten, die zusätzliche Richtung geben könnten.
Charttechnisch bewegt sich der Index nach dem Rekordhoch von Ende August – intraday bei 26.618,74 Punkten – in einer Konsolidierungsphase. Nach dem Rutsch vom oberen bis zum unteren Bollinger-Band Anfang September sehen einige Marktbeobachter die Basis für eine Trendfortsetzung gelegt, sollte der Index seinen mittelfristigen Aufwärtstrend bestätigen.
Die Gegenposition: Bei anhaltendem Abgabedruck könnte ein Rutsch unter das Tagestief vom 30. Juli bei 25.295 Punkten ein weiteres Verkaufssignal auslösen.
Der Mittwoch selbst dürfte angesichts der dünnen Terminlage zum Übergangstag werden – der Ölpreis bleibt bis zur EZB-Entscheidung am Donnerstag der entscheidende Kurstreiber.
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