DAX: Ölpreis diktiert das Tempo

Der DAX stagniert trotz Rekordhoch, da die Ölpreise wegen der Nahost-Spannungen steigen. Energiewerte profitieren, während die US-Inflationsdaten im Fokus bleiben.

Dieter Jaworski ·
Ein moderner Börsensaal in Frankfurt in einer realistischen, atmosphärischen Aufnahme ohne Text oder Bildschirme. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • DAX pendelt um Nulllinie
  • Ölpreis steigt auf 90 Dollar
  • Energiewerte legen deutlich zu
  • PNE-Aktie bricht um 20 Prozent ein

Am Dienstagmittag zeigt sich der DAX zäh und richtungslos. Der Leitindex pendelt um die Nulllinie bei rund 26.344 Punkten, nachdem er am Vortag mit einem Rekordschlusskurs von 26.323,88 Punkten aus dem Handel gegangen war. Das Intraday-Allzeithoch von 26.445 Punkten bleibt in Reichweite, wird aber nicht ernsthaft angetestet.

Der Grund für die Zurückhaltung liegt im Nahen Osten. Die Hoffnung auf eine Öffnung der Straße von Hormus schwindet, nachdem sich der Ton zwischen Washington und Teheran verschärft hat. US-Präsident Trump verlangt Entschädigungen für angebliche Schäden der vergangenen fünfzig Jahre, während der Iran seinerseits Bedingungen wie den Abzug amerikanischer Truppen und ein Ende aller Sanktionen stellt — Forderungen, die für eine Einigung kaum verhandelbar erscheinen.

Ölpreis zieht Energiewerte nach oben

Die Konsequenz zeigt sich sofort am Ölmarkt. Der Brent-Preis kletterte im Tagesverlauf zeitweise auf fast 90 Dollar pro Barrel, ein Plus von rund zwei Prozent. Im DAX profitieren davon die Energietitel, die als Gruppe klar zulegen, während Reisewerte und Airlines unter der Teuerung beim Treibstoff leiden und nachgeben.

Parallel dazu ziehen die Renditen amerikanischer Staatsanleihen an. Die zehnjährige US-Anleihe nähert sich mit 4,73 Prozent wieder ihrem Jahreshoch — ein Signal, das Anleger vor den am Mittwoch und Donnerstag anstehenden US-Preisdaten zusätzlich vorsichtig macht.

Bilanzsaison liefert Kontrapunkte

Während die große geopolitische Unsicherheit den Index bremst, sorgt die laufende Berichtssaison für Bewegung in Einzeltiteln. Die europäischen Unternehmensgewinne wachsen deutlich stärker als zu Saisonbeginn erwartet — statt der ursprünglich prognostizierten 14,5 Prozent zeichnet sich ein Plus von über 22 Prozent im Jahresvergleich ab, getragen vor allem vom Energiesektor, aber auch von Gesundheits-, Versorger- und Finanzwerten.

Im deutschen Nebenwerte-Segment geht es turbulenter zu. Der Windpark-Betreiber PNE bricht um rund 20 Prozent ein, nachdem das Unternehmen eingeräumt hat, dass potenzielle Käufer deutlich unter dem aktuellen Börsenkurs liegende Preisvorstellungen haben. Cancom verliert nach enttäuschenden Halbjahreszahlen und schwächelnder Cloud-Nachfrage rund 7,5 Prozent und belastet mit Bechtle auch den Wettbewerber. Auf der positiven Seite springt die Schweizer Alcon nach starken Zahlen um knapp 6 Prozent, TAG Immobilien und CTS Eventim legen nach überzeugenden Details leicht zu.

Im SDAX vollzieht sich zudem ein Wechsel: Klöckner & Co scheidet wegen der Übernahme durch das US-Unternehmen Worthington Steel aus dem Index aus, das Raumfahrtunternehmen OHB rückt an dessen Stelle.

Die Richtung des DAX bleibt in den kommenden Tagen an die Entwicklung im Nahen Osten gekoppelt. Sollte sich der Konflikt um die Straße von Hormus weiter zuspitzen, dürfte der Ölpreis die Schwankungen im Index bestimmen — die US-Inflationsdaten am Mittwoch liefern den nächsten konkreten Prüfstein.

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