DAX: Ölpreis und Zinspoker bremsen die Erholung
Hoher Ölpreis, steigende Renditen und der anstehende EZB-Entscheid belasten den DAX. Einzelne Aktien profitieren dennoch von Analystenlob.

Kurz zusammengefasst
- DAX startet bei rund 25.600 Punkten
- EZB entscheidet über 25 Basispunkte
- RWE und Eon legen zu
- RENK nach Exane-Abstufung schwächer
Nach dem herben Rücksetzer vom Vortag versucht der DAX heute die Stabilisierung – doch von einer echten Erholung ist der Index weit entfernt. Der Handel startete mit rund 25.600 Punkten kaum verändert, nachdem die Vorwoche den Index auf ein Tief seit Ende Juli gedrückt hatte. Der Grund liegt weniger im DAX selbst als im Umfeld: Öl, Zinsen und geopolitische Risiken drücken gleichzeitig auf die Stimmung.
EZB-Entscheid als Taktgeber
Am Nachmittag entscheidet die Europäische Zentralbank über die Zinsen. Eine Anhebung um 25 Basispunkte auf 2,50 Prozent gilt unter Experten als ausgemachte Sache. Spannender als der Schritt selbst dürfte der Ausblick werden – die Märkte preisen bereits zwei weitere Zinsschritte für das kommende Jahr ein. Höhere Zinsen verteuern Investitionen und machen Anleihen als Alternative attraktiver, was tendenziell auf Aktienbewertungen drückt.
Hinzu kommt der Ölpreis. Brent-Rohöl notiert weiterhin oberhalb von 100 Dollar je Fass, nachdem der Anstieg zuletzt für den Kursrutsch mitverantwortlich war. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen verharrt nahe ihrem Jahreshoch bei 4,84 Prozent – ein Belastungsfaktor, der die Nervosität an den Märkten zusätzlich befeuert.
Einzelwerte zwischen Hoffnung und Abstufung
Im DAX selbst zeigt sich ein gemischtes Bild. Versorgeraktien wie RWE und Eon legen zu, gestützt von der Erwartung stabilerer Cashflows in einem Umfeld hoher Zinsen. SAP bleibt dagegen volatil und gibt erneut nach – bereits das mehrere Tage in Folge. Rheinmetall nähert sich der psychologisch wichtigen 1.000-Euro-Marke; ein Bruch dieser Marke könnte laut Marktbeobachtern den Abwärtsdruck verstärken.
Positive Analystenkommentare stützten im frühen Handel einzelne Werte: RWE, Porsche, MTU Aero Engines und DHL profitierten von wohlwollenden Einschätzungen der US-Investmentbank JPMorgan, mit Kursgewinnen zwischen 0,8 und 1,5 Prozent. RENK dagegen verlor an Boden, nachdem Exane BNP das Rating auf „Neutral“ gesenkt hatte.
Charttechnisch bleibt das Bild angespannt. Der Index bewegt sich unterhalb seiner 20-Tage-Linie bei rund 25.572 Punkten – ein nachhaltiges Erholungssignal entstünde erst bei einem bestätigten Schlusskurs darüber, mit der nächsten Hürde an der 50-Tage-Linie bei etwa 25.773 Punkten. Der Fear-Greed-Index notiert bei 39 und signalisiert Angst im Markt – ein Umfeld, das für spontane Gegenbewegungen anfällig ist, aber ebenso für weitere Rückschläge.
Am 18. September steht mit dem großen Verfallstermin ein zusätzlicher Belastungsfaktor an: Optionen im Volumen von rund 9,6 Billionen Dollar werden dann fällig. Bis dahin dürfte der Blick der Anleger vor allem auf die US-Erzeugerpreise am Nachmittag und die Verbraucherpreise am Freitag gerichtet sein – beide gelten als wichtige Indizien dafür, wie die US-Notenbank in der kommenden Woche über die Zinsen entscheidet.
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