DAX: Politische Unsicherheit bremst Erholung
Schwache Autowerte belasten den DAX trotz robuster Konjunkturdaten, während politische Risiken und KWS Saat zusätzlich auf die Stimmung drücken.

Kurz zusammengefasst
- DAX verliert 0,5 Prozent
- Erholung scheitert an 50-Tage-Linie
- Autowerte geben deutlich nach
- KWS Saat stürzt über neun Prozent
Der DAX kommt einfach nicht vom Fleck. Am Mittwochmittag gab der deutsche Leitindex 0,5 Prozent auf 25.460 Punkte ab, nachdem er zeitweise noch bis auf 25.730 Punkte geklettert war. Schon am Vortag hatte sich die Erholung exakt an der 50-Tage-Durchschnittslinie festgefahren — ein Muster, das sich damit zum zweiten Mal wiederholt.
Dabei lieferten die Konjunkturdaten eigentlich Rückenwind. Deutschlands Privatwirtschaft wuchs im September so kräftig wie seit elf Monaten nicht mehr, der Servicesektor meldete den besten Wert seit sieben Monaten. Die anfängliche Kursfreude verpuffte trotzdem, als sich die Ölpreise von ihren Tagestiefs erholten und die Stimmung wieder eintrübte.
Politik als Bremsklotz
Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank, macht dafür vor allem hausgemachte Gründe verantwortlich. Nach den herben Wahlniederlagen der Regierungsparteien auf Landesebene würden internationale Anleger derzeit einen großen Bogen um deutsche Aktien machen. Gefragt sei Gewissheit über die politische Stabilität auf Bundesebene — die fehlt momentan.
Hinzu kommt der Blick nach Washington: Der Gipfel zwischen Xi Jinping und der US-Regierung dürfte laut Einschätzung des China-Instituts Merics keinen Durchbruch bringen, sondern eher eine neue Eskalation im Handelsstreit vermeiden. Solange diese Gemengelage aus innenpolitischer Unsicherheit und außenpolitischer Zurückhaltung anhält, bleibt es bei der von Stanzl beschriebenen Pattsituation zwischen Käufern und Verkäufern.
Auf Einzelwerteebene zeigte sich das Bild gespalten. Autowerte wie Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz verloren zwischen 1,3 und 1,7 Prozent und belasteten den Index spürbar. Dagegen legten MTU Aero Engines, Rheinmetall und Munich Re zu — ein Hinweis darauf, dass Verteidigungs- und Luftfahrtwerte weiterhin gefragt bleiben, während zyklische Industriewerte unter Druck stehen.
Am Nebenwertemarkt sorgte KWS Saat für den größten Ausreißer: Die Aktie brach um mehr als neun Prozent ein, nachdem Umsatz und operatives Ergebnis im Geschäftsjahr 2025/26 hinter den Erwartungen zurückblieben. Der Ausblick des Saatgutherstellers dürfte die Stimmung kaum aufhellen, zumal die Papiere zuvor einen guten Lauf hatten.
Ob sich der DAX aus seiner Bewegungsstarre lösen kann, hängt in den kommenden Tagen maßgeblich vom Ausgang des Xi-Treffens in Washington und von Signalen aus Berlin zur Regierungsstabilität ab.
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