DAX: Rekordgewinne trotz Stellenabbau
DAX schließt auf Rekordniveau, während operative Gewinne steigen und Arbeitsplätze abgebaut werden. Softwarewerte legen zu, Energiekonzerne verlieren.

Kurz zusammengefasst
- DAX erreicht neues Schlusskurs-Rekordhoch
- Gewinne steigen, 41.000 Stellen gestrichen
- Softwareaktien profitieren von Übernahmegerüchten
- Energiekontor bricht nach Gewinnwarnung ein
Der DAX hat die Woche mit 26.440,31 Punkten beendet, ein Plus von 0,53 Prozent zum Vortag und ein neuer Rekord auf Schlusskursbasis. Zum bisherigen Intraday-Allzeithoch von 26.573,60 Punkten, aufgestellt am Mittwoch, fehlten am Nachmittag nur rund 30 Zähler. Größter Treiber war erneut SAP, das Softwareschwergewicht legte um 2,7 Prozent zu.
Hinter der ruhigen Fassade des Index verbirgt sich allerdings eine Geschichte mit zwei Gesichtern. Die operativen Gewinne der DAX-Konzerne kletterten im zweiten Quartal um 16 Prozent auf einen Rekordwert von 52,6 Milliarden Euro. Im gleichen Zeitraum sank die Beschäftigtenzahl der Unternehmen binnen eines Jahres um 41.000 Stellen. Wachstum und Jobabbau laufen bei den Schwergewichten des Index derzeit parallel.
Softwarewerte im Aufwind, Energieversorger unter Druck
Kauflaune herrschte vor allem bei Technologietiteln. Auslöser war ein Bericht, wonach der Finanzinvestor Silver Lake Gespräche über eine Übernahme eines US-Softwareanbieters für den Personalbereich führt. Im Handel wurde daraus geschlossen, dass die zuletzt wegen der KI-Konkurrenz gedrückten Bewertungen von Softwareaktien einen Boden gefunden haben könnten. Im MDAX legten Nemetschek um 8,4 Prozent und Teamviewer um 5,3 Prozent zu.
Auf der Verliererseite stand Eon mit einem Minus von 4,4 Prozent. Ein Gesetzentwurf der Bundesnetzagentur sieht zwar eine höhere Eigenkapitalverzinsung für Gas-Netze vor als zuvor angedacht, bleibt damit aber deutlich unter den Erwartungen des Marktes.
Deutlich schärfer traf es Energiekontor: Nach einem Minus von knapp sieben Prozent am Vortag brach die Aktie um weitere 17,6 Prozent ein. Der Wind- und Solarparkentwickler hatte am Donnerstagmorgen bei der Zahlenvorlage seine Gewinnziele für 2026 noch bestätigt – am Abend desselben Tages folgte die Kehrtwende mit einer deutlichen Reduzierung.
Das Timing der Warnung wenige Stunden nach dem Halbjahresbericht bezeichneten Analysten der DZ Bank als „extrem unglücklich“. Die Konsensprognose für den Gewinn könnte kurzfristig um über 80 Prozent sinken.
Deutlich freundlicher fiel die Reaktion auf Talanx aus. Der Versicherer profitierte von einem höheren Kapitalanlageergebnis und geringeren Großschäden, steigerte den Gewinn stärker als erwartet und hob den Ausblick an. Die Aktie zog um 3,5 Prozent an, im Sog stiegen auch Allianz und Munich Re.
Zinsfantasie trägt die Rekordjagd
Der Rückenwind für den Index kam zuletzt vor allem aus den USA. Moderate Inflations- und Erzeugerpreisdaten haben Sorgen vor einer Zinserhöhung der Fed gedämpft und den S&P 500 am Vortag auf ein Allzeithoch getrieben. Auch der Iran-Konflikt und die weiterhin ungelöste Lage rund um die Straße von Hormus bremsten die Kauflaune kaum – die Börsen setzen offenbar auf eine Lösung, die noch nicht in Sicht ist.
Charttechnisch liegen die nächsten Widerstände bei 26.490 und 26.575 Punkten, Unterstützung findet der Index bei 26.250 und 26.115 Zählern. Richtung geben dürften in der kommenden Woche die Quartalszahlen von Nvidia, die als Gradmesser für die anhaltende KI-Rally an den internationalen Börsen gelten.
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