DAX: Stabilisierung auf wackligen Beinen
Steigende Anleiherenditen und Ölpreise belasten den DAX; die US-Berichtssaison soll die Renditeaussichten von KI-Investitionen prüfen.
Kurz zusammengefasst
- DAX verlor am Mittwoch 1,4 Prozent
- US-Rendite zehnjähriger Anleihen bei 5,36 Prozent
- Fresenius Medical Care gab 6,9 Prozent nach
- US-Berichtssaison soll KI-Renditen belegen
Nach drei Gewinntagen kam der Rücksetzer. Der DAX dürfte am Donnerstag zwar etwas ruhiger starten, bleibt aber angeschlagen. Die runde Marke von 25.000 Punkten rückt wieder in den Blick.
Der Broker IG sah den Leitindex knapp zwei Stunden vor Xetra-Start moderat tiefer bei 25.085 Zählern. Der Future auf den Index lag im Frühhandel ebenfalls leicht im Minus bei rund 25.208 Punkten. Am Mittwoch hatte der DAX 1,4 Prozent auf 25.104 Punkte verloren. Am Dienstag stand er zeitweise noch über 25.500 Zählern.
Anleihen und Öl als Belastung
Die Gründe liegen vor allem am Rentenmarkt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg zeitweise auf 5,36 Prozent. Das Protokoll der US-Notenbank zeigte, dass alle Währungshüter die Zinserhöhung vom September mittrugen. Eine weitere Anhebung bis Jahresende halten Marktteilnehmer für wahrscheinlich.
In Europa rückt Frankreich in den Mittelpunkt. Die Rendite zehnjähriger französischer Papiere kletterte zeitweise auf 4,91 Prozent, die der Bundesanleihe auf 3,49 Prozent. Der französische Notenbankchef Emmanuel Moulin sieht sein Land beim Staatsdefizit in einer Risikozone.
Hinzu kommt der Ölpreis. Brent schloss bei rund 100 Dollar je Barrel, nachdem die Internationale Energieagentur eine schnellere Freigabe von Reserven angekündigt hatte. Im asiatischen Handel zogen die Preise wieder an, Meldungen über einen Tankerangriff vor Katar schürten Angebotssorgen.
„Öl, Anleihen, Frankreich: Der Dax erleidet einen erneuten Rückschlag“, fasste Jochen Stanzl von der Consorsbank zusammen.
Gewinner und Verlierer
Am Mittwoch traf es einzelne Werte deutlich. Fresenius Medical Care verlor nach einem überraschenden Chefwechsel 6,9 Prozent. Shervin Korangy löst zum 12. Oktober Helen Giza ab. Infineon gab 5,8 Prozent ab, Mercedes-Benz verlor nach erneut rückläufigem China-Absatz 2,1 Prozent. Scout24 und die Deutsche Telekom führten das Feld an.
Mercedes-Benz hält am späten Nachmittag den Pre-Close-Call zum dritten Quartal ab.
Termine und KI-Frage
Am Donnerstag stehen um 13:30 Uhr das EZB-Protokoll der Septembersitzung und um 14:30 Uhr die US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe an. Erwartet werden 200.000 Anträge nach 197.000 in der Vorwoche.
Mittelfristig richtet sich der Blick auf die US-Berichtssaison. Sie muss laut Stanzl erneut belegen, ob die Milliardeninvestitionen in Künstliche Intelligenz die erhofften Renditen abwerfen. Die Rally an der Wall Street ruht zunehmend auf wenigen Technologiekonzernen. Jeder Riss in der KI-Fassade könnte die Korrekturrisiken schnell erhöhen. Viel Spielraum für Fehltritte bleibt nicht.
Kurzfristig dürfte die Marke von 25.000 Punkten die Richtung vorgeben: Fällt sie, rückt eine tiefere Korrektur in Reichweite.
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