DAX: Stagflation trifft Berichtssaison

Hoher Ölpreis und straffe Notenbanken belasten den DAX. Die Berichtssaison zeigt Licht bei DHL und MTU, aber Schatten bei VW.

Redaktion Stock-World ·
DAX Aktie (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Ölpreis auf Mehrjahreshoch belastet
  • Notenbanken signalisieren Zinspause
  • DHL und MTU mit starken Zahlen
  • VW leidet unter Margendruck

Ein Ölpreis auf Mehrjahreshoch, Notenbanken mit gebundenen Händen und ein Konjunkturausblick, der sich zusehends eintrübt — der DAX navigiert dieser Tage durch schwieriges Fahrwasser. Nach einem schwachen Wochenstart kämpfte der Leitindex am Donnerstag zunächst mit deutlichen Verlusten, bevor er sich im Handelsverlauf stabilisieren konnte und zuletzt knapp im Plus bei rund 24.000 Punkten notierte.

Öl überschattet alles

Rohöl der Sorte Brent kletterte zeitweise auf 126 Dollar je Fass — den höchsten Stand seit 2022. Verantwortlich ist die Eskalation im Nahen Osten: Die anhaltende Blockade der Straße von Hormus treibt die Energiepreise in die Höhe und schürt Erinnerungen an Stagflationsphasen vergangener Jahrzehnte. An den Anleihemärkten schlugen die Wellen ebenfalls hoch, mit deutschen Bundesanleiherenditen auf dem höchsten Stand seit 2011.

Die Notenbanken sitzen derweil in der Klemme. Die Fed beließ am Vorabend die Zinsen unverändert, lieferte aber hawkische Signale. Die EZB zog am Donnerstagnachmittag nach — ebenfalls Zinspause, ebenfalls mit einem Ausblick, der wenig Spielraum für Lockerungen lässt. Steigende Energie- und Lebensmittelpreise machen Zinssenkungen politisch wie wirtschaftlich zur Gratwanderung.

Licht und Schatten in der Berichtssaison

Mitten in diesem Umfeld läuft die Quartalsberichtssaison auf Hochtouren — und liefert ein gemischtes Bild. DHL Group überraschte mit einem kräftiger als erwarteten operativen Gewinn und bestätigte die Jahresziele, die Aktie zog an der DAX-Spitze deutlich an. MTU Aero Engines steigerte Umsatz und operatives Ergebnis trotz Gegenwind durch den schwachen Dollar um jeweils sechs Prozent. Brenntag profitiert sogar direkt vom Konflikt: Die UBS hob das Kursziel von 42 auf 60 Euro an und stufte das Papier von „Sell“ auf „Neutral“ hoch — Preissprünge bei Energie und Chemikalien verbessern die Margen des Händlers.

Auf der anderen Seite belastet VW weiter der Margendruck. Die operative Marge lag im ersten Quartal bei 3,3 Prozent, deutlich unter den Analystenerwartungen von 3,7 Prozent. Auch bei Halbleiterwerten dominierten gestern gemischte Signale nach den Big-Tech-Zahlen aus den USA — obwohl Aixtron und Infineon im Tagesverlauf zulegen konnten.

Deutschlands Wirtschaft: Überraschend gut, aber mit Ablaufdatum

Das deutsche BIP legte im ersten Quartal um 0,3 Prozent zu — mehr als erwartet. Ein kleiner Lichtblick. Gleichzeitig brachen die Einzelhandelsumsätze im März um zwei Prozent ein, die Kauflaune der Verbraucher ist so niedrig wie vor zwei Jahren, und 43 Prozent der befragten Industrieunternehmen planen mit weniger Personal. Das Wachstumsmomentum dürfte im zweiten Quartal spürbar nachlassen.

Charttechnisch bleibt die Lage angespannt. Solange der DAX die Marke von 24.000 Punkten nicht nachhaltig zurückerobert, bleiben die kurzzeitigen Erholungsversuche strukturell fragil. Die nächste Widerstandszone liegt bei rund 24.091 Punkten — dem Tageshoch vom Mittwoch. Gelingt der Ausbruch darüber, öffnet sich der Weg in Richtung 25.000 Punkte. Ein Rutsch unter 23.400 Punkte hingegen würde das Chartbild deutlich eintrüben.

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