DAX: Streik-Welle und Kurssturz

Der deutsche Leitindex gewinnt trotz geopolitisch entspannter Lage, während massive Streiks bei Lufthansa und eine drastische Gewinnwarnung von Hugo Boss den Markt belasten.

Dr. Robert Sasse ·
DAX Aktie

Kurz zusammengefasst

  • DAX notiert knapp über psychologischer 24.000er-Marke
  • 48-Stunden-Pilotstreik legt Lufthansa lahm
  • Hugo Boss kappt Prognose für 2026
  • IWF senkt globale Wachstumserwartungen

Geopolitische Entspannungssignale schieben den DAX am Dienstag über die psychologisch wichtige Marke von 24.000 Punkten. Unter der Oberfläche brodelt es heftig. Ein massiver Streik bei der Lufthansa und eine drastische Gewinnwarnung bei Hugo Boss prägen das Bild.

Der deutsche Leitindex notiert am Nachmittag bei 24.010 Punkten. Das entspricht einem Tagesplus von 1,13 Prozent. Charttechnisch bewegt sich das Barometer auf dünnem Eis. Der Kurs klebt exakt an der 50-Tage-Linie von 24.006 Punkten. Der 200-Tage-Durchschnitt verläuft bei 24.113 Zählern und bildet den nächsten massiven Widerstand.

Turbulenzen bei Lufthansa und Hugo Boss

Das dominierende Unternehmensthema liefert die Lufthansa. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit bestreikt für 48 Stunden die gesamte Fluggesellschaft. Die Folge: Hunderte Flüge fallen aus. Zehntausende Passagiere stranden an den Flughäfen Frankfurt und München. Die Lage spitzt sich weiter zu. Ab Mittwoch legen zusätzlich die Flugbegleiter der Kernmarke und der CityLine die Arbeit nieder.

Einen schweren Rückschlag kassierte Hugo Boss. Der Modekonzern kappte am Vorabend seine Prognose für Umsatz und operativen Gewinn im Jahr 2026. Die Aktie brach daraufhin zur Eröffnung um rund zehn Prozent ein. Besserung erwartet das Management frühestens im kommenden Jahr.

Airbus meldet parallel dazu Gegenwind. Der Flugzeugbauer senkte sein Auslieferungsziel für das laufende Jahr. Bekannte Probleme mit Software und Rumpfteilen zwingen den Konzern zu diesem Schritt. Der Markt reagierte gelassen. Die Aktie legte im Tagesverlauf sogar leicht zu.

IWF kappt Erwartungen

Abseits der Einzelwerte richtet sich der Blick nach Washington. Dort startet die Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds. Experten erwarten eine deutliche Senkung der globalen Wachstumsprognosen. Gestiegene Energiepreise und die Nachwehen des Iran-Konflikts belasten die Aussichten.

Für Deutschland zeichnet sich ein trübes Bild ab. Führende Forschungsinstitute rechnen für 2026 nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von 0,6 Prozent. Die Inflation im Inland kletterte zuletzt auf den höchsten Stand seit Anfang 2024. Die Europäische Zentralbank federt diese Schwäche teilweise ab. Mehrere Zinssenkungen im laufenden Zyklus stützen die Aktienbewertungen.

Am Abend rückt ein politisches Schwergewicht in den Fokus. Bundeskanzler Friedrich Merz und EZB-Präsidentin Christine Lagarde sprechen beim Jahresempfang des Bundesverbandes deutscher Banken. Ihre Aussagen zur künftigen Geldpolitik könnten den Handel am Mittwoch direkt beeinflussen. Ein nachhaltiger Ausbruch des DAX über die 200-Tage-Linie erfordert klare positive Impulse aus diesem Umfeld.

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