DAX: Teuerung kippt die Stimmung
Steigende Verbraucherpreise und hohe Anleiherenditen belasten den DAX; BMW gewinnt, während die Commerzbank am Indexende liegt.

Kurz zusammengefasst
- DAX verliert zuletzt rund 0,8 Prozent
- Deutsche Teuerung erreicht höchsten Stand seit Ende 2023
- BMW steigt um 3,2 Prozent
- Commerzbank fällt nach gestrichener Kaufempfehlung
Die Erholungsversuche im DAX sind am Nachmittag versandet. Ein Inflationssprung in Deutschland drückt den Leitindex ins Minus, obwohl die US-Daten besser ausfielen als erwartet. Am Markt wächst die Überzeugung, dass die Europäische Zentralbank nochmals an der Zinsschraube dreht.
Inflation in Europa über dem Ziel
Der Index notierte zuletzt rund 0,8 Prozent tiefer bei etwa 25.240 Punkten. Zur Mittagszeit hatte das Minus noch bei nur 0,1 Prozent gelegen. Die deutschen Verbraucherpreise steigen so stark wie seit Ende 2023 nicht mehr. Zuvor waren bereits Zahlen aus Spanien, Frankreich und Italien gekommen. Alle liegen weit über dem Zwei-Prozent-Ziel der EZB.
Die Helaba sieht eine Zinserhöhung zum Jahresende bereits vollständig eingepreist, eine weitere im ersten Quartal. Hohe Anleiherenditen verstärken den Druck: Sie verteuern die Finanzierung und machen Anleihen zur Alternative zu Aktien. Das dürfte vorerst wie ein Deckel auf den Kursen liegen.
US-Daten helfen nur kurz
Aus den USA kamen erfreuliche Signale. Die Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal annualisiert um 2,2 Prozent, erwartet worden waren 1,5 Prozent. Die PCE-Inflationsrate fiel mit 3,4 Prozent niedriger aus als die prognostizierten 3,7 Prozent. Damit hätte die Fed Argumente, bei ihrer nächsten Sitzung zunächst stillzuhalten. Auch der Arbeitsmarkt zeigte sich robust.
Am Morgen hatte zudem Rückenwind aus der KI-Politik geherrscht. US-Präsident Donald Trump signalisierte eine Präferenz für freiwillige Selbstverpflichtungen statt harter Regulierung, was ein unmittelbares Risiko für KI-Investments entschärfte. Positive Einkaufsmanagerdaten aus China kamen hinzu.
Einzelwerte mit deutlichen Ausschlägen
BMW führte die Gewinnerliste mit einem Plus von 3,2 Prozent an. Die Pläne des Autobauers für die kommenden Jahre kamen bei Anlegern gut an. Kolportierte Aussagen vom Kapitalmarkttag hatten am Vortag noch für Nervosität gesorgt, diese Verluste holte das Papier wieder auf.
Am Indexende stand die Commerzbank mit minus 3,3 Prozent. Analyst Benjamin Goy von der Deutschen Bank strich seine Kaufempfehlung. Viele Kurstreiber wie steigende Zinseinkünfte und üppige Ausschüttungen seien eingepreist oder durch die starke Kursentwicklung bereits realisiert.
Nach US-Börsenschluss legt der Chipkonzern Micron Quartalszahlen vor. Sie gelten als Test, ob der KI-Boom weiter im operativen Geschäft der Halbleiterbranche ankommt. Enttäuscht Micron, droht der zuletzt gewachsenen Skepsis gegenüber dem KI-Sektor schneller Verkaufsdruck, der am Donnerstag auch den DAX belasten könnte.
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