DAX: Überhitzt auf Rekordkurs
Der DAX markiert neue Höchststände, während Indikatoren Überhitzung zeigen. Quartalszahlen sorgen für starke Kursbewegungen bei Einzelwerten.

Kurz zusammengefasst
- DAX erreicht neues Allzeithoch
- RSI und MFI warnen vor Überhitzung
- Zalando bricht nach Umsatzverfehlung ein
- Lufthansa fällt nach Gewinnwarnung
Der deutsche Leitindex bricht Rekorde im Tagestakt – und die Charttechnik schlägt Alarm. Während der DAX am Dienstag erneut ein Allzeithoch markiert, signalisieren mehrere Indikatoren eine deutliche Überhitzung. Gleichzeitig sorgt eine Welle von Quartalszahlen für teils heftige Ausschläge bei Einzelwerten.
Am Morgen kletterte der Index um rund ein Prozent auf 26.254 Punkte, im Tagesverlauf wurde sogar die Marke von 26.260 Zählern touchiert. Erst am Vortag hatte der DAX mit einem Xetra-Schluss von 26.001 Punkten erstmals die Marke von 26.000 überschritten – der höchste Schlussstand seiner Geschichte.
Überkauft, aber ungebrochen
Die technischen Signale zeichnen ein widersprüchliches Bild. Der RSI notiert bei 77,93, der Money Flow Index sogar bei 81,58 – beides klassische Überkauft-Warnungen. Der ADX-Wert von knapp 33 deutet allerdings auf einen intakten, kräftigen Aufwärtstrend hin. Bearishe Divergenzen sind bislang nicht erkennbar, was die Kontrolle der Käufer unterstreicht.
Als nächste Hürde gilt die Marke von 26.354 Punkten, das bisherige Allzeithoch. Auf der Unterseite verläuft eine Unterstützungszone zwischen 25.726 und 25.874 Punkten, wo mehrere gleitende Durchschnitte und Fibonacci-Level zusammenlaufen. Ein Rückfall unter dieses Cluster könnte eine schnellere Korrektur auslösen als es der aktuelle Rekordlauf vermuten lässt.
Ergebnissaison sorgt für Ausschläge
Die Berichtssaison bestimmt das Geschehen bei den Einzelwerten. Zalando bricht um 15 bis 17 Prozent ein – der Online-Modehändler verfehlte die Erwartungen beim Umsatz und passte den Jahresausblick nach unten an. Nach einer Kursrally von rund 50 Prozent im Vorfeld reichten die Zahlen den Investoren offensichtlich nicht.
Bayer gehört dagegen zu den Gewinnern und legt rund 4,4 Prozent zu. Das bereinigte EBITDA stieg auf 2,14 Milliarden Euro, während Analysten im Schnitt nur mit 1,941 Milliarden gerechnet hatten. Das Agrargeschäft und bestätigte Prognosen für 2026 stützen die Aktie.
Fresenius Medical Care verliert zwischen 4,4 und 6,9 Prozent, obwohl das operative Ergebnis positiv überraschte – der unveränderte Jahresausblick weckt jedoch Zweifel an der zweiten Jahreshälfte. Noch deutlicher trifft es die Lufthansa mit einem Kursrückgang von 9 Prozent. Um 750 Millionen Euro höhere Kerosinkosten belasteten das Ergebnis, Vorstandschef Carsten Spohr hält für das Gesamtjahr nun sogar einen Gewinnrückgang für möglich.
Rückenwind kommt derweil von außerhalb Europas. Der japanische Nikkei schloss mit deutlichen Gewinnen, US-Futures zeigen sich vorbörslich moderat fester. Im Tagesverlauf richten sich die Blicke auf US-Konjunkturdaten – Handelsbilanz, Auftragseingänge der Industrie und JOLTS-Arbeitsmarktzahlen könnten Hinweise auf die weitere Geldpolitik liefern.
Solange die Unterstützungszone um 25.726 bis 25.874 Punkte hält, bleibt der Aufwärtstrend nach charttechnischer Lesart intakt. Rutscht der Index jedoch nachhaltig darunter, dürfte die überkaufte Ausgangslage eine schnellere und schärfere Korrektur begünstigen als in ruhigeren Marktphasen.
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