DAX: Überkauft, aber ungebremst
Der DAX klettert auf ein frisches Allzeithoch, beflügelt von Hoffnungen auf eine Deeskalation im Nahen Osten. Die Bilanzsaison zeigt deutliche Gewinner und Verlierer.

Kurz zusammengefasst
- DAX erreicht neues Rekordhoch
- Nahost-Entspannung treibt Ölpreise
- Fresenius und Siemens Energy stark
- Infineon verliert nach Gewinnmitnahmen
Steigende Renditen, teures Öl, Zweifel an den KI-Milliarden der Tech-Konzerne – gleich drei Belastungsfaktoren der vergangenen Wochen lösen sich derzeit parallel auf. Das Ergebnis: Der DAX klettert am Mittwoch auf ein weiteres Rekordhoch und lässt damit die Sorgen der letzten Handelstage hinter sich.
Am Vormittag steht der Leitindex bei rund 26.370 Punkten, ein Plus von 0,6 Prozent. Erst am Vortag hatte der Index mit 26.266 Punkten ein neues Allzeithoch markiert – nun wird bereits die psychologische Marke von 27.000 Punkten als nächstes Etappenziel gehandelt.
Nahost-Hoffnung befeuert die Rekordjagd
Berichten zufolge stehen die USA, der Iran und Oman kurz vor einer vorübergehenden Einigung zur Öffnung der Straße von Hormus – ohne Maut oder Gebühren für die Schifffahrt. Eine offizielle Ankündigung wurde für Mittwoch erwartet. Die Ölpreise reagierten entsprechend gelassen, die Nordseesorte Brent bewegte sich bei etwa 80 US-Dollar je Barrel.
Consorsbank-Chefanalyst Jochen Stanzl bringt das Muster auf den Punkt: Sobald die USA nach einer Eskalation im Nahen Osten einen Waffenstillstand verkünden, ziehen die Kurse an – unabhängig davon, ob sich am Konflikt selbst etwas ändert. Die nachlassenden Ölpreise drücken zugleich die Anleiherenditen, was Zins- und Inflationssorgen weiter dämpft.
Bilanzsaison trennt Gewinner von Verlierern
Fresenius liefert die stärkste Reaktion des Tages: Das Ebit stieg währungsbereinigt um 10 Prozent auf 719 Millionen Euro, der Krankenhausbetreiber hob seine Jahresprognose an. Die Aktie springt an die DAX-Spitze, ein Plus von 6,2 Prozent. Siemens Energy meldet dank boomender Nachfrage nach Gasturbinen und Transformatoren ein Rekordquartal mit 1,6 Milliarden Euro bereinigtem Ergebnis – erstmals seit fast vier Jahren schreibt auch die Windturbinentochter Siemens Gamesa wieder schwarze Zahlen. Die Aktie legt 4,2 Prozent zu.
Auf der anderen Seite steht Infineon: Trotz Rekordumsatz und optimistischem KI-Ausblick kommt es zu Gewinnmitnahmen, befeuert vom nachbörslichen Kursrutsch des US-Konkurrenten AMD. Die Aktie verliert 4,8 Prozent und bildet damit das Schlusslicht im Index. DHL steigerte den Umsatz um 13 Prozent auf 22,37 Milliarden Euro und stockte sein laufendes Rückkaufprogramm um 500 Millionen Euro auf – dennoch geben die Papiere 1,5 Prozent ab. Vonovia verzeichnet einen Rückgang beim bereinigten Vorsteuerergebnis um 5,4 Prozent und verliert 1,8 Prozent.
Charttechnik warnt vor überkaufter Lage
Der Index notiert seit zwei Handelstagen komplett über dem oberen Bollinger-Band, auch die Stochastik zeigt eine überkaufte Marktlage an. Kippt das Signal, könnte kurzfristig Gegenwind aufkommen – der übergeordnete Aufwärtstrend bliebe davon laut Charttechnikern aber intakt, solange der DAX nicht nachhaltig unter die Unterstützung bei 25.295 Punkten fällt. Rückenwind lieferte in der Nacht auch Asien: Der Nikkei sprang um 3,7 Prozent, der koreanische Kospi um 3,8 Prozent.
Im weiteren Tagesverlauf richten sich die Blicke auf die Einkaufsmanagerindizes aus Deutschland und den USA sowie die ADP-Arbeitsmarktzahlen. Charttechnisch wird für den DAX eine Handelsspanne zwischen 26.200 und 26.500 Punkten erwartet – mit der 27.000-Punkte-Marke als nächstem sichtbaren Ziel, sollte die Rekordserie anhalten.
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